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„Der deutschsprachige Markt in Luxemburg“: Deloitte präsentiert Neuauflage

Von den derzeit in Luxemburg aktiven 143 Banken kommen die meisten, nämlich 30 an der Zahl, aus Deutschland. Die Schweiz besetzt mit insgesamt zwölf Bankhäusern den dritten Rang. Gemessen am Anteil des verwalteten Nettofondsvermögens liegen deutsche Fonds-Promotoren mit 14,8 Prozent bei der Auflage von Fonds in Luxemburg hinter den USA (22,5 Prozent) und Großbritannien (16,4 Prozent) auf dem dritten Platz. Die Schweiz belegt Rang 4 mit 14 Prozent. Das zeigt, wie wichtig der deutschsprachige Markt für die luxemburgische Wirtschaft ist und bewog die Beratergesellschaft Deloitte, nach der ersten erfolgreichen Ausgabe „Der deutschsprachige Markt in Luxemburg“ gestern auf einer Konferenz die zweite Auflage der Broschüre zu präsentieren. Ruth Bültmann, Partner bei Deloitte Luxemburg und Leiterin der Aktivitäten für den deutschsprachigen Markt, erklärt: „Im Vergleich zum letzten Jahr, in dem der Fokus im Wesentlichen auf Deutschland lag, beleuchten wir in diesem Jahr zusätzlich die Wirtschaftsbeziehungen Luxemburgs zu Österreich und der Schweiz.“ Die Studie begleitet mit zahlreichen Interviews und Gastbeiträgen Trends, Entwicklungen und Herausforderungen am Markt.

Wichtige Partner mit kleinen Unterschieden

Insgesamt, so geht aus der Informationsbroschüre hervor, ist Deutschland weiterhin Luxemburgs wichtigster Handelspartner. Aber auch für die Schweiz und Österreich hat Luxemburg einen ausgesprochen hohen Stellenwert. So ist das Großherzogtum beispielsweise für Österreich nicht nur ein vielversprechender Markt, sondern auch einer der größten ohne eigene Präsenz der Wirtschaftskammer. Österreichische Firmen gibt es zwar nach wie vor wenige in Luxemburg, wie Thomas Oberreiter, Österreichischer Botschafter in Luxemburg, zugibt. Die wenigen, die hier engagiert sind, können aber auf eine Erfolgsstory verweisen, wie zum Beispiel die Firma Plansee, die eine Beteiligung von 50 Prozent am luxemburgischen Unternehmen Ceratizit hält. Dass im Gegensatz zu Schweiz und Deutschland die Österreicher das Großherzogtum noch wenig auf dem Radar haben, wenn es um Wirtschaft geht, könnte auch an einer banalen Unkenntnis einen Grund haben: „So wissen zum Beispiel viele Österreicher nicht, dass Luxemburg ein deutschsprachiges Land ist“, wie Oberreiter in der Deloitte-Broschüre zitiert wird. „Ich vermittele immer in Österreich, dass Luxemburg ein deutschsprachiges Land ist. Denn der erste Reflex ist immer französischsprachig.“ Der Stellenwert Luxemburgs ist für alle drei deutschsprachigen Länder ausgesprochen groß, und was luxemburgische Exporte anbelangt, belegt Österreich immerhin Platz 10/11. Trotz der Entfernung ist Österreich somit ein wichtiger Handelspartner. „Die Wirtschaftsbeziehungen können weiter ausgebaut werden“, bekräftigt indes Oberreiter.

Interessant ist ferner, dass die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Luxemburg und den deutschsprachigen Ländern jeweils ihre Eigenart haben. So spielt beim Handel mit der Schweiz der Dienstleistungsbereich eine bedeutende Rolle und bezifferte sich 2013 auf knapp neun Milliarden Euro, während der Warenverkehr hier abgesehen von Schweizer Käse, Rivella und Schokolade eher gering ist, mit Deutschland hingegen ist er recht hoch: Im Jahr 2013/2014 belief sich der Warenaustausch auf knapp acht Milliarden Euro. Damit ist Deutschland, der wichtigste Handelspartner Luxemburgs.

Das zweite Halbjahr 2015 wird durch Luxemburgs Präsidentschaft der EU geprägt. Die Schweiz erhofft sich laut Deloitte davon, dass verschiedene Themen vertieft werden können, vor allem in Bezug auf die Beziehungen der Schweiz mit der EU. Und was den bilateralen Handel angeht, findet Urs Hammer, Botschafter der Schweiz in Luxemburg, ohnehin, dass es noch viel Ausbaupotenzial gibt, zumal „in den Bereichen Logistik, Energie und nachhaltiges Bauen.“

Luxemburg entdeckt den deutschsprachigen Markt

Um die 400 Unternehmen gibt es in Luxemburg, die unter einer deutschsprachigen Leitung beziehungsweise. einer deutschsprachigen Muttergesellschaft stehen. Und da ist man noch lange nicht am Ende angelangt. Im Juni 2014 hat auch die deutsche Firma Haribo sich in Luxemburg niedergelassen und das Heimwerkerunternehmen „Bauhaus“ wird 2015 in Mamer eröffnen.

„Die Zusammenarbeit zwischen deutschen und luxemburgischen Unternehmen kann man sicherlich als hervorragend bezeichnen“, resümiert Fedil-Direktor Nicolas Soisson. Galt bislang Luxemburg vor allem für deutsche Mittelstandunternehmen aus der Großregion als interessanter Standort, erkennen inzwischen auch luxemburgische Unternehmen den Markt in der Region, und so hat die Post heute schon „mehrere internationale Aktivitäten und auch viele Kunden in Deutschland“, so Jean-Marie Spaus, Direktor, Post Telecom. Die luxemburgische Post ist auch in einem deutschen Datenzentrum in Frankfurt vertreten.
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