LUXEMBURG
MARCO MENG

TheMarketsTrust ist die erste Ratingagentur Luxemburgs - wenn sie denn in Luxemburg bleibt

Als sich die Hypothekenkrise in den USA vor rund zehn Jahren zu einer handfesten und weltweiten Finanzkrise auswuchs, reifte in Evangelos Papadopoulos, der Absolvent der Harvard-Business-School ist und einst als IT-Spezialist bei der Deutschen Börse Gruppe die Eurex-Handelsplattform entwarf, die Idee zu „TheMarketsTrust“. Mithilfe von zuverlässigen Wertpapierbewertungen sollen damit ähnliche Krisen vermieden werden - das Konzept, das Papadopoulos vor knapp drei Jahren zu einer Firma machte, wurde von der Europäischen Kommission ausgezeichnet. Doch Gegenwind gibt es auch.

Die Weltfinanzkrise hat Sie auf die Idee gebracht?

Evangelos Papadopoulos Die Menschen verloren damals tatsächlich ihr Vertrauen in den Markt und fragten sich, wie eine solche Krise überhaupt entstehen konnte. Wie war ein solches Desaster in einer technologie- und datengetriebenen Gesellschaft überhaupt möglich, fragten sich viele. Und in mir reifte die Idee, die technologischen Möglichkeiten zu nutzen, um eine „neue Generation“ der Werkzeuge zu schaffen, die heute im blitzschnellen Börsenhandel genutzt werden. Es bestanden auch zur Zeit der Finanzkrise Ratings, doch die wurden nach zwei Jahrzehnte alten Prinzipien erstellt und nicht so, wie es technisch möglich ist. Hier besteht meiner Meinung nach immer eine große Diskrepanz, und der will ich mit meinem Rating-Algorithmus „TheMarketsTrust“ begegnen, wo Kunden auf einer einzigen Plattform Risiken erkennen können, systemische Risiken, Produktrisiken und Marktrisiken. Das Programm kombiniert quantitative Daten wie Finanzzahlen mit - wie wir es nennen - „unstrukturierten Daten“, also qualitative Informationen, die wir von Webseiten von Banken, sozialen Netzwerken und Medien beziehen. Und das in Echtzeit.

Wie kann ich mir das konkret vorstellen?

Papadopoulos Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Eine Bank möchte eine neue Anleihe herausgeben. Die Bank kommt zu uns, und wir helfen ihr beim Emissionsprozess, um das Wertpapier auf den Markt zu bringen. Ist das gemacht, wird das Papier kontinuierlich „geratet“, ähnlich wie S&P und die anderen Ratingagenturen das tun. Während Standard & Poor´s allerdings nur in verschiedenen Intervallen eine Meinung abgeben, kann sich bei uns jeder potenzielle Investor in Echtzeit Klarheit über die von uns gerateten Bonds verschaffen.

Das würde ja gut zum Finanzplatz Luxemburg passen.

Papadopoulos Ja, so dachte ich auch, doch die Unterstützung, die wir bislang von offizieller Seite für das Projekt bekamen, ist überaus bescheiden. In Geld ausgedrückt summiert sich die Unterstützung, die ich in den letzten beiden Jahren für mein Startup in Luxemburg erhielt, auf 400 Euro.

Wie kann das sein?

Papadopoulos Auf der einen Seite von der EU als eines der innovativsten Projekte und mit einem Preisgeld von 200.000 Euro ausgezeichnet erhalten wir, wenn wir mit der unteren und mittleren Ebene der luxemburgischen Administration reden, meist Desinteresse. Ich sage dann, ich dachte, Luxemburg sei eine Start-up-Nation, aber die Realität ist doch eine andere. Dabei sollten doch gerade Fintechs wie „TheMarketTrust“ Aushängeschild Luxemburgs sein. Aber ich bin nicht sicher, ob jeder im Wirtschaftsministerium, auch wenn er offiziell damit zu tun hat, wirklich weiß, was ein Start-up ist. Wenn ich ein Start-up bin, kann ich natürlich eine keine ausgeglichene Bilanz vorweisen oder eine Finanzplanung der nächsten drei Jahre oder eine lange Liste mit Kunden. Im Gegenteil, es wird gesagt: Im ersten Jahr machten Sie einen Verlust von einigen tausend Euro, im letzten machten Sie einen Verlust von einer Million, das ist uns zu riskant.

Und was ist Ihre Antwort darauf?

Papadopoulos Ich sage, ja, eine Million, und Sie sollten sich darüber freuen, denn es handelt sich um Geld, das ich in Luxemburg für mein Unternehmen ausgegeben habe, das sind Investitionen. Ich habe 25 Arbeitsstellen geschaffen. Und dafür eine Starthilfe von 400 Euro zu erhalten, das kann man nur als Witz bezeichnen. Es gibt natürlich nicht nur Negatives, darum will ich auch erwähnen, dass meine Zusammenarbeit mit der Adem zum Beispiel hervorragend ist. Das muss man sagen. Allerdings mussten wir inzwischen die Mitarbeiterzahl drastisch kürzen. Ehrlich gesagt denken wir darüber nach, Paris oder Frankfurt als Firmensitz der Ratingagentur ins Auge zu fassen.

Das heißt, der Start läuft alles andere als reibungslos.

Papadopoulos Zumindest, was die Unterstützung von offizieller Seite anbelangt. Aber wir arbeiten weiter, wobei uns auch einige internationale Preise und Auszeichnungen, die wir für das Projekt erhielten, Ansporn sind. Wir arbeiten mit renommierten Instituten und zwei Universitäten zusammen, darunter die Uni Luxemburg. Wir haben auch schon die ersten Kunden, einen in Paris, einen in Luxemburg, und momentan bin ich mit einer chinesischen Gruppe im Gespräch, die an unserer Technologie interessiert ist. Das Projekt ist vielversprechend. Nur ob Luxemburg der richtige Platz dafür ist, müssen wir sehen.