LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Die „Home and Living Expo“ 2019 hat ihre Tore noch bis Sonntag geöffnet

Rund 30.000 erwartete Besucher aus Luxemburg und der Großregion, 220 Aussteller auf 33.000 m2, jede Menge Innovationen und ein vielfältiges Rahmenprogramm: Am Samstag ist die sechste Ausgabe der „Home and Living Expo“ in der Luxexpo auf Kirchberg an den Start gegangen. Zur offiziellen Eröffnung der Messe, die zeitgleich mit der Nationalen Wohnungsbauwoche bis zum 20. Oktober stattfindet, hatten sich neben dem Parlamentspräsident Fernand Etgen und dem erbgroßherzoglichen Paar die Minister Taina Bofferding, Claude Turmes, Lex Delles und Henri Kox eingefunden, sowie zahlreiche Verantwortungsträger aus Politik und Wirtschaft.

Im Mittelpunkt der politischen Reden stand vor allem der Mangel an erschwinglichem Wohnraum in Luxemburg, wo laut rezenten Statistiken die Wohnungspreise über ein Jahr gesehen einen Sprung von über elf Prozent gemacht haben.

„Kollektive nationale Herausforderung“ erschwinglicher Wohnraum

Der erst am Vortag vereidigte neue Wohnungsbauminister Henri Kox (déi gréng) ergriff die Gelegenheit, einige Stoßrichtungen der Wohnungsbaupolitik aufzuzeichnen. Den Mangel an erschwinglichem Wohnraum bezeichnete er als „kollektive nationale Herausforderung“, die auch der sozialen Kohäsion laste und rief alle Akteure dazu auf, mit an einem Strang zu ziehen, um sie zu meistern. Für den ehemaligen „député-maire“ von Remich ist eine Stärkung der Rolle der öffentlichen Hand auf dem Wohnungsmarkt unabdingbar. Die Regierung arbeite derzeit am „Pacte Logement 2.0“, in dessen Rahmen die Gemeinden stärker unterstützt werden, um neuen Wohnraum auf den Markt zu bringen, allerdings müssten die dann auch liefern. Während im November eine weitere Konsultierungsdebatte im Parlament über die Wohnungsbaupolitik stattfindet, will die Regierung Anfang 2020 den Gesetzentwurf zum neuen Wohnungsbaupakt auf den Instanzenweg bringe. Derweil wird das Wohnungsbaugesetz von 1979 überarbeitet, der bürokratische Aufwand bei Wohnungsbauprojekten soll weiter verringert werden, es soll eine nationale Liste von Anwärtern auf erschwinglichen Wohnungsraum geben, die langfristige Vermietung von Sozialwohnungen soll besser geregelt werden und das Instrument des Baulandvertrags mit Bauverpflichtung durchgehender angewendet werden.

Kox will auch eine Diskussion über die Verpflichtung, bei Bauprojekten mit mehr als 25 Wohnungen zehn Prozent der Bruttofläche für erschwinglichen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Während die Quote höher liegen könnte, soll die öffentliche Hand sich verstärkt um diese Flächen kümmern.

Hauptstadt plant tausende weitere Wohnungen

Verstärkt einsetzen will der Grünen-Politiker, der nicht gegen eine Ausweitung der Bauperimeter ist, dafür aber die Bedingungen des Naturschutzgesetzes auf jeden Fall erfüllt sehen will, auch das „remembrement ministériel“ um zusammenhängende Grundstücke für Wohnungsbauprojekte zu erreichen. Rund 1.500 Hektar Bauland liegen übrigens derzeit in Luxemburg im Perimeter, erklärte Kox, der sich über den vom Regierungsrat beschlossenen Spezialfonds zur Förderung des Wohnungsbaus freute und sich vor allem auch bei den öffentlichen Promotoren „Fonds du Logement“ und „Société Nationale des Habitations à Bon Marché“ bedankte. Dass die Hauptstadt die Bemühungen für mehr erschwinglichen Wohnraum unterstützt, machte indes Schöffe Serge Wilmes klar. Neben den großen urbanistischen Projekten in Merl (144 Wohnungen), an der Arloner Straße (700 bis 800), auf dem Villeroy&Boch-Areal in Rollingergrund (250) und vor allem an den „Portes de Hollerich“ (3.000) will die Hauptstadt, die im vergangenen Jahr Grundstücke für rund 35 Millionen Euro gekauft habe, auch rund 600 erschwingliche Wohnungen auf kleineren Bauterrains verwirklichen.

Mehr Unterstützung für den Mittelstand

Mittelstands- und Tourismusminister Lex Delles verwies in seiner Rede auch auf die Problematik erschwinglicher Grundstücke für Betriebe. Der Bereichsplan Aktivitätszonen soll die Möglichkeiten aufzeigen. Rund 395 Hektar seien derzeit in regionalen Aktivitätszonen vorhanden, sagte der DP-Politiker, der „mit dem Pilgerstab“ durch die Gemeinden ziehen will, damit besonders die mittelständischen Unternehmen Platz für Ansiedlung und Expansion bekommen. Übrigens laufen die Arbeiten an einem neuen „Plan PME“, der das Rückgrat der hiesigen Wirtschaft – der Mittelstand zählt rund 35.000 Unternehmen – weiter stärken soll.

Am Ende seiner Rede formulierte Luxexpo-Präsident Raymond Schadeck einen Traum. Den Traum eines weltweit einzigartigen Ausstellungs- und Kongresszentrums mit höchsten Qualitäts- und Umweltstandards. Ein Zentrum, das nicht wie andere horizontal konzipiert sei, sondern vertikal und auch Platz biete für Grünflächen, Sozialwohnungen, Büros, Bars und mehr. Zuvor hatte er die Dringlichkeit für eine neue Luxexpo unterstrichen, laufe der Mietvertrag für das rund zehn Hektar große Areal in Kirchberg doch in acht Jahren aus. Was noch weit entfernt scheint, sei allerdings knapp in einem Geschäftsbereich, in dem man wichtige Events bereits Jahre zuvor anwerben müsse. Schadeck unterstrich die Bedeutung der Luxexpo für die hiesige Wirtschaft. In den kommenden acht Jahren fänden hier rund 1.000 Events statt, die vier Millionen Einwohner anziehen könnten und der Wirtschaft drei Milliarden Euro Umsatz bescheren würden. Seit Jahrzehnten wird über den künftigen Standort der Luxexpo diskutiert – besonders Hollerich und Findel waren immer wieder im Gespräch - und es gab schon Mal ein Konzept inklusive Messeturm auf Kirchberg. Das 200 Millionen-Projekt wurde allerdings 2012 aus Staatsbudgetgründen auf Eis gelegt. Seither wurde in die Renovierung der Messe investiert, die seit 1991 auf Kirchberg angesiedelt ist.