WASHINGTON
AP

Mit einem ungehobelten Angriff per Twitter auf den Verstand und das Aussehen einer TV-Moderatorin hat US-Präsident Donald Trump parteiübergreifend helle Empörung ausgelöst. Selbst Politiker aus dem eigenen Lager beschworen ihn, solche Äußerungen zu unterlassen.

Trumps gegen die MSNBC-Moderatorin Mika Brzezinski und ihren Kollegen Joe Scarborough gerichteten Tweets ließen in Washington Kritik an seinem Frauenbild wieder aufleben. Dabei bräuchte der Präsident für umstrittene Vorhaben wie die geplante Gesundheitsreform und geänderte Einwanderungsregeln eigentlich jede Unterstützung, die er gerade bekommen kann.

Er habe gehört, dass in der Sendung „Morning Joe“ schlecht über ihn geredet werde, twitterte Trump am Donnerstagmorgen (Ortszeit) an seine knapp 33 Millionen Follower gerichtet. Die Sendung habe miese Quoten, erklärte er. „Warum waren dann die Verrückte Mika mit dem niedrigen IQ zusammen mit Psycho Joe um Silvester drei Abende in Folge nach Mar-a-Lago und wollten unbedingt zu mir. Sie blutete heftig wegen eines Facelifts. Ich habe nein gesagt!“

In seltener Einmütigkeit protestierten Demokraten und Republikaner heftig und lautstark gegen diese Tweets. „Natürlich sehe ich das nicht als angemessene Äußerung“, sagte der republikanische Präsident des Repräsentantenhauses, Paul Ryan. Die demokratische Minderheitsführerin im Abgeordnetenhaus, Nancy Pelosi, bezeichnete Trumps Tweets als „eklatant sexistisch“. Der Präsident schätze Frauen gering. „Es ist traurig“, fügte sie hinzu.

Reaktion Brzezinskis

Brzezinski reagierte bei Twitter auf Augenhöhe mit dem Präsidenten: Sie postete ein Foto von einer Schachtel Frühstücksflocken mit der Aufschrift „Gemacht für kleine Hände“. Dem Präsidenten wird nachgesagt, besonders besorgt um die Größe seiner Hände zu sein.

Trumps Anhänger stellten seine unbeherrschte Reaktion als Ausdruck dafür dar, dass er sich eben nichts gefallen lasse. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders, sagte, der Präsident schlage gegen Menschen zurück, „die ihn Tag für Tag für Tag angreifen. Wo bleibt die Empörung darüber?“ Die Amerikaner hätten einen Kämpfer gewählt, keinen, der sich zurücklehne und nichts tue.

Die First Lady, die sich nach eigenen Angaben während der Amtszeit ihres Mannes dem Kampf gegen Cybermobbing verschrieben hat, ließ ihm die Tweets durchgehen. Wie Melania Trump schon in der Vergangenheit gesagt habe: Wenn ihr Mann angegriffen werde, schlage er zehn Mal härter zurück, erklärte ihre Kommunikationschefin Stephanie Grisham.

Das Weiße Haus hat sich über die kritische Berichterstattung über den Präsidenten in der Sendung von Brzezinski und Scarborough zunehmend irritiert gezeigt. Etwa zwei Stunden vor Trumps Tweets hatte Brzezinski in der Sendung „Morning Joe“ gesagt, es sei für einen führenden Politiker „kein normales Verhalten“, über das Aussehen von Menschen zu twittern oder zu mobben, zu lügen, die Autorität von Managern zu untergraben oder Menschen fertigzumachen. Wenn sich ein Unternehmenschef so verhalten würde wie Trump, sagte Brzezinski, „bestünde die Sorge, dass die Person, die das Unternehmen leitet, vielleicht nicht bei Sinnen ist“.

Am Mittwoch hatte sie sich im Zusammenhang mit einem Bericht der Zeitung „The Washington Post“ über Trump lustig gemacht. Das Blatt hatte berichtet, der Präsident habe in einigen seiner Golfclubs gefälschte Cover des Nachrichtenmagazins „Time“ mit einem Porträt von sich aufgehängt. Solche Titelbilder waren nie erschienen. „Nichts lässt einen Mann sich besser fühlen als ein gefälschtes Magazincover über sich selbst zu machen, jeden Tag zu lügen und das Land zu zerstören“, sagte Brzezinski.

