LUXEMBURGNATALIA SLIOUTOVA

Angespielt: Evolve

Die erste Enttäuschung des Jahres 2015 dürfte wohl der neueste Titel von den Machern von „Left 4 Dead“ sein: „Evolve“ wurde hoch angepriesen und von vielen Fans sehnsüchtig erwartet. Eine neue Perspektive lockte viele Interessenten an: Einmal der Gejagte anstatt der Jäger zu sein.

Das Spiel bietet einem die Möglichkeit, das Ganze zur Abwechslung aus der Perspektive eines blutrünstigen Monsters zu erleben und die Fauna und Flora des bespielten Planeten in Angst und Schrecken zu versetzen. Wem das etwas zu langweilig wird, darf auch gerne die altbekannte Rolle des Jägers übernehmen, um die Menschen vor dem Monster zu beschützen.

Hätte, könnte, wurde aber nicht

Das Spiel hatte, was die Grundidee angeht, Potenzial zu einem der erfolgreicheren Ego-Shooter für PC und Konsole zu werden. Selten hat man die Gelegenheit die Welt mal aus den Augen eines bösartigen Ungeheuers zu sehen, dessen primäre Instinkte hauptsächlich Fressen und Töten sind. Die Tatsache, dass das Ganze nicht auf der Erde, sondern auf einem anderen Planeten stattfindet, hätte für genügend Abwechslung sorgen können. Tut es aber nicht! Die Spielgebiete sehen alle praktisch gleich aus. Die Vegetation sowie die fremdartigen Tiere sind repetitiv und bieten keinerlei Abwechslung.

Repetitiv ist auch der Ablauf einer jeden Partie, mit einigen wenigen Ausnahmen, die das Spiel jedoch nicht retten. Eine Spielsequenz sieht fast immer wie gefolgt aus: Monster läuft los, hat 30 Sekunden Zeit, sich zu verstecken und die Umgebung leerzufuttern, um sich zu entwickeln. Jäger laufen los, um das Monster umzubringen, Planetenbewohner zu evakuieren oder das Nest des Monsters zu zerstören.

Ärgerlich ist es auch, dass das Monster auf den niedrigen Level ungefähr so stark ist wie ein wütender Chihuahua. Seine Attacken richten kaum Schaden bei dem Jägertrupp an und die ungünstige Kameraführung hilft auch nicht gerade. Das Aufleveln ist auch so eine Sache: Wenn man das Spiel nicht vorbestellt hat oder nicht gewillt ist, zusätzliche Inhalte nachträglich zu kaufen, sieht man sich gezwungen, viel Zeit und Nerven in das Unterfangen zu investieren.

Die stimmige Musik und das aufwendige Design der Kreaturen ist das einzige, was positiv aus der allgemeinen Durchschnittlichkeit des Spiels heraussticht.

Die Geldgier hat wieder zugeschlagen!

Ein weiterer Punkt auf der Frustskala ist die ansteigende Geldgier der Spielindustrie, die in Evolve erschreckend neue Formen annimmt. Anstatt, wie früher, ein komplettes Spiel herauszubringen, begnügen sich die Spielmacher von heute damit, ein unfertiges Produkt zum vollen Preis zu verkaufen. Damit aber nicht genug: Um ja bloß jeden Cent aus seinen Fans herauszuquetschen, werden nach dem offiziellen Start Unmengen an zusätzlichen Spielinhalten verkauft. Bei Evolve beläuft sich der Gesamtpreis für Spiel und zusätzliche Inhalte inzwischen auf 120 Euro! Eine unglaubliche Summe, wenn man bedenkt, dass man früher - und zum Glück auch teilweise noch heute - dafür zwei gute und vor allem komplette Spiele kaufen konnte.

Alles in allem ist Evolve nichts für Spieler, die eine tiefgründige Story und intensive Kämpfe lieben, dafür ist es einfach zu repetitiv und langweilig.