MARCO MENG

Jetzt hat der in Syrien tobende Terror auch die Türkei erreicht. Lange wollte der türkische Präsident Erdogan das, was im Nachbarland geschieht, ignorieren - jetzt ist er doch gezwungen, einzuschreiten, ehe das Chaos gänzlich auf sein Land überschwappt. „Die Hunde, die wir gefüttert haben, beißen jetzt“, sagte ein türkischer Parlamentarier. Die Schlächter des IS lassen sich eben leider nicht mit guten Argumenten auf Distanz halten oder gar befrieden, sondern eben gemäß Nietzsche höchstens „mit der Faust an die Stirn“. Dachte man tatsächlich, man könne sich mit diesen Barbaren aus dem Neanderthal „arrangieren“? Hätte die Türkei früher eingegriffen, wären vielleicht manche Menschen in der syrischen Stadt Kobane noch am Leben. Hätten die USA nicht die irakischen Streitkräfte aufgelöst und hätten die Europäer jahrzehntelang nicht... ja, hätte, hätte. Die Flüchtlingsströme sind jetzt da, stoppen können wir sie erst mal nicht, aber die Ursachen bekämpfen, warum Menschen fliehen müssen, das können wir schon. Und das müssen wir auch. Die Zahl der Menschen, die auf der Flucht sind, war nie so hoch wie jetzt. Während in den USA ein nicht ganz ernstzunehmender Präsidentschaftskandidat mit komischen Haaren krakeelt, es müsse gegen Drogen und vor allem Einwanderer eine Mauer zu Mexiko gebaut werden - der existierende Stacheldrahtzaun reicht ihm nicht - ist auch in Europa die Diskussion um Flüchtlinge an einem ähnlichen Niveau angelangt. Das heisst nicht, man solle gutmenschlich alles schönreden, wobei das Gefasel von einer „Willkommenskultur“ auch keine Probleme löst, sondern allenfalls in eine Floskel ausartet. Das Problem, das die USA mit dem im Drogenkriminalität versinkenden Mexiko haben, sind die Drogen - die freilich US-Amerikaner konsumieren - sowie die Waffen, die US-Firmen in Mexiko absetzen. Will man sich gegen Drogen schützen und will man verhindern, dass Menschen aus Mexiko dem Chaos dort durch die Flucht in die USA zu entkommen versuchen, muss man den Drogenkrieg stoppen. Und der hat eine Wurzel - 1. im Drogenkonsum der USA und 2. in der Armut in Mexiko. Wenn Deutschland stöhnt, dass es mit die meisten Flüchtlinge aufnimmt und manche Kommune an ihrer Belastungsgrenze sei, so ist das zwar durchaus nachvollziehbar, andererseits ist eben Deutschland auch einer der größten Waffenexporteure - und sehr viele der Flüchtlinge, die Deutschland aufnimmt, fliehen vor Kriegen und Gewalt - auch vor deutschen Waffen also. Es wäre eigentlich nur richtig, wenn die Waffenkonzerne für die Kosten der Flüchtlingsunterbringung zahlten. Es ist an der Zeit, Waffenexporte zu stoppen.

Machen es sich manche „zu leicht“, weil sie sich hier ein besseres Leben versprechen? Vielleicht würde ich es genauso machen, obwohl natürlich klar ist, dass die Probleme der Welt - Unterdrückung, Kriminalität und Armut - nicht in Europa gelöst werden können, sondern nur vor Ort - aber mit Hilfe Europas. Und diese Hilfe muss mehr und echter sein als das, was wir euphemistisch „Entwicklungshilfe“ nennen.

Wenn man sich mit Potentaten gutstellen kann, weil es Gewinn bringt, kann man auch diesen Ländern helfen, Wohlstand zu erlangen. Sicher, leichter gesagt als getan. Und von Schreibtischen aus geht das schon mal gar nicht. Das ist eben der Preis, den wir zu zahlen haben.