LUXEMBURG
DANIEL OLY

Luxemburgs erstes Roboterteam ist qualifiziert - und denkt gar nicht erst ans Ausruhen

Dabei sein ist alles! Immerhin kommt es nur selten vor, dass ein derart junges Team eine Qualifikation zu internationalen Wettbewerben auf Anhieb schafft. Gelungen ist das „Luxembourg United“ und seinen Roboter-Kickern trotzdem. Im Januar 2016 gestartet, hat das Team um Prof. Dr. Patrice Caire der SNT-Universität Luxemburg sich inzwischen für die internationalen Wettbewerbe des „RoboCup“ qualifiziert. Das „Journal“ im Gespräch mit der Teamleiterin.

Wann hat sich das Team qualifiziert? Und was heißt diese Qualifikation?

Dr. Patrice Caire Wir haben uns am 20. Dezember letzten Jahres offiziell qualifizieren können und sind seitdem eines der insgesamt 30 Teams weltweit, die sich für eine „RoboCup“-Teilnahme einschreiben konnten. Das ist eine unglaubliche Ehre und zeigt, wie schnell unser doch sehr junges Team gewachsen ist und welche Leistungen wir erbracht haben.

Eins von den 30 Teams zu sein ist schon deshalb eine große Ehre, weil große und renommierte Universitäten mit mehr Erfahrung auch mit von der Partie sind. Bei den „Großen“ mitspielen zu können ist also besonders toll. Dennoch sollte man realistisch sein, denn „Qualifiziert“ heißt bislang nur, dass wir uns unter diesen Teams befinden. Am Haupt-Event des „RoboCup“ in Japan teilnehmen können nur 24 Teams - sechs weitere stehen auf der Warteliste, um einzuspringen. Immerhin: Wir stehen auf Warteplatz drei. Und selten ist es nicht, dass ein Team absagen muss - die Chancen stehen also gut.

Wie lief die Qualifikation? Mussten dafür Testspiele gemacht werden?

Dr. Caire Nein, etliche Matches brauchten wir nicht. Stattdessen meldet man sich bei der Webseite bis zur Deadline am 1. Dezember an und muss dann mit einem wissenschaftlichen Beitrag zeigen, was die eigene Robotermannschaft kann. Das macht man neben einem „Paper“ zusätzlich per Videobeweis; Filmausschnitte die zeigen, wie die Spieler schießen, der Torhüter springt oder derlei Sachen. Das Ganze natürlich möglichst ungeschnitten, damit keine Manipulationen möglich sind. Das Gremium entscheidet dann, wer zugelassen wird, wessen Ausrüstung und Programmierung den Anforderungen entspricht. Zuletzt sollte man auch seine eigene Motivation zeigen; das tun wir beispielsweise, indem wir im Museum Ausstellungen halten oder bei Matches den Schiedsrichter geben - was ganz wichtig ist, weil die ganze Sache freiwillig ist.

Gab es Komplikationen dabei?

Dr. Caire In jedem Jahr gibt es zusätzliche Sonderregeln, um die Zusammenarbeit und den Wettbewerb zu fördern. Sonderregel dieses Jahr war das „mixed Team“, bei dem sich zwei Mannschaften zusammenschließen sollen. Das soll den Austausch von Ideen fördern. Leider waren wir dafür schon zu spät und haben keinen Partner finden können - obwohl wir in Hamburg an einem Workshop, dem „Robotic Hamburg Open Workshop“, kurz RoHOW, teilgenommen haben, bei dem sich einige Teams interessiert gezeigt haben. Glücklicherweise war das nur ein optionaler Teil und keine Verpflichtung zur Anmeldung.

Ansonsten hatten wir mit anderen Regeländerungen zu kämpfen: Der Rasen, auf dem die Roboter spielen, wurde von einem dünnen Filzrasen zu einem Kunstrasen verändert - das warf viele Roboter aus der Bahn, weil sie nicht auf der neuen Oberfläche zurechtkamen. In der Sache hatten wir Glück: Unser sehr guter Algorithmus für das Gehen war in der Lage, mit dem neuen Untergrund klar zu kommen.

