LUXEMBURG
CLAUDE MÜLLER

Neue CD „Dizzy Guttido“ vom „Jitz Jeitz Quartet“

Das Quartett ist die im Jazz am häufigsten anzutreffende Ensemblebesetzung und wenn auch noch, wie meistens, das Saxofon die Leaderrolle verkörpert, tun die Musiker gut daran, sich durch originelle Besonderheiten von vergleichbaren Produkten zu unterscheiden. Beim „Jitz Jeitz Quartet“ ist hervorzuheben, dass acht von den neun Nummern der CD in der hauseigenen Werkstatt geschrieben wurden. Auch mit der Auswahl der beiden Gastsolisten hat der luxemburgische Saxofonist und Bandleader Jitz Jeitz einen guten Griff gemacht. Auf einem Drittel der Aufnahmen sind Ernie Hammes und Marc Scholten mit kurzweiligen, homogenen Soli in der Tradition der großen Vorbilder zu finden. Eigentlich schade, dass Jeitz bei keiner Nummer sein vorzügliches Klarinettenspiel einsetzt, was noch etwas mehr Farbe in die ansprechenden, harmonischen Arrangements gebracht hätte.

Das Salz in der Suppe

Gleich bei „Driwwer an Drënner“ aus der Feder des Bassisten John Schlammes bringt der routinierte Trompeter Ernie Hammes sein bis ins letzte Detail erprobtes Know-how ins Spiel und liefert das Salz in der Suppe für das in seiner Struktur kraftvolle Stück, bei dem Marc Scholten am Altsaxofon sich gekonnt als betont cool im Duo mit Schlagzeuger Mich Mootz outet, der während der ganzen Scheibe durch einen durchgehend, geradeaus marschierenden Puls besticht. Das Titelstück „Dizzy Guttido“ hat Jitz Jeitz sich auf den Leib geschrieben und demonstriert mit überzeugender Eleganz, dass er die großen Meister der klassischen und neueren Geschichte des Jazzsaxofons genau studiert hat und sie bestens in Szene setzt. Auch Pianist Claude Schaus liefert hier ein stilgerechtes Solo in der Art des noch immer beliebten und bewährten Mainstream-Jazz.

Von der Atmosphäre her ist die „Dump Waltz“, mit fast acht Minuten das längste Stück der Platte, das beeindruckendste. Hier stimmt die Dosierung der fließenden Phrasierungen der Solisten und der dezenten Untermalung der mit nachtwandlerischen Sicherheit begleitenden diskreten Rhythmussektion.

Pianist Claude Schaus überzeugt auch diesmal mit einem gefühlvoll intonierten Intro, ehe er nach der Vorstellung des Themas und einer fast lyrischen Improvisation vom Tenorsaxofon ein bewegendes Beispiel von vitaler Spielfreude einbaut. Dann folgt ein ausgedehntes, entspannt fließendes, faszinierendes Solo des Altisten Marc Scholten, das mit einer Mini-Battle der beiden Bläser endet, der Höhepunkt der hörenswerten Produktion.

Bleibender Eindruck

Auch die mit südamerikanischen Touch versehene Komposition des Drummers Mich Mootz, „Rop A Ro“ vermittelt eine entspannte Gemütlichkeit mit gepflegten Einlagen der einzelnen Bandmitgliedern. Das raffiniert konzipierte „Ipp Dip Dub“, wiederum von Bassist John Schlammes, unterstreicht, dass es sich hier nicht um simple Gebrauchsmusik handelt, und die Soli nicht nur routiniert runtergenudelt sind. Besonders das ausdrucksstarke a capella-Basssolo des Komponisten hinterlässt einen bleibenden Eindruck. In ihrem Element fühlen sich die einzelnen Musiker hörbar in Jeitz‘ „Praia Steps“, wo der erfrischende Sound des Flügelhorns von Ernie Hammes, der mit einem perfekt konstruierten Solo aufwartet, für willkommene Abwechslung sorgt. Bestens ins Konzept passt die einzige von einem Nichtmitglied der Band stammende Komposition „22.03.2012“, mit der Paul Fox den ruhenden Pol der fast einstündigen CD gewährleistet.

Kein Zufall

Bestimmt kein Zufall ist, dass bei Jitz Jeitz‘ Opus „Take 15“ nicht nur die ersten sechs Buchstaben an Paul Desmonds noch heute berühmten Welterfolg „Take Five“ aus dem Jahre 1959 erinnern, auch die ersten sechs Noten der beiden Themen sind identisch. Solch gut gemeinten schelmenhafte Spitzfindigkeiten oder die nicht ohne Humor bearbeitete Komposition „Anton’s Jizzicato“ des Leaders machen den Charme eines weiteren hörenswerten Produkts der einheimischen Szene aus. Etwas guter Wille betreffend die Vermeidung von gängigen Klischees hätte dem sonst gut gelungenen, ansprechenden Resultat, das man in vollen Zügen genießen kann, sicher nicht geschadet.
www.jitzjeitz.com