Erinnert sich noch irgendeiner an Jean-Claude Juncker? Wenn ja, dann weiß er vielleicht auch noch, dass dieser, zusammen mit Außenminister Jean Asselborn, in seinen letzten Monaten als Staatsminister massiven Drohungen, unter anderem auch Morddrohungen, ausgesetzt war, was dazu führte, dass die Regierungsspitze sich seinerzeit nur noch mit Bodyguards unter die Leute traute. Seitdem - und der islamistische Terrorismus dürfte das seinige zu dieser Situation beigetragen haben - wurden die Personenschutzmaßnahmen für Regierungsmitglieder angepasst, so dass zumindest der aktuelle Premier nicht mehr ohne Leibwächter auf die Straße geht.
Dies verhindert dann aber nicht, dass sich die Minister, wie auch eine ganze Reihe anderer Politiker - und momentan natürlich insbesondere die Vertreter von Blau-Rot-Grün - in den sozialen Netzwerken und in den Diskussionsforen der diversen Medien zum Teil massiven Pöbeleien einer beständig zunehmenden Zahl frustrierter Bürger ausgesetzt sehen, die sonst nichts mit ihrer Zeit anzufangen wissen, als hier, wo es keine beschützenden Bodyguards gibt und Pseudonyme gang und gäbe sind, den wilden Mann zu spielen.
Die Kommentare gehen dann auch sehr oft unter die Gürtellinie, aber was sich vorgestern ein Mann in weltrekord-verdächtigem Pidgin-Lëtzebuergesch auf Facebook gegenüber Xavier Bettel erlaubte, der ja immerhin Premierminister dieses Landes ist, das schlägt dann doch dem Fass den Boden aus und ist von einer Dummheit und Vulgarität, die derart monumental ist, dass es fast schon wie ein Fake aussah. Oder wer kann schon so blöd sein, anstatt eines Profilbilds „keep calm and kill flüchtlinge“ zu posten und sich dann selbst auch noch voller Stolz als „nazi“ zu bezeichnen, obwohl es gerade erst ein paar Wochen her ist, dass zwei Männer zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe mit bzw. ohne Bewährung verurteilt wurden, die auf Facebook über die Asti her gefallen waren.
Dass es kein Schwindel war, das wurde allerdings spätestens gestern Morgen ersichtlich, als die Polizei den Mann, ein junger Luxemburger, festnehmen konnte, der dem Staatsminister auf Facebook sogar mit dem Tode gedroht hatte: „3x jo fier der eng kurel ze gin“, nur weil dieser beim übermorgigen Referendum für ein dreifaches „Ja“ eintritt und homosexuell ist. Ein Hass, der erschrecken lässt und traurig macht, aber beileibe kein Einzelfall ist, wie die Kommentare anderer Frustbürger aufzeigen, die seit Beginn der Referendumsdiskussion das Netz überschwemmen, wenn auch weniger krass als das Beispiel unseres Möchtegernnazis.
Meist werden diese Art von Äußerungen übrigens mit einem vorsichtigen „Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber...“ oder einem „ich habe ja nichts gegen Homosexuelle, aber...“ eingeleitet, um dann aber ganz schnell auszuarten und die üblichen Klischees zu bedienen.
Bleibt zu hoffen, dass derartige Entgleisungen und Bösartigkeiten nach dem Referendumssonntag wieder abnehmen, und der Graben zwischen Luxemburgern und Nicht-Luxemburgern, der immer schon existierte, aber bislang diskret verschwiegen wurde, nicht noch weiter vertieft wird...