Wir taten uns deshalb nicht so schwer damit, dafür hatten wir Probleme mit dem neuen Ball: Der alte Ball war rot und hob sich damit gut vom grünen Rasen ab, weshalb die Kameras der Roboter leicht den Ball identifizieren konnten. Doch jetzt ist er weiß und schwarz - ein normaler Fußball. Das war eine große Umstellung.

Es gab also durchaus große Schritte in der Entwicklung?

Dr. Caire Das kann man so sagen. Die Wahl des richtigen Programmiercodes, die Wahl der richtigen Routinen war dabei immens wichtig. Die Sehfunktion der Roboter, das Erkennen von Objekten und das Gehen auf dem neuen Rasen waren dabei wichtige Schritte, die wir meistern mussten. Dabei ist es sehr lobenswert, dass die Lösung aus unserem Team kam, statt auf externen Code zurückzugreifen. Das zeigt, dass die Teammitglieder wirklich motiviert sind.

Aber auch die Möglichkeit, dass die Roboterspieler dynamisch ihre Aufgaben verwalten können, ist ein wichtiger Schritt: Wenn ihre Batterielaufzeit fast erschöpft ist, wechselt so zum Beispiel ein Stürmer in die Funktion eines Beobachters - und gibt seine Rolle ab. Das heißt auch, dass die Roboter sich selbst verwalten und die einprogrammierten Taktiken spielen können. Dass wir dieses Feature einbauen konnten, war schon etwas Besonderes.

Gab es sonst noch größere Schritte in den letzten Monaten?

Dr. Caire In der Tat: Wir haben jetzt auch endlich unseren eigenen Rasen, unsere eigene Halle zum Spielen in realen Konditionen. Der Rasen musste dabei milimetergenau verlegt werden, damit wir damit zurechtkamen - architektonisch keine leichte Aufgabe. Aber jetzt, wo das erledigt ist, denken wir sogar schon darüber nach, eine größere Halle mit Zuschauerrängen zu bauen - oder eine mobile, damit wir sie mitnehmen können um Showmatches vor Publikum zu spielen. Wer weiß: Vielleicht wird es irgendwann zu einer alltäglichen Sache. Gemeinden haben bereits Interesse bekundet, vielleicht neben ihrem echten Fußball-Feld ein Roboter-Feld zu bauen.

Die Qualifikation bedeutet aber auch: Wir kriegen unsere Roboter günstiger, als sonst. Das heißt, wir könnten das Team vergrößern. Das brauchen wir, wenn wir Showmatches spielen wollen - wir brauchen dann immerhin fünf Spieler pro Mannschaft. Ab und zu müssten die Roboter auch in Reparatur, zudem kann man etwas passieren. Unser Torwart beispielsweise war gut. Zu gut, um heil zu bleiben: Ein Sprung zur Glanzparade hat ihm den Kopf abgebrochen. Jetzt brauchen wir natürlich Ersatz, und die Vergünstigungen sind da natürlich gut.

Was bedeutet das für die Zukunft?

Dr. Caire Durch die Teilnahme sind wir auch schon ein kleiner Ambassadeur für Luxemburg und unsere junge Uni. Für die Liga hingegen ist es toll, ein weiteres Land dazu zu gewinnen. Für die Uni ist es perfekt, weil wir mehrere verschiedene Disziplinen und Sektoren vereinen können - Datenverarbeitung, Mathematik, Programmierung, Robotik. Das ist ein richtiges Kooperationsprojekt, das unsere Uni nochmals international platziert.

Für uns ist der nächste große Schritt eine Teilnahme an den deutschen Spielen, den sogenannten „German Open“ Anfang Mai. Das Haupt-Event findet aber im Juli statt: Vom 27. bis zum 30. Juli laufen die „RoboCuP“-Spiele in Nagoya in Japan. Wir hoffen natürlich, dabei sein zu können, aber der Flug nach Japan ist auch ein logistischer Aufwand. Wir hoffen, dass wir künftig unseren Studenten die Möglichkeit bieten können, ihre Arbeit als Universitäts-Arbeit auch für ihr Studium anrechnen zu lassen.