DALHEIM
NIC. DICKEN

Neue Wärmetechnik kommt bei Dalheimer „Maison de l’Archéologie“ zum Einsatz

Für heutige Bauarbeiten sind Begriffe wie Wärmedämmung und Energieeffizienz zu unverzichtbaren Kriterien geworden. Was sich problemlos auch bei Neubauten realisieren lässt, kann im Fall der Sanierung von Altbauten zu einer enormen Herausforderung werden, die sich, wenn überhaupt, nur sehr schwierig bewältigen lässt. Dies gilt vor allem dann, wenn Struktur und Charakter der Gebäude nicht oder nur sehr wenig verändert werden dürfen und können. Besonders gilt dies für Bauwerke, die unter Denkmalschutz stehen und deshalb nur sehr wenig Spielraum zulassen.

Seit Herbst 2011 laufen in Dalheim die Umbauarbeiten am früheren Café Simon, wo in Zusammenarbeit von Kulturministerium und Gemeindeverwaltung eine „Maison de l’Archéologie“ entstehen soll, die im Erdgeschoss eine Brasserie als Gesellschaftszentrum, im Obergeschoss Arbeits- und Büroräumlichkeiten für Archäologen, sowie im Dachgeschoss mehrere Zimmer für auswärtige Fachleute oder Studenten begreifen wird, die an Ausgrabungs- und Auswertungsarbeiten am ehemaligen Römerstandort Ricciacus beteiligt sein werden.

Wissenschaftliche Basis

Im Rahmen der vorgesehenen Umbauarbeiten hat der „Service des Sites et Monuments“ besonderen Wert auf die Berücksichtigung von Wärmeschutz und Energieeffizienz gelegt und dabei auf Erkenntnisse zurückgegriffen, die Professor Günter Pfeifer von der Technischen Universität Darmstadt aus fünfzehnjährigen Forschungsarbeiten gewonnen hat, um Anforderungen von Wärme- und Energievorschriften auch bei denkmalgeschützten Gebäuden berücksichtigen zu können.

Dieses neue Konzept wurde gestern im Gemeindehaus Dalheim vorgestellt im Rahmen einer Pressekonferenz, an der neben Kulturministerin Octavie Modert und Bürgermeister Jos. Heisbourg auch Professor Pfeifer, Architekt Nico Steinmetz, sowie Vertreter des „Service des Sites et Monuments“ teilnahmen.

Nachdem sich Bürgermeister Heisbourg ausdrücklich bei der Kulturministerin für die gute Zusammenarbeit am gemeinsamen Projekt bedankt hatte, wies diese auf die Bedeutung der ehemaligen römischen Siedlung und der verschiedenen Einrichtungen wie Tempel, Theater und Thermen hin, die am Ende zur Idee geführt hätten, hier eine erste dezentrale Arbeitsstätte für archäologische Tätigkeiten und Untersuchungen zu schaffen. Das nunmehr vorgesehene Energiekonzept beruht auf dem kybernetischen Prinzip der Wärmegewinnung auf der Außenfassade und im Dachbereich anstelle einer spezifischen Wärmedämmung.

Nachhaltiges Konzept

Zu diesem Zweck wird auf der Südwestfassade des Hauses, wo auch die Terrasse mit Blick auf die Überreste der alten Thermen installiert wird, eine Art Polykarbon-Haut vorgespannt, hinter der die vorgewärmte Luft zirkulieren und bis in den Innenbereich des Gebäudes eindringen kann. So wird auf relativ einfache Art und Weise und vor allem ohne den Einsatz von zumeist auf Kunststoffbasis beruhenden Dämmstoffen eine nicht unwesentliche Energieersparnis erzielt, die sich auch wirtschaftlich rechnet, wie Professor Pfeifer auf Anfrage bestätigte. Das Gebäude selbst soll einen Teil der verbrauchten thermischen Energie ganz einfach selbst erzeugen, wobei diese Technik auch als besonders nachhaltig bezeichnet werden könne. Das in Dalheim erstmals für Luxemburg applizierte Konzept, das bereits an verschiedenen Stätten in Deutschland erprobt wurde, soll später systematisch sowohl bei öffentlichen als auch bei privaten Gebäuden zum Einsatz kommen.

Die gestrige Vorstellung stand im Rahmen der internationalen Archäologenkonferenz über römische Thermen, die noch bis zum kommenden Sonntag in Luxemburg abgehalten wird und bei der die in Dalheim kürzlich entdeckten Thermen eine zentrale Rolle spielen.