LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Bilanz 2018: Film Fund Luxembourg blickte auf positives Jahr zurück

Der Jahresbericht 2018 des „Fonds national de soutien à la production“ (Film Fund) war bei der Pressekonferenz am Montag etwas in den Hintergrund getreten. Besonders interessierten sich die Medienvertreter an diesem Tag nämlich für das Audit über die Filmförderung, das in den vergangenen Wochen aufgrund fehlender Erklärungen hohe Wellen geschlagen hatte (wir haben berichtet). Letztlich hatten vergangene Berichterstattungen mancher Presseorgane und die Kritik der Oppositionsparteien dafür gesorgt, dass sich auch innerhalb der Bevölkerung Unmut über die staatliche Zuwendung in Millionenhöhe breit machte, vor allem da auch noch von Irregularitäten und Missbräuchen die Rede gegangen war. Wohl auch deshalb war es dem Direktor des Film Fund, Guy Daleiden, am Montag bei der Vorstellung der Bilanz 2018 so wichtig, zu unterstreichen, dass man stets streng kontrolliert werde.

Wie jedes Jahr sei der Jahresbericht beziehungsweise die Finanzbewegungen bereits einem finanziellen Audit unterzogen worden, die Bilanz sei vom Verwaltungsrat akzeptiert worden, sei danach an den Regierungsrat gegangen, der Bericht werde auf der Webseite des Film Fund sowie im Memorial veröffentlicht und er gehe wie jedes Jahr an die „Chamber“, an die „Inspection générale des finances“ (IGF) und den Rechnungshof, listete Daleiden eingangs auf.

Über 36 Millionen Euro für Filmprojekte

122 Anfragen auf sogenannte „Aides financières sélectives“ (AFS) sind 2018 beim Film Fund eingegangen und von den Mitgliedern des „Comité de sélection“ begutachtet worden. . Davon wurden zwölf „aides à l‘écriture et/ou développement“ für eine Gesamtsumme von 390.000 Euro und 34 „aides à la production“ für ein Total von 35.810.444 Euro bewilligt. Hinzu kommt eine Beihilfe, die unter dem Namen „Carte Blanche“ geführt werden: 2018 waren es hier zwölf Projekte für 322.5000 Euro. Außerdem wurden acht „aides aux auteurs“ für 72.500 Euro zugestanden, 26 „bourses“ für 36.491 Euro ausgezahlt und 13 weitere Subsidien für 119.018 Euro. Die „aides à la promotion“ ließ man sich 253.682 Euro kosten (18 Projekte). Noch dazu wurde die Realisierung von fünf Musikclips mit 40.803 Euro bezuschusst. Für die Partnerschaft zwischen dem Film Fund und dem „Fonds des médias du Canada“ wurden 281.239 Euro (fünf Projekte) ausgegeben.

Um zu erklären, warum der Filmfonds jedes Jahr mehr Geld ausgibt, als er eigentlich an Budget zur Verfügung hat, wurde ein neues Kapitel in den Jahresbericht eingebaut. „Diese Frage kommt immer wieder auf. Der Grund sind die sogenannten
,extournes‘, das sind die Gelder, die an den Film Fund zurückfließen, weil Projekte nicht realisiert wurden. Wir kontrollieren, ob das Geld, das der Produzent zur Realisierung eines Projekts bekam, auch nach den gesetzlichen Regeln im Filmsektor ausgegeben wurde. Ist dies nicht der Fall, müssen die zugestandenen Beihilfen natürlich zurückgezahlt werden“, erklärte Daleiden. Im Jahr 2018 waren dies über vier Millionen Euro (13 Projekte).

Werbung für den Sektor im Ausland

Eine weitere wichtige Aufgabe des Filmfonds sei die Promotion des luxemburgischen Filmsektors und seiner Leute. „Deshalb sind wir bei den verschiedenen Filmfestivals präsent und vergeben ,aides à la promotion‘, um dabei zu helfen, dass unsere Filme und Koproduktionen auch außerhalb Luxemburgs gezeigt werden. Die Erfolge des Jahres 2018 können sich sehen lassen“, sagte Daleiden. Besonders hervorheben kann man beispielsweise den Animationsfilm „The Breadwinner“ (Melusine Productions), der zahlreiche Preise gewonnen hat. Auszeichnungen in unterschiedlichen Kategorien gab es darüber hinaus für „Gutland“, „Tel Aviv on Fire, „Noces“, „Funan“, „Luis and the Aliens“ oder auch noch „Murer“.

Alle Erwartungen übertroffen hat wohl „Superjhemp Retörns“ (Samsa Film), der mit über 60.000 Besuchern als erfolgreichster Film aller Zeiten in die Geschichte des luxemburgischen Kinos eingegangen ist. Einen immensen Erfolg feierte letztes Jahr auch die von „Iris Productions“ koproduzierte Serie „Bad Banks“, die durch die ganze Welt verkauft wurde und ebenfalls mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet wurde. Auch die zweite Staffel wurde vom Film Fund finanziell unterstützt und wird demnächst von ARTE sowie ZDF ausgestrahlt.

Apropos ARTE, mit dem TV-Sender hat der Film Fund vor anderthalb Jahren ein Abkommen unterzeichnet. „Diesbezüglich gab es eine große Nachfrage im Sektor, um letztlich Luxemburger Regisseuren und Produzenten die Mitarbeit an verschiedenen ARTE-Produktionen zu ermöglichen. Erste Initiativen sind in diesem Jahr zustande gekommen“, informierte der Filmfonds-Direktor. Darüber hinaus sei die Zusammenarbeit mit „RTL Lëtzebuerg“ weiter vertieft worden. Der Bereich „Virtual reality“, für den man beim „Luxembourg City Film Festival“ mit zunehmendem Erfolg verantwortlich zeichne, werde ebenfalls ausgebaut und bei der nächsten Auflage vom „Casino Luxembourg“ ins Kulturzentrum neimënster verlagert.

Insgesamt blickte der Direktor des Film Fund am Montag mit größter Zufriedenheit auf das vergangene Jahr zurück. „2018 liefen so viele luxemburgische Filme oder Koproduktionen in unseren Kinos wie nie zuvor, nämlich 16. Noch dazu haben wir auch bei renommierten Festivals im Ausland so viele Filme gezeigt wie nie zuvor“, bemerkte er abschließend.