LUXEMBURGSVEN WOHL

Nach der Reform des Ehegesetzes läuten erste Hochzeitsglocken bei homosexuellen Paaren - Doch es bleibt noch viel zu tun

Man hat lange darauf warten müssen: Das erste offizielle Ja-Wort, das zwischen Homosexuellen in Luxemburg fallen sollte, musste bis zum 1. Januar diesen Jahres ausbleiben. Doch das mindert nicht den Erfolg, der damit errungen wurde. Denn die Diskriminierung sexueller Minderheiten wurde damit ein weiteres Stück zurück geschlagen. Der emotionale Höhepunkt für die LGBT-Gemeinde ist zugleich einer für Rosa Lëtzebuerg, einer Organisation, die sich bereits seit 1996 für die Rechte von Homo-, Bi- und Transsexuellen einsetzt.

Heimischer Aufwind

Die Situation hat sich wesentlich verbessert, meint Andy Maar von Rosa Lëtzebuerg. Doch nicht alles sei in Butter: So gibt es unter anderem immer noch eine ungleiche Behandlung wenn es um Blutspenden geht und vor allem die Problematiken rund um die Transsexualität sind noch nicht so stark im Bewusstsein verankert, wie es der Fall sein könnte. „Das Thema Transsexualität ist bisher noch kaum in der Gesellschaft angekommen“, bestätigt Andy Maar. Auch bei Rosa Lëtzebuerg beschäftige man sich noch nicht intensiv genug damit, doch man arbeite mittlerweile an einer umfassenden Bestandsaufnahme der vorwiegend rechtlichen Bedürfnisse von transidenten Menschen. In der Gesellschaft angekommen sieht Andy Maar die LGBT-Gemeinde als ganzes schon, auch wenn im Internet immer wieder unsägliche Kommentare zu finden sind. „Der Stammtisch hat sich nun einmal ins Internet verlagert“, meint dazu Andy Maar und erklärt weiter, dass man hier nicht über eine simple Kampagne zum Umdenken anregen kann, sondern, dass dies über einen längeren Zeitraum geschehen wird.

Damit sieht die Situation in Luxemburg ganz gut aus, doch wie sieht es in Europa oder gar weltweit aus? Für Europa stellt Andy Maar fest, dass Homosexualität kein Tabu-Thema mehr darstellt, auch wenn sich einige Länder der Union noch zurückhalten. So sieht er es als problematisch an, dass in Deutschland weiterhin kein Wille besteht, alle Paare beim Thema Ehe gleich zu stellen. Doch dies sei in seinen Augen nur noch eine Frage der Zeit. Eines der akuteren Problemfälle stelle jedoch die Ukraine dar: Während der Westen des Landes sich durchaus offener gibt, versucht man nun im Osten des Landes, die Homosexualität wieder unter Strafe zu stellen. Hier mache sich der Einfluss Russlands bemerkbar, stellt er fest.

Promifaktor

Ein zweischneidiges Schwert ist in gewisser Hinsicht das Outing von bekannten Persönlichkeiten. „Das hilft uns zu einem großen Teil“, meint er und erklärt weiter, dass es sich dabei eigentlich nicht mehr um eine Nachricht handeln sollte. Doch vor allem im Sportbereich, wie etwa im Fußball, kann ein solches Outing für andere Homosexuelle in diesem Bereich wahre Wunder wirken. Stören tut ihn hingegen die Darstellung im Fernsehen: „Beim Trash-TV wird zu sehr auf Stereotypen gesetzt, was der Sache nicht sonderlich dient“, stellt er fest. Generell wünscht er sich in der Berichterstattung einen nuancierteren Umgang mit den Begriffen, auch wenn diese nicht immer böse gemeint sind. Dies hängt auch teilweise mit gewissen Genderklischees zusammen: „Homosexuelle Männer werden immer noch fast ausnahmslos als feminin und lesbische Frauen als als sehr maskulin eingestuft“, erklärt Andy Maar.

Es gibt also noch viel zu tun für Rosa Lëtzebuerg, auch wenn der politische Teil sich in der letzten Zeit etwas beruhigt hat. „Wenn unser Fokus bisher verstärkt auf politischer Lobbyarbeit lag, so verlagert es sich mittlerweile immer mehr auf den soziokulturellen Bereich“, betont er und verweist unter anderem auf das Gaymat-Fest, das viel dazu beiträgt, die LGBT-Gemeinschaft in Luxemburg sichtbarer zu machen. Alleine dieses Fest, samt Rundtischgesprächen, Ausstellungen und Filmabenden, muss über das ganze Jahr hinweg vorbereitet werden. Doch die Mühe ist es wert, vor allem vor dem Hintergrund der kürzlich errungenen Siege, blickt man bei Rosa Lëtzebuerg optimistisch in die Zukunft.