LUXEMBURG
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Mano über seinen Weg vom Architekten zum Künstler

Nachdem Mano in Lissabon Architektur studiert und an einem Austauschprogramm in Brasilien teilgenommen hat, hat er eine Zeit lang im Mosambik gearbeitet, bevor er sich dazu entschlossen hat, nach Luxemburg zu kommen. Hier arbeitete er während einer gewissen Zeit als Architekt, entschied sich dann aber dazu, diesen Beruf gegen den des Künstlers auszutauschen. Im Interview erklärt der junge Mann, woher dieser Sinneswandel kam, worin die Unterschiede zwischen der portugiesischen und der luxemburgischen Kulturszene liegen und warum gerade jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um in Luxemburg als Künstler aktiv zu sein.

Warum hast Du Dich dazu entschlossen, die Arbeit als Architekt aufzugeben und Dich der Kunst zu widmen?

Mano Ich habe hier in Luxemburg während fünf Jahren als fest angestellter Architekt gearbeitet. Nach diesen fünf Jahren habe ich meinen Chef darum gebeten, mich zu feuern. Zu dem Zeitpunkt fühlte ich mich bereits seit etwas mehr als einem Jahr sehr unzufrieden und unglücklich. Ich wusste zuerst nicht, woher dieses Gefühl kam, habe dann aber schnell verstanden, dass es an der Arbeit lag, die mir einfach keinen Spaß mehr machte. Jeden Tag bin ich aufgestanden und habe über Farben, Sketches und Ideen nachgedacht. Diese Kreativität konnte ich jedoch nie bei der Arbeit umsetzen. Mein Chef hat mich also gefeuert, und seitdem bin ich wieder glücklich: Endlich kann ich wieder kreieren. Ich arbeite teilweise für mein Projekt The Lost Boys zusammen mit Ebel, und an anderen Solo-Projekten.

Woran arbeitest Du aktuell?

Mano Zurzeit arbeite ich an meinem Projekt „utopiccities“. Dabei handelt es sich um Stadtbilder der Stadt Luxemburg, die ich mit Punchlines (aus dem Hip-Hop-Jargon: humorvolle Textzeile, die den Gegner hart trifft. d.R.) und Buchstaben verziere. Die Idee ist mir eines Tages gekommen, als ich mit einem Kumpel durch den Grund geschlendert bin. Auf einmal hatte ich diese Epiphanie: Ich schaute mir die Kasematten von unten an und war sofort inspiriert. Ich habe dann ein Foto genommen und den Grund zuerst realitätsnah gezeichnet. Dann habe ich auf die gezeichneten Gebäude weitere Gebäude erfunden, die ich auf die Dächer der ersteren platzierte. Mit der Zeit habe ich dann die Punchlines meiner Lieblingsrapper hinzugefügt. Man findet also Elemente der Architektur, des Graffiti und der Illustrationen vereint in meinen Bildern. Das macht alles Sinn für mich. Ich war jedoch sehr aufgeregt, meine Bilder dem Publikum vorzustellen.

Wie haben die Leute auf Deine Kunst reagiert?

Mano Ich hatte anfangs große Angst davor, dass sie enttäuscht sein könnten, weil sie mich in meiner Arbeit nicht wiedererkennen würden. Es war jedoch sehr interessant für mich zu sehen, dass die Reaktionen der Menschen ganz anders waren: Sie waren begeistert und haben mich darin unterstützt, mein Projekt weiterzuführen. Heute bin ich motiviert, mich beim Kulturministerium zu melden, damit dieses mich und meine Arbeit unterstützen kann.

Worin liegt der Unterschied zwischen der Arbeit als Architekt und der des Künstlers?

Mano Die Architektur verlor für mich einen Großteil ihres Charmes an dem Tag, wo ich den Auftrag erhielt, auf ungefähr 100 Quadratmetern ein Haus zu bauen. Ich dachte mir, dass ich ein großes Haus auf diese Fläche bauen werde, vielleicht auch zwei, damit die Menschen, die das Haus kaufen, viel Platz haben. Mein Chef meinte dann, dass das nicht die Idee sei, sondern dass ich drei Wohnungen von je 34 Quadratmetern auf das vorgesehene Grundstück zeichnen soll. Ich war schockiert: Das sind doch blöde Wohnungen, niemand möchte auf 34 Quadratmetern leben. Mein Chef erklärte mir, dass der Projektträger sich nicht dafür interessiert, was gut und was blöd sei. Architektur ist also zum Teil ein kreativer Job, aber wenn du für jemand anderen arbeitest, wird dir viel von deiner Kreativität genommen. In einem Land wie Luxemburg, wo der Wohnungsmarkt von Leuten regiert wird, die von dir profitieren möchten, macht es mir keinen Spaß, als Architekt zu arbeiten. Ich habe mich deshalb dazu entschlossen, der Architektur in diesem Sinne den Rücken zu kehren. Heute bin ich finanziell so arm, aber auch so glücklich wie noch nie. Am Ende des Tages ist das das Einzige für mich, was zählt.

Was denkst Du denn über die Kulturszene in Luxemburg?

Mano Die Szene in Luxemburg ist das Gegenteil von dem, was viele andere Menschen behaupten. In meinen Augen ist es „the place to be“. Die Szene ist nicht zu groß, und es gibt trotzdem genug Platz für jeden, der etwas Neues ausprobieren und seine Ideen veröffentlichen möchte. Ich denke, dass zuvor jeder versucht hat, alleine zu arbeiten, um seine Ideen nach vorne zu bringen. Jetzt ist das zum Teil auch noch so, aber ich sehe, dass immer mehr Künstler sich zusammentun, um gemeinsam Größeres zu erschaffen. Das ist super. Da ich jedoch erst seit vier Jahren hier bin, bin ich gespannt, zu sehen, wie meine Meinung sich vielleicht noch ändern wird.

Welche Unterschiede gibt es denn zwischen der Kulturszene in Lissabon und der in Luxemburg?

Mano Einfache Frage: das Geld. Hier in Luxemburg hast du Internetseiten, die du besuchen kannst, um relativ einfach Geld anzufragen, um dein Projekt zu finanzieren. Viele Menschen realisieren gar nicht, was für ein Glück wir hier in diesem Land haben.

Welche Projekte stehen in nächster Zeit an?

Mano Aktuell arbeite ich viel an Illustrationen, mit denen ich gerade eine Serie machen möchte. Dann arbeite ich an unterschiedlichen Arbeitsaufträgen. Zudem arbeite ich weiter an den „utopic cities“. Ich habe außerdem Anfang nächsten Jahres meine erste Solo-Ausstellung in Lissabon, die ich derzeit auf die Beine stelle.

Mehr im Netz: instagram.com/Mano.jmk