KAISERSLAUTERN
CHRISTIAN SPIELMANN

Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ wird zum Musical

Bereits letztes Jahr wurde in Erfurt die Rockoper „Jedermann“, nach dem Theaterklassiker von Hugo von Hofmannsthal uraufgeführt. Im Pfalztheater in Kaiserslautern ist die Progressive-Metal-Band Vanden Plas mit ihrem Leadsänger Andy Kuntz seit 2006 Stammgast.

Nun komponierten und schrieben Günther Werno, Andy Kuntz, Stephan Lill und Johannes Reitmeier ein neues Musical, „Everyman“, nach von Hofmannsthals Werk „Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ aus dem Jahr 1911. Am Samstag war die Welturaufführung der von Johannes Reitmeier in Englisch inszenierten Show.

Angst vor dem Tod

Eine Halbkugel aus Glas stellt das Himmelreich dar, das in Grau gekleidete, haarlose Menschen bevölkern. Die Menschheit glaubt nicht mehr an Gott. Deshalb fordert dieser den Tod (Kuntz) auf, ihm den reichen arroganten Everyman (Randy Diamond) zu bringen, damit er ihn richten kann. Wie ein Unschuldslamm trägt Everyman ein weißes Hemd und einen weißen Anzug. Das süße Leben in Saus und Braus ist ihm lieber, als den Armen in ihrer Not zu helfen. Erst als der Tod ihm ein Ultimatum stellt, versucht er mit allen Mitteln, Gottes Gericht zu entkommen. Nur dazu braucht er einen Fürsprecher, den er im letzten Moment in einer kranken Frau (Adrienn Cunka) findet, denn all seine Freunde und Verwandte haben sich von ihm abgewandt.

Irgendwie ist es schon komisch, dass die über 100 Jahre alte Geschichte mit ihrer ganzen christlichen Moral übernommen wurde. Allein der Glaube an Gott genügt, damit die Fehltritte der Menschen vergessen sind. In unserer Zeit, wo tagtäglich über Religion diskutiert wird, hätten die Autoren den Ausgang des Stückes relativieren müssen. Die Szene mit Everymans armen Nachbarn erinnert stark an den Traum in „Jesus Christ Superstar“, in dem sich Jesus mit Kranken konfrontiert sieht, die Heilung suchen. Ein paar Mal wird gesungen, dass Jesus für die Erlösung der Menschen am Kreuz starb. Man wird das Gefühl nicht los, dass „Everyman“ von der katholischen Kirche gesponsort wurde, um den Menschen Angst vor dem Teufel (Maciej Salamon) zu machen, dem Everyman entkommt, weil er wieder anfängt zu glauben.

Unkritisch

Ein weiteres Problem im Pfalztheater war der Ton, der im Bühnenraum festzusitzen schien und daher dumpf klang. Es war Fast unmöglich, die Texte, speziell der mehrstimmigen Lieder, zu verstehen - so musste man notgedrungen die deutschen Übertitel lesen.

Die guten Stimmen von Kuntz und Diamond entdeckte man daher nur in ihren Soli. Auch hätten Dialoge das Verständnis im durchgesungenen Werk erleichtert. Im ersten Akt wirkt die Musik teilweise geschwollen, gar monoton. Erst im zweiten Teil variiert sie, klingt mal ruhig, leicht oder stark rockig. Der Song „Mammon“ wird sogar mit einer flotten Tanzszene umrahmt, mit in der grünen Farbe des Geldes gekleideten Tänzern und Tänzerinnen.

Ein Ohrwurm schält sich jedoch nicht heraus. Generell gefällt der zweite Akt besser, denn die Figur des Everyman auf der Suche nach einem Bürgen steht im Mittelpunkt. Insgesamt enttäuscht das Mysterium eher und das in erster Linie durch die unkritische Adaption der Geschichte.


Weitere Informationen und Tickets unter

www.pfalztheater.de