LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Handlungsbedarf im Bereich Pflegeversicherung, ansonsten droht Defizit

Bereits am gestrigen Morgen wurden die zu erwartenden Probleme im Bereich Pflegeversicherung in der zuständigen Kammerkommission diskutiert. Am Nachmittag folgten die Details. Dem derzeitigen Fazit „keine finanziellen Schwierigkeiten“ steht die Prognose für die Jahre 2015/16 gegenüber, wonach sich wohl erste Engpässe abzeichnen.

Derzeit 12.839 Nutznießer

Der zuständige Minister Mars Di Bartolomeo sieht zwei Möglichkeiten, dem entgegen zu wirken: Erhöhung der Beiträge oder Kürzung der Leistungen. Es scheint klar zu sein, dass eine Angebotsminderung nicht in Frage kommt. Dennoch gilt es, in den kommenden Jahren auf die bevorstehenden Schwierigkeiten zu reagieren, um deren Aufkommen zu unterbinden.
Die Zahl der Bezieher der Pflegeversicherung ist in den vergangenen zehn Jahren rasant angestiegen. Waren es im Jahr 2000 noch 5.810 Personen, und damit 1,4% der Bevölkerung, so kam man im Jahr 2010 bereits auf 11.706 (2,4%). Ende letzten Jahres wurden 12.839 Nutznießer gezählt, wovon 8.708 zuhause gepflegt wurden. Tendenz steigend. Die Wichtigkeit der Pflegeversicherung wird demnach nicht in Frage gestellte, durch sie ist es möglich, dass Pflegebedürftige zuhause versorgt werden können. 2010 waren dies 67% der Nutznießer. Zehn Jahre früher waren es nur 59%. Ein großer Teil der Antragsteller auf Pflegeversicherung leidet übrigens unter Demenz. Das Durchschnittsalter liegt hier bei 82,9 Jahren. Es wundert demnach nicht, dass insgesamt 74,2% der Ausgaben in die Pflege der 33,5% von dieser Krankheit betroffenen Personen flossen. Eine weitere Tendenz hat sich in den vergangenen Jahren abgezeichnet: Das Durchschnittsalter der Personen, die ein erstes Mal Pflege in Anspruch nehmen, ist von 74,5 Jahren im Jahr 2000 auf 75,3 im Jahr 2010 angestiegen.

Doppelt so viele Pflegeberufler

Einer von fünf Pflegeversicherungsempfängern ist behindert. 98% von ihnen werden im eigenen Zuhause betreut, davon 62% durch professionelle Dienstanbieter. Wurden dafür im Jahr 2000 durchschnittlich 16,1 Stunden pro Woche aufgewendet, so waren es 2010 bereits 20,1. Mit der Zahl der Pflegebedürftigen ist auch die Zahl der Berufstätigen im Pflegebereich gestiegen, nämlich in zehn Jahren um fast das
Doppelte.

Ausgaben: 550 Millionen Euro

Die Ausgaben belaufen sich derzeit auf 550 Millionen Euro, wovon 40% vom Staat getragen werden. Im Jahr 2000 lag das Budget noch bei 125 Millionen Euro. Um das vorprogrammierte Defizit abzuwenden, wird im Herbst eine Orientierungsdebatte im Kammerplenum stattfinden. Eine Beitragserhöhung scheint wohl am wahrscheinlichsten. Derzeit liegt der Beitragszusatz des Versicherten bei 1,4%. Um die Finanzierung der Pflegeversicherung bis 2010 abzusichern, wären allerdings 1,73% sowie ein Zuwachs der Binnenbeschäftigung um 2,10% nötig.