LUXEMBURG
NIC DICKEN

Auch wenn Katastrophen wie die derzeit weltweit grassierende Covid-Pandemie in erster Linie menschliche Schicksale betreffen, die sich nur ungenügend in nackten Zahlen erfassen lassen, so  erscheint es doch unumgänglich, das Phänomen selbst, genau wie die sich daraus ergebenden Folgen, zahlenmäßig zu erfassen und auszuwerten.
Wichtig sind dabei nicht nur die Land für Land festgestellten Daten, sondern ebenso der Vergleich der Feststellungen zwischen den verschiedenen Staaten, die Rückschlüsse auf das Ausmaß der Durchseuchung sowie auf die Wirksamkeit der von den jeweils getroffenen Schutz- und Reduzierungsmaßnahmen ermöglichen.
Die nackten Zahlen selbst sagen ja nichts aus, wenn man sie nicht in einen bestimmten Kontext stellen kann, der sich nur aus dem Vergleich mit der Situation in anderen Ländern ergibt, selbstverständlich unter Berücksichtigung der jeweils schon eingeleiteten Maßnahmen und besonders auch der Testintensität, die ganz offensichtlich von einem Land zum andern sehr unterschiedlich ausfällt.
Sehr hohe Infektionsraten kann man nämlich bei gezielten Untersuchungen in mutmaßlich besonders gefährdeten Milieus feststellen – Beispiel Belegschaften großer Schlachthöfe in Deutschland - , eine Steigerung der Zahl von Infizierten findet man andererseits, wenn man, wie es Luxemburg zur Zeit tut, flächendeckend in großer Menge testet.
Letztere Methode, die von einzelnen kritisiert wird, weil sie „unnötigerweise“ das Bild Luxemburgs im internationalen Vergleich schädige, hat den enormen Vorteil, dass sie nicht nur ein  realitätsgetreues Bild der Durchseuchung ermöglicht, sondern zudem die Nachverfolgbarkeit von Infektionsherden deutlich erleichtert. Mit den so gewonnenen Erkenntnissen kann man nämlich nicht nur die tatsächlich infizierten Mitbürger ausmachen, absondern und behandeln, sondern man kann systematisch und zielgenau Vorbeugemaßnahmen treffen, die eine weitere Ausbreitung behindern.
Einem Blick in die Kristallkugel entsprechen dagegen Prognosen sowohl hinsichtlich der längerfristigen Pandemie-Perspektiven als auch der Folgekosten in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht, die für die Entwicklung der Staatsfinanzen von Bedeutung sind.
Wohl hat Luxemburg von Anfang an in seine Pandemie-Strategie auch die rund 200.000 hier beschäftigen Grenzpendler einbezogen, hat aber keinerlei Einfluss auf die Entwicklung in den angrenzenden Nachbarstaaten.
Schmerzlich vermisst wird diesbezüglich eine gemeinsame europäische Strategie, die einem allzu sorglosen Umgang einiger Länder mit der Virusbedrohung auf die Sprünge helfen könnte und darüber hinaus auch verlässlichere Perspektiven für das wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenleben schaffen würde.
Aber diese Möglichkeit war ja von Anfang an zunichte gemacht worden, als einer nach dem anderen der EU-Mitgliedstaaten seine Grenzen gegenüber den Nachbar- und Partnerstaaten dichtgemacht hat und damit eine echte Kooperation unterbunden wurde.
Am Ende des Tages, bzw. der Pandemie, dessen Zeitpunkt noch niemand absehen kann, werden die gesammelten Zahlen die Qualität und Eignung der jeweiligen Strategien zutage fördern.