VALLETTA
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Flugzeugentführung in Malta endet ohne Blutvergießen

Nach stundenlangen zähen Verhandlungen ist eine Flugzeugentführung in Malta ohne Blutvergießen zu Ende gegangen. Die beiden Entführer der aus Libyen stammenden Passagiermaschine hätten sich ergeben, teilte der maltesische Ministerpräsident Joseph Muscat am Freitagnachmittag auf Twitter mit. Sie seien mit den letzten Besatzungsmitgliedern von Bord gegangen und in Gewahrsam genommen worden. Zuvor waren mehr als 100 Passagiere und andere Crewmitglieder freigelassen worden.

Entführer hatten Handgranate

Der Airbus A320 der Fluggesellschaft Afriqiyah Airways war nach Angaben der maltesischen Flughafenbehörde am Morgen auf dem Weg von der libyschen Stadt Sabha in die Hauptstadt Tripolis von zwei Entführern in ihre Gewalt gebracht worden. Das Flugzeug sei in Richtung Malta umgelenkt worden und auf dem internationalen Flughafen des EU-Landes gelandet. An Bord befanden nach Angaben der Airline 111 Passagiere und sieben Besatzungsmitglieder. Alle Flüge zu dem Airport wurden umgeleitet.

Der staatliche Fernsehsender TVM berichtete, dass die beiden Entführer Handgranaten bei sich hätten und drohten, die Maschine in die Luft zu sprengen. Nach Verhandlungen mit Spezialkräften öffneten sie am Mittag die Türen des Flugzeugs, woraufhin der Reihe nach Gruppen von Passagieren und Crewmitgliedern von Bord gehen konnten. Als letztes folgten sie gemeinsam mit den verbliebenen Mitgliedern der Besatzung.

Der Pilot der Maschine, Ali Milad, sagte im libyschen Fernsehen, die beiden libyschen Entführer hätten ihn zunächst aufgefordert, in Richtung Rom zu fliegen. Die Männer hätten Asyl in der EU beantragen und eine politische Partei ins Leben rufen wollen, die namentlich einen Bezug zu der vor Jahrzehnten vom früheren Diktator Muammar al-Gaddafi ausgelösten Revolution in Libyen haben sollte.

Muscat hatte in einer Reihe von Tweets über die Entwicklungen auf dem internationalen Flughafen informiert. Zunächst hatte er mitgeteilt, dass es eine „mögliche Entführungssituation“ gebe. Dabei gehe es um einen libyschen Inlandsflug, der nach Malta umgelenkt worden sei. Sein Büro teilte mit, dass Muscat bereits mit dem libyschen Regierungschef Fajes Serradsch über den Zwischenfall gesprochen habe.

Sabha liegt im Zentrum Libyens, die Hauptstadt Tripolis an der Mittelmeerküste. Der maltesische Flughafen befindet sich wenige Kilometer südwestlich der Hauptstadt Valletta und rund 350 Kilometer nördlich von Tripolis.