LUXEMBURGPIERRE WELTER

Zeuge Leurs berichtet über Abhöraktionen - Und massiven Druck auf seine Person

Seine Behauptungen wurden bislang vom Geheimdienst dementiert: Der Zeuge Gilbert Leurs aber blieb am 160. Sitzungstag bei den Darstellungen seiner Verbindungen mit dem SREL, die er bereits gegenüber den Ermittlern gemacht hatte. Der Mann trat 1976 freiwillig in die Armee ein, für die er auch nach seiner Voluntärszeit weiter arbeiten sollte. Zwischen 1980 und 1987 sei er für die Telefonzentrale in der Kaserne auf Herrenberg zuständig gewesen.

Irgendwann 1983 und 1984 habe ihn ein Agent Detail angerufen und gefragt, ob er für den Geheimdienst arbeiten wolle, er könne 20.000 Franken im Monat verdienen. Eine Gelegenheit, die sich Leurs nicht nehmen ließ.

Als einen der ersten Aufträge habe er Informationen über den Musiker Wassil Iwanow vom RTL-Orchester sammeln müssen. Vor der ersten Mission habe Leurs ein Dokument unterschreiben müssen, in dem er sich verpflichtete, nie etwas über seine Arbeit für den SREL publik zu machen. Bis 1998 arbeitete der Mann für den Geheimdienst.

„De Monni ass ofgelauschtert ginn“

Leurs soll einmal von Detail angeheuert worden sein, um eine Abhöraktion in der Telefonzentrale der Armee zu starten. Er gab zu Protokoll, dass er zwei Personen im Kofferraum seines Wagens in die Kaserne einschleuste, jeweils in einem Intervall von zehn Minuten, ohne kontrolliert zu werden.

Gilbert Leurs gab gestern zu Protokoll, dass er das Abhörsystem mit Hilfe von zwei SREL-Agenten mit Namen Arnaud oder Armand und Jean im Keller der Telefonzentrale montierte. Zwei Kassettenrekorder waren zusammengebaut und an die Hauptleitung angeschlossen. So sollten die Gespräche von in- und außerhalb der Kaserne aufgezeichnet werden.

Der SREL sei besonders interessiert gewesen an den Telefongesprächen von Gendarmerie-Kommandant Aloyse Harpes - „de Monni“, wie Gilbert Leurs ihn nannte. Dessen private Leitung in Diekirch soll angezapft worden sein. Die Operation in der Kaserne soll bis 1986 gedauert haben. Leurs habe immer nur Schmiere gestanden und die Kassetten gewechselt.

Weiter gab der Zeuge zu Protokoll, dass er und Detail sogar Fotokopien in den verwanzten Büros der Kaserne machten und Dokumente einsahen. Armeekommandant Colonel Armand Bruck habe genau über die Sache Bescheid gewusst, behauptet der Zeuge.

Prinz Jean, Pierre Reuland, Jos Steil und Marc Scheer als „Bommeleeër“?

Doch die Aussagen Gilbert Leurs’ wurden noch sensationeller: So gab er ferner zu Protokoll, dass er von einem SREL-Mitglied mit Namen Armao in Bonneweg am „Bloën Eck“ erfahren haben soll, Prinz Jean, Pierre Reuland, Jos Steil und Marc Scheer seien die „Bommeleeër“. Er könne nun das Kopfgeld für die Ergreifung der Attentäter kassieren, habe Armao ihm gesagt. Maître Vogel meinte, der Agent sei „ein Gespenst“ gewesen und fragte Leurs, wie dieser Mann denn aussah? Krauses Haar, korpulent, recht freundlich, beschrieb ihn Leurs.

Er habe sich übrigens beim SREL erkundigt, wo man ihm bestätigt haben soll, dass es einen Agenten Norbert Armao gehen. Dieser habe Leurs denn auch gewarnt: Er solle sich vor den Offizieren Reuland und Zovilé und dem BMG-Mitglied Schickes in Acht nehmen.

Er habe Colonel Bruck über all diese Informationen in Kenntnis gesetzt. Dieser habe dann ein Treffen mit dem CSV-Abgeordneten Willy Bourg in einem Restaurant in der hauptstädtischen Großgasse arrangiert.

Bourg sei fast „verrückt geworden“ als Leurs ihm mitgeteilt hatte, dass Prinz Jean als „Bommeleeër“ genannt wurde. Der Abgeordnete sei dermaßen aufgeregt gewesen, dass er Leurs verpflichtet habe, um Gottes Willen niemandem etwas von dieser Angelegenheit zu erzählen.

Im Armee-Stab auf Verlorenkost sei er später noch einmal mit Bourg, Bruck, Detail und einer ihm unbekannten Person zusammen getroffen. Diese hätten ihm gedroht und gezwungen, ein Dokument zu unterschreiben, in dem er sich verpflichtet, nie die großherzogliche Familie mit den „Bommeleeër“-Attentaten in Verbindung zu bringen. Ansonsten werde er zur „Persona non grata“ erklärt.

Leider sind die von Leurs genannten Personen schon verstorben, so dass niemand seine Aussagen mehr bestätigen kann.

.357 Magnum-Kugel im Briefkasten

Nach seinem Dienst beim SREL sei ihm immer wieder gedroht worden, sagte Leurs, der während der Sitzung bekannt gab, er habe am Vortag in seinem Briefkasten eine .357 Magnum-Kugel gefunden. Er sei auch zweimal überfallen worden, wobei ihn die vermummten Angreifer mit einer Waffe bedrohten. „Déi hu mir, op gutt Lëtzebuergesch gesot, eng Waff op d’Panz gedréckt“, sagte Leurs. Außerdem sei wiederholt auf ihn geschossen worden. Einmal sei sein Auto getroffen worden und fing Feuer. Er habe sich im letzten Moment retten können. Aus Angst würde er permanent über seinen Schatten springen, sagte der Zeuge, der im Jahr 2006 von einem Mitglied eines ausländischen Geheimdienstes erfahren haben will, dass seine Akte im SREL geschreddert wurde.

Leurs steht unter Polizeischutz, wenn er sich zum Gericht begeben muss. Der beigeordnete Staatsanwalt Georges Oswald kündigte abschließend an, dass er das Verbatim der Aussagen des Zeugen an den Untersuchungsrichter weiterleiten wird.