LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

„Leben und Gesellschaft“ in der Grundschule und Übernahme der Religionslehrer beschlossen

Nach der Einführung vor einem Jahr in der Sekundarschule hat das Parlament gestern mit den Stimmen der Mehrheit den Weg für das Fach „Leben und Gesellschaft“ in der Grundschule geebnet. Mit 34-Ja-Stimmen wurde ebenfalls das Gesetz angenommen, das die Übernahme von Religionslehrern und -lehrbeauftragten regeln soll.

Berichterstatter Lex Delles (DP) betonte, Ziel des neuen Fachs sei es, „die Schüler zusammenzuführen“ und nicht aufgrund ihres Glaubens oder ihrer Weltanschauung zu trennen. In der vielfältigen Gesellschaft Luxemburgs sei es wichtig, auf Integration zu setzen. Darüber hinaus sei es keine „Vermischung“ der beiden ab Herbst abgeschafften Fächer.

„Warum soll ich ändern, was gut funktioniert?“, zitierte Laurent Zeimet (CSV) Bildungsminister Claude Meisch zu Beginn seiner Intervention. Für die CSV läuft die Einführung von „vie et société“ (vieso) auf die Abschaffung des katholischen Religionsunterrichts und die Verallgemeinerung der Ethik hinaus. Er suggerierte, der Staat werde mit dem neuen Fach Werte vorgeben. Dem widersprach der Abgeordnete Claude Lamberty (DP): „Der Staat gibt nicht vor, was richtig oder falsch ist“ und weiter: „Kinder sollen selbst ihre Weltordnung zusammenbauen.“ Genau das kritisierte der adr- Abgeordnete Fernand Kartheiser, der sagte, das Fach ziele auf einen Relativismus ab und betonte: „Mir si ganz kloer fir de Choix.“ Für „déi Lénk“, die sich enthielten, ist der Werteunterricht zwar „keine Katastrophe“, allerdings „auch nicht der große Fortschritt“, wie David Wagner sich ausdrückte. Zu einer größeren Solidarität in einer konsum- und kapitalismusorientierten Gesellschaft werde das Fach nicht führen.

Minister Claude Meisch sagte im Anschluss an die Debatte - die teils lebhaft, aber geordnet verlief - der gemeinsame Unterricht stelle eine „enorme Chance“ für den Zusammenhalt und das friedliche Zusammenleben in der Gesellschaft dar. „Vie et société“ basiert auf drei Pfeilern: Wissen und Verständnis der unterschiedlichen Religionen und nichtreligiöser Weltanschauungen, Dialog und Reflexion über Fragen der Gesellschaft und das Zusammenleben.

Drei Jahre gültiges Angebot

Dass das neue Fach um ein Jahr zeitversetzt Einzug in die Grundschule findet, erklärt sich durch das in der Konvention von Januar 2015 mit dem Bistum vereinbarte Übernahmeangebot für Religionslehrer, die bislang vom Bistum beschäftigt und vom Staat bezahlt wurden. Das Gesetz sieht grob gesagt vor, dass Lehrer mit mindestens einem Sekundarschulabschluss Zugang zur 2009 geschaffenen „réserve des suppléants“ erhalten, mit einem geringeren Abschluss Zugang zur neu eingerichteten „réserve des auxiliares éducatifs“. Rezenten Angaben des LCGB zufolge haben sich von ursprünglich rund 200 Lehrkräften 30 anders orientiert und 130 sollen beim Staat unterkommen. Meisch äußerte Verständnis dafür, dass sich manch einer durch die politische Entscheidung für die Einführung des Werteunterrichts und die daraus resultierende Abschaffung des Religionsunterrichts aus der Bahn geworfen fühle, wies allerdings auch auf die Schwierigkeiten bei der Übernahme hin. Delles sprach von einer „sehr heterogenen Gruppe“. Berücksichtigt werden mussten beim Übernahmeangebot die im öffentlichen Dienst geltenden Regeln. Claude Adam (déi gréng) sprach indes von einem „guten und fairen“ Gesetz. Alle Betroffenen sei ein drei Jahre gültiges Angebot gemacht worden. Die CSV warf der Regierung vor, das Dossier „unvorbereitet“ in Angriff genommen zu haben und führte als Argument an, dass erst im Oktober 2016 die entsprechende Gesetzesvorlage im Parlament hinterlegt worden sei. Das Gesetz sieht ebenfalls vor, dass 40 Vollzeitposten beim Bistum bis zum Renteneintritt vom Staat übernommen werden, um der Kirche die Organisation eines Religionsunterrichts in den Pfarreien zu ermöglichen. Das sei ein „fairer Kompromiss“, meinte Delles.

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