Seit letztem Jahr gilt ein Doppelbesteuerungs-Abkommen zwischen Luxemburg und Kasachstan, und im Februar dieses Jahres hat Kasachstan rückwirkend zum 1. Januar das Großherzogtum von seiner „Schwarzen Liste“ der Länder gestrichen, die ein „bevorzugtes Steuersystem“ haben und mit denen Geschäfte zu machen kasachischen Firmen zwar nicht untersagt war, aber doch zu Einbußen führen konnte.
Wie die kasachische Nachrichtenagentur Kazinform gestern mitteilte, haben das mittelasiatische Land und Luxemburg nun während der gestern zu Ende gegangenen zweitägigen Staatsvisite von Premierminister Xavier Bettel, Außenminister Jean Asselborn und Nachhaltigkeitsminister François Bausch eine weitere Annäherung vollzogen und vor Ort eine Reihe von Vereinbarungen unterzeichnet. Dazu gehört eine Absichtserklärung zur Kooperation zwischen der kasachischen Nationalbank und der Agence de Transfert de Technologie Financière (AATF) zur Weiterbildung von kasachischen Bankern und Mitarbeitern von Finanzinstitutionen.
Kasachstan will Islamic Finance lernen
Beim Treffen des kasachischen Staatsoberhaupts Nursultan Nasarbajew mit dem luxemburgischen Premier Xavier Bettel auf dem achten Astana Economic Forum am Donnerstag drückte Nasarbajew die Hoffnung aus, dass die Gespräche zur erweiterten Partnerschaft seines Landes mit der EU unter der Präsidentschaft Luxemburgs zum erfolgreichen Abschluss gebracht werden können. „Angesichts der freundlichen Beziehung zwischen unseren Ländern zählen wir auf eure Unterstützung bei der Lösung von verschiedenen Problemen mit der EU, die vereinfachte Visa-Regelung und die Lösungen bei der Beschränkungen in der Luftfahrt“. Kasachstan ist zusammen mit den Ex-Sowjetrepubliken Weißrussland und Armenien Mitglied der Anfang des Jahres gegründeten Eurasischen Wirtschaftsunion unter der Führung Russlands. Der russische Präsident Wladimir Putin sieht in dem Bündnis ein ökonomisches Gegengewicht zur EU. Darüber hinaus laufen aber auch Verhandlungen über einen Beitritt Kasachstans zur Welthandelsorganisation. Die Beziehungen zur OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) sollen ebenfalls verstärkt werden. Am 19. Mai hat Kasachstan darum eine 30-tägige Visafreiheit für Staatsangehörige der OECD-Länder beschlossen.
Auf der Veranstaltung „Invest in Kazakhstan“ beim „Astana Economic Forum“ redete am Donnerstag neben Premier Bettel auch „Luxembourg For Finance“-Geschäftsführer Nicolas Mackel. Kasachstan will laut dem kasachischen Ministerpräsideten Karim Massimow von der luxemburgische Expertise im Islamic Finance lernen. Laut kasachischer Regierungswebseite ist das Ziel, Astana zu einem Finanzzentrum Mittelasiens zu machen.
Der kasachische Minister für Investitionen und Entwicklung Asset Issekeschew und Transportminister François Bausch vereinbarten in Kasachstan zudem eine Zusammenarbeit im Luftfahrtbereich. Die Vereinbarung besagt, dass EU-Airlines, die bislang Kasachstan nicht ansteuern, das luxemburgische Flugrecht nutzen können, um von Luxemburg nach Kasachstan zu fliegen.
Damit werde der Luftweg nach Kasachstan für Airlines aus mehr als 20 EU-Ländern geöffnet, so die Mitteilung des kasachischen Ministeriums. Bislang haben außer Luxemburg nur fünf EU-Länder Flugrechte nach Kasachstan.
Ebenfalls sei eine Vereinbarung getroffen worden, ein Rahmenwerk für die Entwicklung eines internationalen Lufttransport-Hubs in Kasachstan zu errichten.


