LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Julie Conrad ging den Weg zum Produktdesign zielstrebig – mit großem Erfolg

Ihre Werke kennen viele Menschen in Luxemburg: Die Taschen aus den Planen des „Pont Adolphe“, die unter dem Namen „E Stéck vun der Bréck“ verkauft wurden beispielsweise. Oder Bühnenbilder. Oder schlichte Möbel und edle Uhren. Hinter all dem steckt Julie Conrad.

Die Luxemburgerin wusste früh, was sie wollte: Produktdesignerin werden. Deshalb ging sie auf die Designschule Créapôle in Paris. „Das waren fünf intensive Jahre; wir haben Tag und Nacht gearbeitet“, erinnert sie sich. „Aber es hat sich gelohnt.“ Während der Ausbildung absolvierte Julie Conrad auch Praktika, unter anderem bei „Mio“ in Philadelphia. „Das ist ein Designstudio, das sich auf Ökodesign spezialisiert hat. Damals war das noch relativ neu und genau das, was mich interessiert hat“, sagt sie.

„Wir waren zu der Zeit eines der ersten Design-Büros, die das angeboten haben.“ Doch aus den USA brachte sie noch mehr mit. „Die Lust, mich selbstständig zu machen. Und auch die Einstellung, dass man mit etwas scheitern kann und das nicht schlimm ist, weil man daraus lernt. Das ist in den USA viel verbreiteter.“

Ein Jahr nach ihrem Abschluss machte Julie Conrad sich 2013 selbstständig – in Luxemburg. „Es hat sich für mich in dem Moment auf natürliche Weise ergeben, hierher zurückzukommen.“ Die Designerin fing vorsichtig an und bereitete ihre Karriere Schritt für Schritt vor. Anfangs jobbte sie zur Sicherheit noch nebenher. Heute ist Julie Conrad Chefin von vier Mitarbeitern. „Wir sind Stück für Stück gewachsen. Die Nachfrage war da“, sagt die Unternehmerin.

Zu ihren Kunden gehören die Philharmonie und die Handelskammer ebenso wie Unternehmen oder multinationale Konzerne. Einige sind von Anfang an dabei. Julie Conrad schätzt besonders den Kontakt mit ihnen. „Wir arbeiten auf zwei großen Schienen: dem Produktdesign und dem Grafikdesign“, sagt sie. Möbel in Kleinserie oder ein süßes Stofftier für das SOS Kinderdorf: Immer überlegt sich die Designerin etwas Besonderes. „Für die Uhr Loxo haben wir mit dem Luxemburger Kunden über die Zeit nachgedacht. Wir haben sie so konzipiert, dass sich die Zeiger ganz langsam mit den Jahren verändern, aber in Abhängigkeit von der Tragezeit“, lächelt sie. Derzeit arbeitet sie an einem Bühnenbild. „Da ich als Jugendliche eine komplette Ausbildung mitsamt Sprecherziehung und Schauspiel am Konservatorium gemacht habe, habe ich zum Kulturbereich eine starke Bindung“, erklärt sie in ihrem Büro, das zentral gegenüber vom Bahnhof und dem „House of Start-ups“ in Bonneweg liegt.

Das Julie Conrad Design Studio trägt das Label „Made in Luxembourg“, doch die Designerin ist auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt. So war sie 2017 in eine französische Kunst-Residenz in Arles eingeladen und ist seit vergangenem Jahr Vertreterin für Luxemburg im „European Union Intellectual Property Office“. Und ein Raumteiler in Form eines Fächers tourt seit einigen Jahren als eines von 40 französischen Designerstücken durch Ausstellungen. Wettbewerbe hat sie bereits einige gewonnen. Zuletzt stand sie 2019 auf einer Liste der hundert wichtigsten Produktdesigner in Frankreich.

Julie Conrad sieht sich ausdrücklich nicht als Künstlerin, sondern als Designerin. „Mir fällt es leichter, in einem festen Rahmen zu arbeiten, mit vorgegebenen Einschränkungen, ich bewundere Künstler für ihre freieren Initiativen.“ „Das ist eine andere Definition dessen, was gebraucht wird, aus welchem Material es besteht. Das ist ein systematischer Prozess“, versichert sie. Natürlich ist sie auch Unternehmerin. „In die Aufgabe bin ich hineingewachsen.“ Das fordern ihr auch Kunden ab, denn einigen muss sie schon klar machen, warum ihre Leistung ihren Preis hat. „Wir arbeiten absolut transparent. Das überzeugt“, merkt sie an.

Wünsche hat die 32-Jährige noch einige. „Ich würde gern den internationalen Bereich ausbauen und mehr Möbel in Kleinserie mit Partnern machen“, verrät sie. Angst, keine Ideen mehr zu haben, hat sie nie. „Die fallen ja nicht vom Himmel. Da steht eine Methodologie dahinter.“

Die Corona-Krise hat sie als Schockmoment erlebt. „Da stellt man natürlich viel in Frage. Finanziell war es schwierig. Viele Projekte wurden umgewandelt oder abgesagt. Doch die Hilfe kam schnell und unsere Flexibilität half“, sagt sie.

Ob sie nochmal den gleichen Weg gehen würde? Julie Conrad überlegt. „Vielleicht würde ich nach einigem Nachdenken nicht direkt ins kalte Wasser springen“, lächelt sie. „Aber ja, mir gefällt, was ich mache.“

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