Nicht erster Angriff einer Moderatorin

Trumps Breitseite unter der Gürtellinie gegen eine Frau weckte bei Kritikern Erinnerungen an frühere Äußerungen, mit denen er sich ebenfalls dem Vorwurf des Sexismus aussetzte. Zudem steht er seit langem auf Kriegsfuß mit den Medien, was ihm bei seinen Anhängern aber bislang nicht geschadet hat. Dass es sich bei Trumps Tweets um eine kalkulierte Medienschelte gehandelt haben könnte, weist ein Experte für Massenmedien zurück. „Es ist keine Kritik an der Presse. Es ist eine Wutrede. Es ist eine Hasstirade“, sagt Theodore Glasser, emeritierter Professor der kalifornischen Stanford-Universität.

Es war nicht das erste Mal, dass Trump eine TV-Moderatorin angegriffen hat. 2015 wurde die damalige Moderatorin von Fox News Megyn Kelly nach kritischen Fragen während einer Fernsehdebatte Zielscheibe einer seiner Schmähungen. Trump sagte später, während der Debatte sei „wo auch immer“ Blut aus Kelly herausgelaufen.

Und es war auch bei Weitem nicht das erste Mal, dass er mit Bemerkungen zur äußeren Erscheinung von Frauen für Empörung sorgte. Erst in dieser Woche unterbrach er im Oval Office ein Telefonat mit dem neuen irischen Regierungschef Leo Varadkar, um auf eine „hübsche“ irische Journalistin im Raum und ihr „nettes Lächeln“ hinzuweisen.

Trumps jüngster emotionaler Ausbruch trug auch wenig dazu bei, die Wogen im Streit um die von ihm angestrebte Gesundheitsgesetzreform zu glätten. „Das muss aufhören“, twitterte die republikanische Senatorin Susan Collins, eine Kritikerin des vorliegenden Gesetzentwurfs. „Wir müssen uns nicht gut verstehen, aber wir müssen Respekt und Anstand zeigen.“ Und der republikanische Senator und häufige Trump-Kritiker Ben Sasse twitterte: „Bitte hören Sie einfach auf. Das ist nicht normal und es ist unter der Würde Ihres Amtes.“ Sein Parteikollege Lindsey Graham schrieb auf Twitter, der Tweet zeige, „was mit der amerikanischen Politik schiefläuft, nicht die Größe Amerikas“.

Trump lud das Paar ein

Brzezinski und Scarborough, die miteinander verlobt sind, kennen Trump seit Jahren und haben ihn während des Wahlkampfs häufig interviewt. Seit seinem Amtsantritt stehen sie ihm höchst kritisch gegenüber. Sie haben Trump an Silvester auf seinem Landsitz in Florida zu, wie sie sagen, einem kurzen Besuch getroffen. Außerdem trafen sie den Präsidenten und ranghohe Mitarbeiter im Februar im Weißen Haus. Anhänger Brzezinskis schildern das Treffen in Mar-a-Lago aber anders als Trump: Es sei der Präsident gewesen, der das Paar wiederholt aufgefordert habe, ihn zu besuchen. Brzezinski und Scarborough machten in der Gegend gerade Urlaub.

In einem am Freitag in der „Washington Post“ erschienenen Meinungsartikel der beiden Moderatoren heißt es, ihre Bedenken über „sein entfesseltes Verhalten“ gingen weit über das Persönliche hinaus. Amerika frage sich erneut, ob dieser Mann für das Präsidentenamt geeignet sei. „Wir haben unsere Zweifel“, schrieben sie. „Aber wir sind beide sicher, dass der Mann mental nicht ausgerüstet ist, weiter unsere Show anzusehen.“

Brzezinski und Scarborough, die miteinander verlobt sind, kennen Trump seit Jahren. Foto: AP - Lëtzebuerger Journal
Brzezinski und Scarborough, die miteinander verlobt sind, kennen Trump seit Jahren. Foto: AP