LUXEMBURG
MARCO MENG

Denis Zago begeistert sich für das Solowheel - selbst forscht und erfindet er in einem anderen Bereich

Denis Zago ist Erfinder und Tüftler, und als solcher begeistert er sich stets für neue Entwicklungen. Eine davon brachte der 48jährige Franzose jüngst von einer Messe in den USA nach Luxemburg: Das Einrad. Ein Einrad? Ja, aber nicht irgendein Einrad, sondern das elektrische, selbstbalancierende Einrad, das nach Meinung von Zago die Fortbewegung in der Stadt nachhaltig verändern wird.

Ist es nicht schwer, mit diesem Einrad zu fahren?

Denis Zago Eigentlich nicht. Es gehört natürlich zuerst etwas Übung dazu, denn man muss ein Gefühl dafür entwickeln. Aber dann nach etwa einer Stunde Übung geht es recht einfach und ist nicht schwerer als Fahrrad zu fahren. Allerdings ist das Solowheel eben bedeutend handlicher als ein Fahrrad und kann mit seinen knapp zehn Kilo und vierzig Zentimetern Durchmesser leicht transportiert werden. Man beschleunigt auf bis zu 20 Stundenkilometern, indem man sich vorlehnt, bremst, indem man sich zurücklehnt. Mit einer Batterieladung kommt man bis zu 18 Kilometer weit.

Seit ich das Solowheel vor knapp einem Jahr nach Luxemburg brachte und für hier sowie für Belgien die Verkaufslizenz habe, haben zum Beispiel einige, die in der Hauptstadt arbeiten und morgens mit dem Zug ankommen, das Solowheel gekauft, mit dem sie sich hier der Stadt leicht fortbewegen können und keinen Parkplatz zu suchen brauchen.

Wie entdeckten Sie das Solowheel?

Zago Ich bin Ingenieur und lebe seit 1997, als ich hier meine Frau kennenlernte, im Großherzogtum, wo ich im Jahr 2000 meine eigene Firma gründete. Davor hatte ich eine Zeit lang in den USA gearbeitet, und als ich von dort zurückkam, hatte ich den Kopf voller Ideen, die ich mit meiner eigenen Firma umsetzen wollte. Parallel dazu habe ich dann zufällig auf einer Ausstellung in den USA, wo ich beruflich war, das elektrische Einrad gesehen, das mich gleich sehr begeisterte, denn es ist etwas sehr Außergewöhnliches und Innovatives. Das ideale Fortbewegungsmittel für längere Strecken innerhalb einer Stadt, auch im Regen übrigens. In den Staaten wurden, soweit ich weiß, bislang 6.000 davon verkauft.

Wie viele davon haben Sie in Luxemburg schon verkauft?

Zago Seit Februar, als ich mit dem Verkauf begann, sind es 70. Die Käufer sind bislang vor allem Privatpersonen, die es für den privaten Zweck zum Erreichen der Arbeitsstelle kauften. Einer, der als Vertreter arbeitet, nutzt das Solowheel, um seine Kunden zu besuchen, denn er kann sein Auto irgendwo abstellen und dann mit dem Solowheel hinfahren. Er legt so wöchentlich rund hundertzwanzig Kilometer zurück. Das Schöne dabei ist, dass diese Art der Fortbewegung auch noch Spaß macht. Man kann das Solowheel natürlich auch innerhalb von Gebäuden nutzen. Seit neustem, seit wenigen Wochen, gibt es dafür aber noch ein anderes Modell, eine etwas einfachere Version, die vor allem hierfür konzipiert ist: Das Hovertrax. Es kommt vom gleichen Hersteller, ist mit vier Kilo leichter, balanciert sich ebenfalls dank eingebauter Gyroskope selbst aus. Hier bin ich für Benelux und auch für Frankreich der Exklusivdistributor und suche derzeit nach Einzelhändlern dafür.

Warum nicht für das Solowheel?

Zago Dafür braucht man, wie gesagt zumindest eine Einführung und ein bisschen Übung, die ich gewährleiste. Kauft jemand das Solowheel, biete ich ihm auch das Training an, das wäre bei einem Verkauf über Geschäfte oder durch Supermärkte nicht möglich. Der Direktvertrieb ist in diesem Falle das einfachste.

Sie selbst sind aber eigentlich weniger Verkäufer als vielmehr selbst Erfinder?

Zago Stimmt. Mit meinem Unternehmen Luxinov bin ich vor allem in Forschung und Entwicklung von Feuerschutzlösungen und hochtechnologischen Haftmitteln spezialisiert, zum Beispiel geht es um Beständigkeit bei großer Hitze, Haftmerkmale in feuchter Umgebung, Zusammenhalt nur schwer kompatibler Materialien, Absorbieren von Dehnung und Schrumpfung bei Kälte und so weiter. Ich entwickele also spezielle Haftmittel für alle möglichen Anwendungen, arbeite an Feuer- und passiver Brandschutzsystemen und habe 2004 anlässlich einer Anfrage von ArcelorMittal in Esch-sur-Alzette mit der Entwicklung von „Firebreak“ begonnen, um eine Brandschutzwand mit vier Stunden Feuerfestigkeit für große Logistikhallen herzustellen. Bis heute wurden gemeinsam mit ArcelorMittal Düdelingen für diese Entwicklung sieben neue Patente angemeldet. Insgesamt habe ich dreizehn Patente. Das jüngste davon ist ein feuersicherer, lichtdurchlässiger Glasfußboden, den ich für LVMH (Moët Hennessy - Louis Vuitton) und deren Projekt „La Samaritaine“ in Paris entwickelte. Es ging hierbei darum, das 105 Jahre alte Gebäude originalgetreu zu restaurieren, dabei aber den neusten Feuerschutzrichtlinien zu entsprechen. Mein Produkt, das weltweit patentiert ist, ist bedeutend leichter, dünner und billiger als die bislang üblichen Glasböden.


www.luxinov.com
www.movedifferent.eu