LUXEMBURG
MARCO MENG

Gespräche zum Ausstieg von RWE und EON laufen - Staat liebäugelt mit Mehrheitsbeteiligung

Im April letztes Jahr wurde bekannt, dass die beiden deutschen Energiekonzerne Eon und RWE beim luxemburgischen Stromversorger Enovos aussteigen wollen. Die RWE Energy Beteiligungsverwaltung ist mit 18,36 Prozent an Enovos International beteiligt, die Eon Ruhrgas International GmbH hält einen Anteil von zehn Prozent an dem Unternehmen. Die zwei deutschen Konzerne haben sich bislang nicht zu einem möglichen Anteilsverkauf geäußert. Auch gestern hieß es von beiden auf Nachfrage, man werde keine Marktspekulationen kommentieren.

Die Energieriesen, die seit dem deutschen Atomausstieg finanziell massiv unter Druck stehen, sollen Insidern zufolge mit dem Verkauf ihrer Beteiligungen indes vorankommen; es sei nur noch eine Frage von Wochen, wird die Nachrichtenagentur Reuters von verschiedenen Medien zitiert.

Dabei wird von einer möglichen Verkaufssumme von 567,2 Millionen Euro für die Papiere gesprochen, womit Enovos insgesamt mit zwei Milliarden Euro bewertet wird. Der Luxemburger Staat, der bereits 35,54 Prozent an Enovos hält, soll Interesse an der Übernahme der Anteile von RWE und Eon zeigen. Auch die restlichen Aktionäre, die an Enovos beteiligt sind, haben ein Vorkaufsrecht.

Weitere Gesellschafter von Enovos International sind die Stadt Luxemburg, die Beteiligungsgesellschaft Ardian (vormals AXA Private Equity), die im Jahr 2012 von ArcelorMittal das Enovos-Paket für 330 Millionen Euro kauften, sowie die belgische Tochtergesellschaft Electrabel des französischen Energiekonzern GDF
Suez. Nun sollen die Aktionäre Ardian, der Staat, die Stadt Luxemburg und SNCI sowie ein weiterer Interessent ein Angebot abgegeben haben.

Aus dem Wirtschaftsministerium war gestern nur zu erfahren, dass gegenwärtig Gespräche über den Verkauf der Anteile stattfinden und dass der Staat ein Vorkaufsrecht besitzt. Weitere Angaben könne man nicht machen, meinte Ministeriumssprecher Paul Zenners, der auf die parlamentarische Anfrage vom letzten April verwies. Damals hatte Wirtschaftsminister Étienne Schneider erklärt, dass eine Mehrheitsbeteiligung an Enovos „eine strategische Bedeutung für das Land“ habe, was die Energieversorgung sichere und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Landes; allerdings schränkte er auch ein, dass die Erfahrung und Kenntnisse von Anteilseignern aus der Privatwirtschaft, sei es aus dem Finanz- oder Industriesektor, einer nachhaltigen Unternehmensentwicklung von Enovos nützlich seien.

Die Enovos-International-Gruppe beschäftigt mehr als 1.300 Angestellte, setzte 2013 im Strom- und Gasgeschäft rund 2,95 Milliarden Euro um und erwirtschaftete einen Jahresüberschuss von knapp 111 Millionen Euro.