PASCAL STEINWACHS

Wer am Sonntag den „Tatort“ verpasst hat, weil er den Ausgang der Legislativwahlen mitverfolgte, der wurde mehr als entschädigt, konnte es der vorgestrige Wahlabend doch diesmal mit dem spannendsten Krimi aufnehmen. Wer sich nämlich schon darauf eingestellt hatte - und das hatten wahrscheinlich die meisten -, dass die CSV sowieso die Wahlen gewinnt, und es am Wahltag nur noch darum gehen würde, ob die Wiseler-Truppe denn jetzt zwei, drei oder vier Sitze dazugewinnt, ehe sie sich entscheidet, ob sie nun die DP oder die Grünen mit ins Koalitionsbett nimmt, der sollte sich im Laufe des Abends noch stark wundern, als sich auf einmal eine Neuauflage der blau-rot-grünen Koalition herausschälte, die in Zukunft aber eher - „déi gréng“ gewannen bekanntlich drei Sitze dazu, derweil die LSAP drei Sitze einbüßten - eine blau-grün-rote wird.

Nach dem vorgestrigen Sonntag dürfte jedenfalls auch der letzte Zweifler die definitive Bestätigung erhalten haben, dass Umfragen nicht das Papier wert sind, auf denen sie gedruckt worden sind. So ist es der CSV allen Meinungsumfragen zum Trotz nicht gelungen, eine Neuauflage der Dreierkoalition rechnerisch zu verhindern, wobei überregionale Zeitungen wie die „Süddeutsche“ bereits vor dem Wahltermin zur Schlussfolgerung gekommen waren, dass es eigentlich „keinen stichhaltigen Grund“ gebe, die CSV zu wählen, und nicht einmal ihr Spitzenkandidat Wiseler, der ein „ansehnlicher, freundlicher, aber uncharismatischer Politiker“ sei, einen Grund zu nennen wisse: „Alles in Ordnung bescheinigt Wiseler der Konkurrenz“.

Fakt ist, dass die CSV, die angetreten war, die von ihr despektierlich Gambia genannte Koalition aus DP, LSAP und „déi gréng“ in die Wüste zu schicken, am Sonntag ein regelrechtes Debakel erlebt hat, und die ewige Regierungspartei nun voraussichtlich zum zweiten Mal hintereinander mit der harten und für sie immer noch ungewohnten Oppositionsbank vorliebnehmen muss, was hierzulande einer Zäsur gleichkommt, und parteiintern für heftige Auseinandersetzungen sorgen dürfte. So dürften sich bei der immer noch größten Oppositionspartei in den nächsten Tagen und Wochen nicht nur die Köpfe eingeschlagen werden, sondern wird womöglich auch der ein oder andere Kopf rollen.

Bei den aktuellen - und, wie es momentan aussieht, höchstwahrscheinlich auch zukünftigen Regierungsparteien - dürfte es in den nächsten Tagen ebenfalls zu heftigeren Diskussionen kommen, werden „déi gréng“ als Wahlgewinner und als Retter der Dreierkoalition doch ihren Anspruch auf den Posten des Vizepremiers geltend machen, derweil bei den roten Linien der LSAP - keine Pensionskürzungen, kein höheres Rentenalter sowie eine Anhebung des Mindestlohns um netto 100 Euro - jedoch mit Sicherheit ein Kompromiss gefunden wird. Bei den Koalitionsverhandlungen zur Sprache kommen dürfte aber auch die Besetzung des EU-Kommissionspostens, steht in einigen Monaten mit den Europawahlen doch schon wieder der nächste Wahltermin vor der Tür, aber nach der Wahl ist bekanntlich vor der Wahl...