LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Ungewöhnliches Gerichtsverfahren: Mann züchtet exotische Tiere im großen Stil

Laut Staatsanwaltschaft soll ein Mann zwischen 2016 bis Sommer 2018 im großen Stil exotische Tiere gezüchtet und verkauft haben. Der Züchter hatte viele ungewöhnliche Mitbewohner: In seinem Haus sollen 252 Tiere gelebt haben. Von 252 lebendigen exotischen Tieren geht jedenfalls die Staatsanwaltschaft in Luxemburg aus. Tote Tiere lagen im Kühlschrank.

Die Ermittler fanden giftige Schlangen, wie Vipern und Kobras, Riesenspinnen, Skorpione und Tausendfüßler. Die meisten Gifte der Vipern zerstören vor allem Zellen des Blutes und die sie umgebenden Gewebe. Durch den Biss einer Kobra kann das Opfer gelähmt oder getötet werden. Der Mann hielt auch grüne Mambas, die mit zu den gefährlichsten Schlangen in Afrika gehören. Die grüne Mamba ist ein sehr nervöses und schnell erregbares Tier, das sehr schnell zubeißen kann.

Leidenschaftlicher Tiersammler

Der „nicht gerade kleine Zoo“ von Tom K. (35) lässt erahnen, was sich in manchen Häusern in Luxemburg verbirgt. Schildkröten, Schlangen, Vogelspinnen, Skorpione, Geckos und Eulen. Der Mann ist ein passionierter Tiersammler und macht das seit seinem 12. Lebensjahr. Besonders bei der Haltung von Riesenschlangen und Giftschlangen kann man sich jede Menge Ärger einhandeln, wenn man keine Erlaubnis vom Agrarminister hat. Und der Mann hatte keine. Schließlich wird ihm vorgeworfen die Tiere nicht artgerecht gehalten zu haben. Acht Käfige, respektive Terrarien seien zu klein gewesen, ohne Ventilation, ohne Klimaanlage und ohne Zugang zu Wasser.

Durch die unsichere Unterbringung konnte nicht völlig ausgeschlossen werden, dass Tiere infolge eines Missgeschicks unkontrolliert entweichen. Eine derartige latente Bedrohungssituation bräuchten die anderen Wohnungseigentümer nicht hinzunehmen. Den Tieren sei erhebliches Leid durch die Haltung zugefügt worden, hieß es vor Gericht. Eine Reihe von Schlangen hatte eine Hautkrankheit entwickelt, die nicht behandelt wurde. Auch die Haltungsgrundsätze seien im Tierschutzgesetz festgelegt (Artikel 12 des Naturschutzgesetz).

In der Wohnung des Mannes in Esch/Alzette wurden jede Menge Tiere gehalten, die unter die Luxemburger Artenschutzverordnung fallen. Er selbst wurde am 18. September 2015 von einer Kobra gebissen. Am 18. Juli 2016 hat ihn eine grüne Mamba gebissen. Der Mann soll bei der Handhabung der Schlangen einmal unter Alkoholeinfluss und einmal unter Kokain gestanden haben. Nach den Bissen wurde er in der Klinik intubiert und künstlich beatmet. Nach langen Untersuchungen untersuchten am 27. September 2018 Zollbeamte im Beisein eines Substituts das Haus. Dem Substituten war aufgefallen, dass der Beschuldigte bei der Hausdurchsuchung zitterte. Er habe dann aber die Kobra aus dem Käfig genommen.

Anwalt spricht von „Hexenjagd“

Ob seine Nachbarn befürchteten, die unheimlichen Hausgenossen könnten aus ihren Terrarien entweichen und in ihre Wohnungen eindringen, fragte der Verteidiger Me Jean-Jacques Schonckert. „Nein“, sagte der Ermittler. Der Anwalt sprach von einer „Hexenjagd“. Vier Mal waren die Veterinäre zur Stelle und fanden alles in Ordnung. Die Ermittler sind keine Spezialisten. Sein Mandant sei von dem Vorwurf Tierquälerei freizusprechen, so Me Schonckert. Der Anwalt warf der Staatsanwaltschaft Übereifer vor. Die Tiere wurden beschlagnahmt und in einen Spezialzoo in München gebracht.

Der Anklagevertreter sprach von 4.000 Tieren, die der Beschuldigte während einem Jahr einkaufte. Der Vertreter der Anklage wirft dem Mann eine Menge Verletzungen des Tierschutzgesetzes vor. Dazu kommen Geldwäsche und das Fehlen einer ministeriellen Genehmigung. Eine Geldstrafe sei hier angebracht. Die Transportkosten der Tiere nach München soll der Beschuldigte übernehmen.

Das Urteil wird am 15. Januar 2020 gesprochen.