LUXEMBURGPATRICK VERSALL

Giovanni Zazzera ist der aktuelle Laureat des „Lëtzebuerger Danzpräis“

Sportler und Tänzer kämpfen, mehr noch als jeder andere, tagtäglich gegen den körperlichen Zerfall: Ihr Körper ist ihr Kapital, ein Kapital, das im Laufe der Zeit an Wert verliert. Giovanni Zazzera, 31, Tänzer und aktueller Laureat des „Lëtzebuerger Danzpräis“, machte seine Berufung vergleichsweise spät zu seinem Beruf: Vor drei Jahren schmiss er seinen Job bei einem Mobilfunkanbieter und entschied sich dazu , sein täglich Brot im Tanzmilieu zu verdienen. Er habe, so der Tänzer, irgendwann eine Entscheidung treffen müssen, „sonst wäre ich wohl auf immer und ewig ein Hobbytänzer geblieben.“

Zazzera ist der lebende Beweis dafür, dass Disziplin der Schlüssel zum Erfolg sein kann: Wenn seine ehemaligen Arbeitskollegen Mittag machten, packte der einstige Amateurtänzer Zazzera seine Sporttasche und fuhr zum Tanzunterricht.

Klare Botschaft

Der Spätstarter in Sachen „professioneller Tanz“ war sich von vornherein der Risiken bewusst, die seine Entscheidung mit sich bringen würde. Je später man nämlich ins Profimilieu wechselt, umso schneller stößt man auch an sein körperliches Limit. Ihm sei klar gewesen, dass er zweimal mehr arbeiten müsste, als seine Kollegen, um ein gewisses Niveau zu erreichen. Zazzera kneift seit drei Jahren den Allerwertesten zusammen, setzt alles auf eine Karte. Der Erfolg gibt ihm Recht; er genießt den Moment, ruht sich jedoch keinesfalls auf seinen Lorbeeren aus. Den „Danzpräis“ betrachtet er als eine klare Botschaft, als Ansporn, jenen Weg weiter zu beschreiten, den er vor drei Jahren betreten hat. Tanz sei wie eine Liebesbeziehung, in die man jeden Tag investieren muss.

Ein erstes Mal mit der Tanzkunst in Berührung kam der junge Luxemburger als Jugendlicher am Technischen Gymnasium in Petingen, wo er als Schüler Mitglied in einer Amateurtruppe war. Seine Eltern arbeiteten von früh bis spät, so dass der Schüler seine freie Zeit außerhalb der Schulstunden eigenhändig gestalten musste. Zazzera schnupperte damals an mehreren Sportarten und blieb schlussendlich beim Tanzen hängen. Mit Anfang 20 schrieb er sich am hauptstädtischen Konservatorium ein, lernte u.a. klassischen und zeitgenössischen Tanz. Je mehr er seine Passion auslebte, umso klarer wurde ihm, dass er irgendwann Profi werden würde. Im Laufe der Jahre lernte er die Mechanismen des Tanzmilieus kennen, stieß die Tür zur professionellen Karriere immer weiter auf.

Ausbildung in Südamerika

Als er seinen Job in Luxemburg schmiss, schrieb er sich nicht etwa an einer renommierten Hochschule an, um Tanz zu studieren, sondern packte seine sieben Sachen samt Notgroschen und flog nach Brasilien. Durch einen Choreografen war er auf ein paar Top-Tanzschulen am Zuckerhut gestoßen, wo er neue Aspekte der Tanz-Kunst kennen lernen konnte. Im südamerikanischen Land besuchte er Kurse, arbeitete in zwei Tanzkompanien und unterrichtete auch eine Weile als Tanzlehrer.

Er setzte dann seine Ausbildung in New York fort, anschließend ging es nach Paris. In der Stadt der Lichter wurde er für einige Tanzspektakel engagiert, übernahm die Hauptrolle in der Produktion einer Jazz-Tanzkompanie. Nach einem Abstecher nach Israel, wo er die Gaga-Trainingsmethode studierte und einem Aufenthalt in Warschau kehrte er ins Großherzogtum zurück, wo er u.a. in Produktionen des „Centre de Création Chorégraphique Luxembourgeois Trois C-L“ mitwirkt und Tanzunterricht an privaten Tanzschulen hält.