LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Die Europäische Investitionsbank unterzeichnet das fünfte Abkommen mit Luxemburg über 3,6 Millionen Euro für Mikrofinanz-Projekte in Afrika, der Karibik und dem Pazifik

Strahlende Gesichter gestern bei der Europäischen Investitionsbank (EIB): Dort wurde das fünfte „Memorandum of Understanding“ zwischen dem Großherzogtum und der EIB über die Finanzierung von technischen Hilfsprogrammen im Rahmen von Mikrofinanzprojekten unterzeichnet. „Das ist in zehn Jahren bereits die fünfte Absichtserklärung, also ein symbolischer zehnter Geburtstag“, freute sich EIB-Chef Werner Hoyer. Durch die Unterschriften von Hoyer, Finanzminister Pierre Gramegna und Entwicklungsminister Romain Schneider können 3,6 Millionen Euro in Afrika, der Karibik und in Pazifikstaaten investiert werden. Diese Länder werden als ACP-Länder bezeichnet. Der Effekt der Investitionen ist allerdings weitaus größer und wird von den Fachleuten mit rund einer Milliarde Euro veranschlagt.

11,7 Millionen Euro in zehn Jahren

In den vergangenen zehn Jahren flossen insgesamt 11,7 Millionen Euro in knapp 50 Mikrofinanz-Projekte in den ACP-Ländern, die durch dieses 2006 vom damaligen Finanzminister Luc Frieden und dem damaligen EIB-Präsidenten Philippe Maystadt initiierte Abkommen mobilisiert wurden. „Auch Länder außerhalb der Region wie Afghanistan, Pakistan, Tunesien und Palästina profitierten davon“, unterstrich Hoyer.

Als Beispiele für erfolgreiche Projekte nannte Hoyer das Hilfegesuch der „Access Bank Liberia“ im Jahr 2014, als Ebola das westafrikanische Land erschütterte. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Bank 450 Mitarbeiter, die immerhin für 150.000 Kunden mit einem Guthaben sowie 18.000 Gläubiger - davon 60 Prozent Frauen - zuständig waren. Die Luxemburgische Regierung stellte die Funktionsfähigkeit der Bank sicher; mittlerweile befindet sich die Bank wieder in der Gewinnzone. Ein Teil des Geldes wurde für Informationskampagnen über Hygiene beim Empfang von Kunden verwendet.

Ein Fall aus Tunesien

Ein weiteres Beispiel ist „Advans Tunisie“, deren Projektträger in Luxemburg eingetragen ist. „Durch die relativ geringe Unterstützung in Höhe von 100.000 Euro konnte Advans das Geschäft ausbauen und hat jetzt 2.500 Kunden im Land. Somit bleibt es ein Hoffnungsträger in einer volatilen Region“, unterstrich Hoyer. In seinen Augen profitieren besonders kleine und mittlere Unternehmen in den ACP-Ländern von dem Programm. „Da Luxemburg sehr stark beim Thema Mikrofinanz ist, sind wir besonders froh, dass die Regierung des Landes mit der EIB zusammenarbeitet“, freute sich Hoyer.

Finanzminister Gramegna präzisierte, dass drei Millionen Euro für das neue Abkommen vom Finanzministerium kommen und weitere 600.000 Euro vom Entwicklungshilfeministerium. „Das neue Programm hat drei Neuheiten. Es legt den Fokus auf Erziehung, junge Unternehmer und Innovation“, erklärte er. Für Minister Schneider steht der Kampf gegen Armut an erster Stelle. Das hat oft überraschende Effekte wie ein Projekt für digitale Finanz in Äthiopien oder mobile banking in Kenia zeigen. Derzeit kann rund die Hälfte der Anfragen positiv beantwortet werden. Alle Projekte werden auf ihren Erfolg überprüft.