Für unsere diesjährige Sommerserie ließen wir einer Reihe von Politikern drei seriöse und vier lockere Fragen per Email zukommen. Befragt wurden neben den neuen Abgeordneten auch die Fraktionsvorsitzenden bzw. Gruppenanführer der im Parlament vertretenen Parteien sowie die Parteipräsidenten respektive Parteisprecher. Als neue Abgeordnete zählen auch diejenigen Politiker, die vielleicht schon einmal in einer Regierung, aber noch nie in der Abgeordnetenkammer saßen.
Christian Kmiotek, zusammen mit Sam Tanson an der Spitze von „déi gréng“, wurde am 3. Februar 1960 in Esch-sur-Alzette geboren. Er arbeitet unter anderem als Lehrbeauftragter im LTPES und ist Gemeinderat in Junglinster.
Wie haben Sie die ersten sieben Monate in Ihrer neuen Funktion erlebt?
CHRISTIAN KMIOTEK Ich war gerade mal acht Monate im Amt des Ko-Parteipräsidenten, als es schon - für „déi gréng“ erstmalig - in Koalitionsverhandlungen ging.
Nach Turbo-Wahlprogramm-Erstellung und Wahlkampf wurde nun noch einen Gang hochgeschaltet und mit voller Konzentration darauf hingearbeitet, dass die grünen Inhalte ins Regierungsprogramm einfließen.
Vor allem habe ich in den ersten sieben Monaten der Dreierkoalition hart mit daran gearbeitet, dass die interne Kommunikation und Abstimmung zwischen Lokalsektionen, Parteigremien, Parlamentsfraktion und - für „déi gréng“ neu - Regierung laufend in alle Richtungen funktioniert.
Hinzu kam ja dann noch ein weiterer Wahlkampf.
Da meine Funktion als Parteipräsident ehrenamtlich ist, habe ich meinen beruflichen Einsatz etwas zurückgefahren, um mit den professionellen Politikern mithalten zu können.
Was war in Ihren Augen das wichtigste politische Dossier in der zurückliegenden Kammersession?
KMIOTEK In der kurzen Kammersession gab es zwei Leuchtturm-Projekte der neuen Mehrheit. Die „Ehe für alle“ zeigt exemplarisch, wie diese erste Mitte-Links-Koalition seit drei Jahrzehnten das angestaubte Luxemburg umkrempelt und einen Wert wie „Gleichbehandlung aller Menschen“ hochhält. Die Umsetzung einer verantwortungsvollen Landesplanung und die Diskussion der vier sektoriellen Pläne mit der Bevölkerung sind das beste Beispiel dafür, wie Politik endlich ihre Verantwortung über den tagespolitischen Tellerrand hinaus übernimmt und die Zukunft des Landes gestaltet.
Welches sind für Sie die Prioritäten für die Rentrée?
KMIOTEK Das nächste politische Jahr wird ohne Zweifel vom Referendum geprägt sein. Hier wird es zu einer Meinungsbildung in und mit der Bevölkerung kommen. Und auch wenn der Ausgang vielleicht nicht bei allen Fragen so sein wird, wie sich das mancher erhofft, ist diese Übung in partizipativer Demokratie sicherlich ein Meilenstein in einem Umfeld, das zunehmend von Politikverdrossenheit geprägt wird.
Wohin fahren Sie in den Urlaub und warum?
KMIOTEK Wir fahren dieses Jahr nicht in Urlaub, da wir in unserem großen Garten ein Badefass installiert haben, in dem wir vorzüglich entspannen können.
Falls das Wetter jedoch längere Zeit nicht mitspielen sollte, denken wir daran, spontan in den Zug zu steigen und einige Tage kulturelles Großstadtflair zu schnuppern.
Was haben Sie sich in sportlicher Hinsicht für den Urlaub vorgenommen?
Kmiotek Gemütliche Fahrradausflüge im Osten des Landes aber auch ab und zu nach Luxemburg-Stadt stehen ganz oben auf der sportlichen Sommeragenda.
Welche Bücher planen Sie im Urlaub zu lesen?
Kmiotek Georg Trakl: Das dichterische Werk. Als Vorbereitung auf eine Hommage an den österreichischen Lyriker im Herbst in der Kulturfabrik. Und das eine oder andere Film-Drehbuch.
Welche Musik hören Sie am liebsten?
Kmiotek Manchmal sitzen wir in lauen Sommernächten in kleiner Runde auf der Terrasse und hören uns generationenübergreifend und in wunderbarem Durcheinander die Hits an, die unsere jeweilige Jugend geprägt haben.


