LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Geothermie soll in Luxemburg verstärkt genutzt werden

Das Generalsekretariat des Europäischen Parlaments, das in Luxemburg entsteht, setzt derzeit Maßstäbe. So sollen Erdwärmesonden das Gebäude im Winter wärmen und im Sommer kühlen. Und es soll immer mehr solcher Gebäude geben.

„Das Potenzial der Geothermie ist noch lange nicht ausgenutzt“, sagte gestern Romain Poulles auf einer Konferenz zum Thema Geothermie in den Räumen der Handelskammer. Der Präsident des Clusters for EcoInnovation und sein Manager Marcel Klesen haben offenbar mit der Veranstaltung den Zeitgeist getroffen, denn die vorgesehenen 80 Plätze reichten nicht aus, um allen Interessenten Platz zu bieten.

25 Grad Wärme für jeden Kilometer

Unter Geothermie fällt die Nutzung der in der Erde vorhandenen Wärme, die mit jedem gebohrten Kilometer um rund 25 Grad Celsius steigt. Geothermie gehört also zu den erneuerbaren Energien. Da es in der Erde kalten und warme Quellen gibt, kann deren Energie sowohl zum Heizen als auch zum Kühlen genutzt werden. Dies geschieht beispielsweise mit Hilfe von Wärmepumpen. Aber mit der in der Erde gespeicherten Energie lässt sich auch Strom erzeugen. Darüber hinaus ist sie in einer Kraft-Wärme-Kopplung nutzbar.

In Luxemburg ist Geothermie ein politisches Ziel. Bis zum Jahr 2020 soll der Anteil der erneuerbaren Energien auf elf Prozent ansteigen. Das entspricht etwa 5.624 Gigawattstunden und 5.624.000.000 Kilowattstunden. Mit der Energie einer Kilowattstunde kann ein Pkw rund 1,7 Kilometer weit fahren. Unter erneuerbare Energien fallen auch andere Formen wie Photovoltaik, Biomasse, Wasser- und Windenergie.

Ambitionierte Ziele

Für 2015/ 2016 sind 5,45 Prozent Anteil der erneuerbaren Energien am Energieverbrauch geplant. Im Vergleich mit Schweden, wo der Anteil erneuerbarer Energien bei rund fünfzig Prozent liegt, scheint das ziemlich wenig. „Aber selbst die EU fand unsere Ziele sehr ambitioniert“, versichert Georges Reding, der sich im Wirtschaftsministerium um das Thema erneuerbare Energien kümmert. Das Ministerium sucht auch nach Kooperationen, um den Anteil an erneuerbaren Energien zu erhöhen.

Das ist eine neue Entwicklung, denn noch 2007 stufte eine Studie Geothermie als nicht sehr interessant für Luxemburg ein. Der Grund sind die verschiedenen Arten der Bohrung. Bei Geothermie gibt es Tiefenbohrungen bis fünf Kilometer und Oberflächenbohrungen bis rund 400 Meter. Erstere sind in Luxemburg nicht machbar, Oberflächenbohrungen nur auf 16 Prozent des luxemburgischen Terrains. Daraus, so haben Experten errechnet, konnte die Nutzung von rund 10.000 Wärmepumpen resultieren, die rund 180 Gigawattstunden erzeugen würden. „Das ist ein enormes Potenzial“, meint Reding.

Die Nachfrage nach Geothermie steigt in Luxemburg ganz langsam. Florian Ehlen, der seit 2002 mehr als 280 Häuser, Büros und Kindergärten im Land mit Erdwärme versorgt hat, kennt sich aus mit dem Thema. „Aber nicht überall in Luxemburg darf gebohrt werden. Hier gibt es einige Gebiete, in denen beispielsweise Trinkwasser gewonnen wird und in denen Erdwärmesonden nicht erlaubt werden“, stellt er auf seiner Webseite fest.

Wer das Plazet vom Wasseramt hat und bohren darf, kann sogar mit staatlicher Förderung rechnen. „Das Programm PRIME sieht bis zu 8.000 Euro Förderung pro Haushalt vor“, betont Nachhaltigkeitsexperte Reding, dessen Ministerium auch für Energie zuständig ist. „Auch für Unternehmen gibt es Hilfen bei Ministerium.“

Erste Bohrung 1841

Geothermie hat eine Geschichte in Luxemburg. Nicht nur wegen des Thermalbads in Mondorf. Dort wurde schon 1913 ganze 464 Meter tief gebohrt. Die ersten Bohrungen reichen sogar bis 1841 zurück. Sie sind allerdings nicht immer ohne Risiko. Neben möglichen Schäden von Straßen und Häusern geht es vor allem um die Qualität des Grundwassers. Rund 55 bis 65 Prozent des Grundwassers in Luxemburg sind Trinkwasser. „Das muss geschützt werden“, erklärt Pierre Kugener von der Wasserverwaltung. „Im Zweifel hat es immer Vorrang.“ Wie sich Geothermie nutzen lässt, weiß Prof. Lieve Helsen von der Katholischen Universität Löwen. „In Projekten nutzen wir warme und kalte Quellen, um Gebäude zu heizen und zu kühlen“, berichtet die Expertin. Die Quellen befinden sich in 50 bis 250 Metern Tiefe. „Wichtig ist die Leitfähigkeite des Bodens und seine Qualität, Geologie und die Hydraulik“, betont Helsen. Damit Geothermie funktioniert, empfiehlt sie Simulation. Ganz wichtig: „Geothermie muss Teil des Gebäudekonzepts sein.“ Dann sei es eine robuste, zuverlässige Quelle, eine echte „Batterie im Boden“, versichert die Professorin.


Vom 2. bis zum 4. November 2015 findet die Fachmesse

Geo-T Expo in Essen statt. Rund 120 Aussteller aus 16 Ländern

waren auf der Messe für Geothermie im vergangenen Jahr

vertreten. www.geotexpo.com