LUXWEMBURG
LUC SPADA

Der Herbst ist wieder da. Und er macht Angst. Wie jedes Jahr. Es ist kalt, es wird dunkler, es regnet den ganzen Tag. So wie heute, Sonntagabend. Da frage ich mich echt: Was habe ich heute falsch gemacht? Natürlich nichts. Jedenfalls nichts, was so schlimm wäre, dass die Konsequenz ein derartig unangenehmer Tag ist.

Du schaust durchs Fenster. Kurz hört es zu regnen auf. „Jetzt“, denkst du. Wagst einen Schritt auf die Terrasse. Vielleicht eine Zigarette und Kaffee. Ein kurzer Augenblick drauf, tröpfelt es wieder in die Tasse. Die Regenpause war nicht von langer Dauer. Die Zigarette wieder aus, ein Tropfen fiel exakt dorthin, wo die Glut ist, ja war.

Du checkst dein Instagram-Profil, die Bikini-Fotos werden immer weniger, die Schnappschüsse vom Strand auch. Du weißt, es kann jetzt nur noch bergab gehen. Drei Monate Sonne, neun Monate Regen oder graues Standbild, wohin das Auge auch reicht.

Erneut die Frage: Was habe ich nur falsch gemacht? Und ist es eine gute Idee übers Wetter, über die Jahreszeit, zu schreiben? Schließlich wissen wir alle, dass, wenn das Thema Wetter aufkommt, es eigentlich nichts mehr zu sagen, oder schreiben gibt. Nur schlimmer: Die Abende, wo sich auf einmal Witze erzählt werden. Es kann nur noch bergab gehen. Doch es beschäftigt uns Menschen. Das Wetter, ständig bestimmt es unser Leben, unsere Laune, unsere Mobilität. Es ist die Zeit der „Ganz schön kalt wieder, gestern waren es doch noch…“, „Was? Schon dunkel“ oder „Ich zieh hier weg“ Sätze. Und doch zieht keiner weg. Denn gutes Geld wird nicht dort gemacht, wo es schönes Wetter gibt. Und gutes Geld kommt meistens vor gutem Wetter. Wäre das nicht so, hätten wir höchstwahrscheinlich kein globales Klimaproblem.

Es kommen nun die Vermeidungsmonate. Wer sich in diesen Zeiten freiwillig dem Draußen widmen will, muss wirklich viel Lebensmut über haben. Das Draußen wird vermieden und das Drinnen erfreut sich etlicher Gäste.

Die Messen fahren ordentlich Besucherrekorde ein. Die Stände verticken Cremes für trockene Haut, Brühe gegen Grippe und Schnaps für bessere Laune.

Die Theater locken mit ihrem vielversprechenden und abwechslungsreichem Repertoire, damit die Hirne der Masse, zusammen mit den Blumen, nicht verwelken und erst nächstes Jahr wieder auftauen. Außer in Luxemburg, wir übersetzen Märchen auf luxemburgisch. Applaus.

Die Badewannen werden mit warmem Wasser und ätherischen Ölen gefüllt, die Daunenjacken werden ausgepackt und die Winterreifen werden aufgesetzt. Alles muss aufgerüstet werden. Warm und sicher brauchen wir es. „Kein Wunder, dass auf Gran Canaria alle immer so unerträglich gut gelaunt sind“, meinte letztens ein Freund. Dafür haben wir Black Friday. Wenn wir uns von Zuhause, im Warmen, eine neue Playstation mit zwanzig Prozent Rabatt bestellen können, sind wir glücklich. Kein Wunder.