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Nachhaltige Geschäftsidee: Lösungen gegen Geldwäsche verhelfen CDDS zu globalem Wachstum

Customer Due Diligence Solutions“ (CDDS) wurde 2009 von einigen Partnern aus dem Finanzsektor gegründet. Die Firma beschäftigt sich mit einem wichtigen Thema, das fraglos an Bedeutung gewinnt: Geldwäsche, genauer gesagt, was Finanzinstitute tun können, um die strikter werdenden Vorgaben im Anti-Geldwäsche-Kampf erfüllen zu können.

Philippe Lassine, Sie sind CEO. Wie fingen Sie an?

Philippe Lassine Vor ein paar Jahren stellten wir fest, dass zwar viele Lösungen gegen Geldwäsche existieren, aber nur für große Unternehmen aus dem Finanzsektor. Für kleinere Unternehmen der Finanzbranche war zu der Zeit keine Lösung auf dem Markt, die ihnen helfen würde, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Unser Gedanke war, dass das Vorgehen gegen Geldwäsche nicht nur Namensprüfungen beinhaltet, so wie die großen Akteure das in ihrer günstigsten Lösung betrieben, sondern dass eine umfassende Geldwäscherisiko-Management-Software aufgebaut werden müsste. Und das haben wir dann gemacht und gewannen damit die ersten Treuhänder und Vermögensverwalter als Kunden.

War es kein schwieriger Schritt, dann beim alten Arbeitgeber zu kündigen und die eigene Firma zu führen?

Lassine Es ist sicherlich immer ein Risiko dabei. Die ersten zwei Jahre sind wohl für jedes Startup hart, und die ein oder andere schlaflose Nacht hat auch jeder Unternehmer mal; jeder Start ist schwierig. Man muss sich aber stets auch selbst infrage stellen, und wenn etwas nicht klappt, muss man sich fragen, wieso, und dann eine Lösung dafür finden. Am Anfang lief CDDS für uns auch quasi im Nebenjob, aber wir haben schnell die Gewinnschwelle erreicht und überschritten, bevor wir die ersten Mitarbeiter einstellten. Ganz am Anfang, bis wir die ersten Kunden hatten, war es sogar so, dass wir unsere Programme zu verschenken bereit waren, und keiner wollte sie (lacht). Im ersten Jahr gewannen wir dann aber doch sieben Kunden, jetzt sind es europaweit und darüber hinaus 350. Die Karibik kommt vielleicht dieses Jahr noch dazu. Heute können wir sagen, dass wir außer den Großbanken, die intern verschiedene Lösungen entwickelt haben, die einzigen sind, die vollständig den Compliance Anti-Geldwäscheprozess in einer Software modelliert haben.

Was genau macht CDDS?

Lassine Wir machen AML (Anti Money Laundering) und KYC (Know Your Customer) Computerprogramme, und zwar spezifische Programme für jede Berufsgruppe - für Treuhänder, für Fonds- und Vermögensverwalter, für Banken, für Anwaltskanzleien … Da es von Berufsgruppe zu Berufsgruppe ein bisschen andere Anforderungen gibt, haben wir die Programme maßgeschneidert, um den jeweiligen Anforderungen gerecht zu werden. Die Basis ist aber immer die gleiche: Ich muss meinen Kunden kennen und ihn in eine Risikokategorie einordnen, um ihn effizient kontrollieren zu können, was unsere Programme ermöglichen.

War es schwierig, Kunden zu überzeugen?

Lassine Der Anfang war es schon ein Kampf. Zu zweit, zuerst von der Wohnung aus, zum Telefon zu greifen und versuchen, Termine zu bekommen… Wenn man als kleine unbekannte Firma CDDS gegen Thomson Reuters und Dow Jones antritt, ist es verständlicherweise alles andere als leicht. Ein bisschen wie David gegen Goliath. Wir waren aber froh, dass uns kleine Firmen von Anfang an vertrauten. Nachher kamen große Firmen hinzu, luxemburgische Versicherungsgesellschaften, Banken. So gewannen wir mehr und mehr das Vertrauen des Marktes. Unser Produkt konnte überzeugen und war wettbewerbsfähig: Wir haben nämlich eine vollautomatisierte Lösung erbracht zu dem Preis, wie die Großen nur manuelle Lösungen bieten. Heute sind wir zwölf Mitarbeiter in Luxemburg, wir haben 13 freie Mitarbeiter, die für uns arbeiten, haben ein Büro in Malta, eine Niederlassung in der Schweiz, Verkäufer in Zypern und in Singapur. So konnten wir uns vergrößern, weil auch zeitgleich das Thema Geldwäsche an Bedeutung gewann. Anfangs gab es nur wenig Druck der Behörden auf Kleinunternehmen in der Schweiz, in Liechtenstein oder Malta, was das Thema Geldwäsche anbelangt. Als international die ersten Vorgaben gegen Geldwäsche sich verschärften, haben Banken, die auch die nötigen Ressourcen haben, diese umgesetzt, und die Anbieter von entsprechender Software haben sich auch nur auf Großunternehmen wie Banken und Versicherungen konzentriert. Die Kleinen wurden außer Acht gelassen, obwohl sie die gleichen Verpflichtungen haben.

Die gesetzlichen Vorgaben sind demnach Ihre besten Verkäufer?

Lassine (schmunzelt) So könnte man es fast sagen. Wobei wir hier in Luxemburg, einem internationalen Standort von Private Banking, in einer idealen Umgebung sind. Und das, was wir in Luxemburg schon seit 20 Jahren bei Anti-Geldwäschevorgaben kennen, diesen Druck, das spüren jetzt auch andere. Wir haben das modelliert, damit jeder Treuhänder oder Vermögensverwalter für jeden einzelnen Kunden das Risiko errechnen und den Behörden nachweisen kann, dass er seinen Verpflichtungen nachkommt und seine Kunden effizient überwacht.

Wie Sie sich vergrößerten, zeigt, dass Sie das Richtige anbieten. Das qualifizierte Personal zu finden, ist aber nicht leicht?

Lassine Nein, zumal die Anforderungen, die wir haben, sehr spezifisch sind. Wir müssen das Know How bringen, das die Kunden brauchen. Aber auch, dass wir expandieren, war von Anfang an in unserem Businessplan festgeschrieben. Rezent haben wir eine Partnerschaft mit LexisNexis, einem führenden Anbieter von Fachdatenbanken, geschlossen und bekommen mehr und mehr internationale Anfragen, beispielsweise aus Finnland oder Brasilien. Und auch in Luxemburg wächst der Markt, ob mit Bitcoin oder mobilen Bezahldiensten: Auch für die bieten wir das Know How, Anti-Geldwäschevorgaben umzusetzen.