GONDERANGE
PATRICK WELTER

Güllebiogasanlagen haben ein großes Potenzial - Chancen für die Landwirtschaft

Man verzeihe das harte Wort, aber seit vielen Jahren wünscht sich der Mensch, aus Scheiße Gold machen zu können. Gold ist es nicht, was man daraus machen kann, aber Energie und somit auch ein bisschen Geld. Allerdings muss der politische Wille dafür vorhanden sein.

Nachdem die alternative Energiequelle „Biogas“ in Luxemburg dank niedriger Einspeisetarife etwas ins Hintertreffen geraten war, hat 2014 eine Prämienanpassung durch Wirtschaftsminister Schneider dafür gesorgt, dass Biogasanlagen in Luxemburg wieder profitabel arbeiten können.

Ehrenamtliche Pionierarbeit

Die „Biogasvereenegung“, die seit 15 Jahren Pionierarbeit für die Verstromung von Biomasse leistet, hat gestern in Junglinster ein Tagesseminar unter dem Titel „Güllebiogasanlagen - eine Alternative für die Landwirtschaft in Luxemburg“ veranstaltet. Vertreter aus der Praxis, der Forschung (LIST), dem Wirtschafts- und dem Umweltministerium stellten das ungeheuer große Potenzial von Biogasanlagen vor. Nicht nur weil die Anlagen Energie und Wärme produzieren, sondern auch Methan und Stickstoff binden. Dieser Bedeutung hat auch das Ministerium für Nachhaltigkeit und Infrastruktur Rechnung getragen und gestern eine Konvention mit der „Biogasvereenegung“ unterzeichnet, die es dem bisher rein ehrenamtlich tätigen Verein erlaubt, einen oder eine hauptamtlichen Berater oder Beraterin einzustellen, der oder die auch etwas für die Öffentlichkeitsarbeit tun soll. Für die „Biogasvereenegung“ stellen die Anlagen eine Möglichkeit dar, die wirtschaftliche Basis der landwirtschaftlichen Betriebe zu diversifizieren. Aktuell gibt es im Großherzogtum 29 Biogasanlagen, von denen drei ihr Gas, also Biomethan, in das Erdgasnetz einspeisen. 2014 wurden 53 Gigawattstunden Elektrizität produziert, was dem Verbrauch von 13.261 Haushalten entspricht. Gleichzeitig wurden 81,8 Gigawattstunden Wärme in Nahwärmenetze eingespeist, was eine Einsparung von 8,2 Millionen Liter Heizöl darstellt.

Neue Anlage versorgt große Teilevon Junglinster

Am Nachmittag stand die Besichtigung der seit Dezember 2015 laufenden Biogasanlage des Betreibers „Lënster Energie sarl“ in Gonderingen an. Gleichzeitig trafen sich dort Umweltstaatssekretär Camille Gira und Verbandsvertreter mit der Presse. Die neue Anlage produziert mit zwei Blockheizkraftwerken Strom und Fernwärme. Der Strom, der dem Verbrauchsäquivalent von 3.000 Haushalten entspricht - zum Vergleich Junglinster hat 2.700 Haushalte - wird in das allgemeine Stromnetz eingespeist. Die anfallende Wärme versorgt über ein Nahwärmenetz aktuell schon das Gewerbegebiet Langwiss und soll nach vollem Ausbau auch das geplante Wohngebiet in der Ortsmitte von Junglinster versorgen.

Um zukünftigen Spitzenverbrauchen an Wärme gewachsen zu sein, wird bis 2017 zusätzlich neben der Biogasanlage eine Holzhackschnitzelheizung errichtet, die es auch erlaubt Holzabfälle - die nicht in die Biogasanlage dürfen - energetisch zu nutzen.

Staatsekretär Gira schilderte, dass einige Pionieranlagen wie in Beckerich und Redingen seit Jahren erfolgreich für Nahwärmeversorgung von Haushalten und öffentlichen Gebäuden sorgen.

Die Biogasanlage von „Lënster Energie“ wird zu 70 Prozent mit Gülle betrieben, die von über dreißig Höfen der Umgebung zugeliefert wird. Der Rest der Gärstoffe sind Grünschnitt (ohne Holz) und Energiepflanzen, meistens Mais. Der Anteil an Gülle soll noch gesteigert werden. Staatssekretär Gira räumte ein, dass jede alternative Energie auch Widersprüche mit sich bringen kann, etwa bei den Windanlagen der Vogelschutz. Bei den luxemburgischen Biogasanlagen bestehe aber keine Gefahr, dass es zu Monokulturen durch Energiepflanzen kommen könne. Biogas habe viele positive Aspekte, wie die Vermeidung von CO2, den Schutz des Grundwassers - durch die Nutzung der Gülle zur Gasgewinnung können die verbliebenen Reststoffe gefahrlos als Dünger ausgebracht werden - und die Anlagen geben den Landwirten größere wirtschaftliche Sicherheit. Die Energieeffizienz einer Biogasanlage liegt laut Gira bei 80 bis 90 Prozent.