DÜDELINGEN
SIMONE MOLITOR

Kulturzentrum „opderschmelz“ bewegt sich weiterhin abseits des Mainstream

Wenn das Düdelinger Kulturzentrum „opderschmelz“ im Dezember seinen zehnten Geburtstag feiert, wird sicherlich von einer Erfolgsstory die Rede sein. Schaut man sich an, wie sich das Angebot und die Besucherzahlen in diesem Zeitraum entwickelt haben, darf dieser Begriff auch durchaus genutzt werden. Insgesamt 112 Veranstaltungen gingen im vergangenen Jahr in dem Gebäude, das sich das Kulturhaus bekanntlich mit dem CNA teilt, über die Bühne. Für ein kleines Team, das immerhin aus lediglich fünf Personen besteht, ist das nicht wenig. 80 Prozent der Veranstaltungen waren reine Kulturevents. Hinzu kamen beispielsweise Konferenzen oder Diplomüberreichungen, die von der Stadt selbst oder anderen lokalen Vereinigungen organisiert wurden.

Im großen Auditorium war an jedem zweiten Tag etwas los, zu 52 Prozent war es ausgelastet.

„Diese Infrastruktur bedeutet eine große Investition für eine kleine Stadt wie Düdelingen, selbstverständlich ist uns aus diesem Grund viel daran gelegen, sie maximal zu nutzen“, sagte gestern die Leiterin des Kulturzentrums Danielle Igniti während einer Pressekonferenz, die einerseits dazu diente, einen Rückblick zu werfen, andererseits das Programm der kommenden Monate vorzustellen.

Nicht in Eigenregie möglich

Auch wenn das regionale Kulturzentrum im vergangenen Jahr gut besucht war, ist es immer noch weit davon entfernt, sich selbst tragen oder in Eigenregie funktionieren zu können. Da „opderschmelz“ jedoch als Dienst der Gemeinde funktioniert, ist das ohnehin nicht nötig. Die Ausgaben überstiegen mit fast 1,6 Millionen Euro ganz klar die Einnahmen in Höhe von rund 400.000 Euro. Der Großteil der Ausgaben wird übrigens für die Gagen der Künstler und die Kreation aufgewendet. Zwei Drittel des Budgets würden wieder in die nationale Wirtschaft zurückfließen, unterstrich Igniti. „Um mehr reinzubekommen, müssten wir ein anderes Programm bieten, darum geht es aber nicht. Die Leute sollen bei uns etwas entdecken können“, bemerkte sie. Eine Konvention mit dem Staat sichert dem Kulturhaus jährlich eine finanzielle Unterstützung von 235.000 Euro, den Rest trägt die Gemeinde. Dies verdeutlicht den hohen Stellenwert, den die Kultur in Düdelingen genießt, insgesamt investiert die Stadt nämlich pro Jahr sechs Millionen Euro in diesen Bereich.

13.436 Besucher zählte das „opderschmelz“ 2016. Das sind zwar über 1.800 mehr als 2015, laut Danielle Igniti aber „immer noch nicht genug“. Es sei nun aber nur schwer möglich, jeden zu erreichen und sämtliche Barrieren aus dem Weg zu räumen, damit das Angebot auch genutzt werde. „Kultur ist auch eine Sache der Geduld. Man muss viel dafür arbeiten, sich als Kulturzentrum mit seinem Programm durchzusetzen, was angesichts des enormen Angebots in Luxemburg sehr schwer ist“, gab sie zu bedenken. Umso erfreuter stellte sie fest, dass letztes Jahr 109 Kulturpässe ausgestellt und größtenteils auch genutzt wurden.

Jazz bleibt Aushängeschild

„Unserer Methode und Aufgabe sind wir treu geblieben. Obwohl Jazz unser Aushängeschild ist, versuchen wir, ein sehr allgemeines Angebot zu bieten und insbesondere mit nationalen Kulturinstitutionen zusammenzuarbeiten, sowie mit Künstlern, die in Luxemburg leben. Natürlich setzen wir auf Qualität“, bemerkte Igniti. 44 Konzerte konnten 2016 besucht werden, wovon 32 der Jazzmusik gewidmet waren. Hinzukamen elf Spektakel im Bereich Bühnenkunst, also Theater oder Kabarett, und sechs Veranstaltungen, die sich an ein junges Publikum richteten, um nur einige Beispiele zu nennen. Das „opderschmelz“ hat außerdem im vergangenen Jahr sein „Programme de résidence“ gestartet, das auch 2017 fortgesetzt wird. Unter anderem arbeiteten vier musikalische Formationen und eine Schriftstellerin 2016 während drei bis sieben Tagen in Künstlerresidenz im Düdelinger Kulturzentrum. Dies unterstreicht den Willen des „opderschmelz“-Teams, die kulturelle Kreation zu fördern, was darüber hinaus durch die enge Zusammenarbeit mit nationalen Institutionen und Vereinigungen aus dem Kultursektor passiert.

Das Programm der nächsten Monate ist definitiv wiederum alles andere als Mainstream und bietet dennoch zweifelsohne etwas für jeden Geschmack, sei es im musikalischen Bereich oder in dem des Theaters.

AUS DEM PROGRAMM

Vom „Kannerbicherdag“ bis „Like a Jazz Machine“

Am 28. Januar findet die nunmehr achte Auflage des „Kannerbicherdag“ im „opderschmelz“ statt. Der Fokus liegt erneut auf der luxemburgischen Kinderliteratur. Neben Bücherständen werden auch Lesungen abgehalten und kreative Workshops angeboten. Anfang Februar ist Jay Schiltz mit seinen „Béierdeckelsgespréicher“ zu Gast, am 10. Februar führt die Truppe von „Theater.lu“ „Déi eng an déi aner“ auf. Die zweite Hälfte der Jazzsaison startet am 14. Februar mit dem „Philip Catherine 4tet“ und Nicolas Kummert feat. Lionel Loueke. Im Rahmen des Zyklus‘ „Nos interprètes“ steht zwei Tage später das „Inverse Percussion Project“ auf dem Programm. Der Singer Songwriter Marc Eitzel nimmt die Bühne am 28. Februar für sich ein. Die Serie „We love Girls, Girrls, Grrrrls“ wartet im März und April gleich mit mehreren musikalischen Leckerbissen auf, so etwa Ida Lupino, das „Trio Dora“, Céline Bonacina oder Joanne Shaw Taylor. Sasha Ley und Sylvia Camarda werden am 29. März mit „Mi Frida“ zu Gast sein. „Lëtzebuerger Fräiheetslidder“ werden am 31. März gesungen. „Inuk - Project Abri’Lux“ heißt es am 25. April. Das „Avishai Cohen Quartet“ spielt am. 3. Mai. Einer der großen Highlights wird die sechste Auflage des Festivals „Like a Jazz Machine“ vom 25. bis 28. Mai sein.

Ein Blick in den Veranstaltungskalender lohnt sich. Das komplette Programm findet man unter:
http://www.opderschmelz