COLMAR-BERG
CHRISTIAN BLOCK

Wetterbedingungen bescheren Landwirten insgesamt eine magere Getreideernte

Ununterbrochener Regen im September 2019 und Trockenheit im Frühling und Hochsommer hinterlassen ihre Spuren in der Getreideernte. Bei der traditionellen „Karschnatz“-Pressekonferenz im neuen Gebäude der Luxemburger Saatbaugenossenschaft sprach Landwirtschaftsminister Romain Schneider (LSAP) gestern insgesamt von einem „enttäuschenden Jahr“. Zwar stimme die Qualität der Ernte, doch gebe es andererseits Verluste von 20 bis 30 Prozent, teilweise sogar 40 Prozent.

Besonders hoch sind die Ertragsverluste bei der Wintergerste mit Einbußen in Höhe von 40 Prozent gegenüber 2019, wie Klaus Palzkill vom Direktionskomitee der De Verband Group/Versis SA erklärte.

Der viele Regen   im Herbst  - 25 Prozent mehr als in den Vorjahren - habe die Ausbringung der Saat erschwert und dann auch die Ende Februar Anfang März übliche Düngung verhindert. Der dann eigentlich benötigte Regen kam mit Verspätung im Mai/Juni. Die Trockenheit machte den Rest. Insgesamt machte Palzkill einen Ernterückgang von 25 bis 30 Prozent aus.

Beim Sommerweizen „fehlen“ bis zu 20 Prozent, auch wenn es standortbedingt große Unterschiede gibt. Die Qualität sei zufriedenstellend.

Rückgang von Anbauflächen bereitet Sorgen

Die Raps-Ernte bezeichnete er als „zufriedenstellend“, machte sich aber Sorgen um die Anbaufläche, die sich über den Verlauf eines Jahrzehnts halbiert habe. Als Ursachen nannte er die Aussaatbedingungen oder auch den Preis, der einen kostendeckenden Anbau fast nicht mehr ermögliche. Raps ist ein wichtiger Eiweißlieferant und daher ein Element der Futterproduktion. Auch die Anbauflächen für Getreide sind in den vergangenen zehn Jahren um zehn Prozent geschrumpft zugunsten von Mais und Feldfutter.

Die „Moulins de Kleinbettingen“ arbeiteten auch in diesem Jahr wieder mit 250 lokalen Bauern zusammen, die laut Angaben des Ministeriums 18.000 Tonnen Weizen produzierten, davon 380 Tonnen Bioweizen bei steigender Tendenz.

Bei den Sommerkörnern stellte der Minister kein katastrophales Ergebnis fest, doch seien die Preise niedrig. Da Covid-bedingt Feste reihenweise abgesagt wurden, ging die Nachfrage nach Braugerste in den Keller. Besorgt zeigte sich Schneider über die verringerte Strohgewinnung. Der Zukauf von Stroh zur Einstreu von Nutztieren koste dann wieder Geld. Der Ressortminister beteuerte, dass der negative Impakt auf den Ertrag der Landwirte auf dem Ende September oder Anfang Oktober stattfindenden Landwirtschaftstisch mit in Betracht gezogen werden müsse. Angesichts der Auswirkungen des Klimawandels betonte der LSAP-Minister die Notwendigkeit, Alternativen zu finden. Auf Versuchsfeldern der „Administration des Services Techniques“ (ASTA) und der Ackerbauschule sowie dem Institut für Biologische Landwirtschaft und Agrarkultur (IBLA) wird heute schon mit trockenresistenten Arten wie Soja, Hirse oder Sonnenblumen experimentiert.  Schneider hob ebenfalls die Ernteausfallversicherungen hervor, für die Luxemburg im Ausland beneidet werde. •