LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

„Willkommen, Bienvenue, Wëllkomm!“: neue Bühnenproduktion für die Allerkleinsten

Willkommen, Bienvenue, Welcome… Bei diesen drei Wörtern in genau dieser Reihenfolge dürfte manchem Leser unweigerlich der Titelsong aus dem Musical „Cabaret“ in den Kopf steigen und dort als Ohrwurm den ganzen Tag über hängen bleiben. Kinder dagegen werden wohl kaum eine solche Assoziation machen, wenn sie die neueste Kreation in den Rotondes besuchen. „Willkommen, Bienvenue, Wëllkomm!“ ist der Name eines musikalischen Spektakels für die ganz Kleinen ab zwei Jahren, inszeniert von Ania Michaelis. Nur wenige Sprachkenntnisse sind erforderlich, um der Geschichte folgen zu können und sich von der Handlung und den Gesangseinlagen der drei Protagonisten mitreißen zu lassen.

Citronella, Lemonova und Monsieur Citron

Milla Trausch, Elsa Rauchs und Jean Bermes sind Citronella, Lemonova und Monsieur Citron. Ja, in der Tat, in diesem Theatermusical, das in der Black Box gespielt wird, geht es um drei Zitronen. Sie sind Nachbarn. Jeder der drei lebt isoliert in seinem Haus, angedeutet durch einen Lichtkegel, der im dunklen Vorstellungsraum von der Decke auf den schwarzen Boden fällt. Das Spiel mit Licht und Schatten spielt ohnehin eine große Rolle in dem Stück, das zudem in den Bereich des Objekttheaters fällt und definitiv eine gute - und vor allem kleinkindgerechte - Mischung bietet. Holzkästen werden zu Klanginstrumenten, ein Seil zum Telefon, und die Zitronen dienen als Ausdrucksmittel für Emotionen. Natürlich finden Citronella, Lemonova und Monsieur Citron, nach einer kurzen Reiberei zwischendurch, am Ende doch noch zusammen und gehen gemeinsam auf Reise. Es geht demnach um Themen, mit denen sich bereits die ganz Kleinen identifizieren: Manchmal fühlen sie sich alleine oder ausgestoßen, dann gehen sie aufeinander zu und spielen miteinander.

Das Musiktheaterstück kommt ohne viele Worte aus, und wenn doch kurze Sätze gesprochen werden, sind diese noch dazu mehrsprachig: Deutsch, Luxemburgisch, Französisch, Englisch und außerdem eine Fantasiesprache kommen zum Einsatz. „Willkommen, Bienvenue, Wëllkomm!“: das sind 40 erfrischende Minuten voller Witz. Nicht nur die Allerkleinsten werden ihren Spaß haben, sondern auch die erwachsenen Begleiter. Letztlich geht es um die Suche, ums Ankommen und Aufbrechen, um die Sehnsucht nach Freundschaft und Geborgenheit sowie um die Neugier auf Neues.

Protagonisten, die sichtlich Spaß haben

Alle drei Protagonisten haben sichtlich Spaß an dem, was sie tun. Während Jean Bermes und Milla Trausch schon viel Erfahrung mit jungem Publikum haben, ist es für Elsa Rauchs das erste Mal. Die Begeisterung ist aber auch ihr anzumerken. „Es ist jedes Mal anders, man weiß nie, wie die Kinder reagieren. Meist sind sie ganz fasziniert, andere Male reagieren sie überhaupt nicht auf das, was witzig gedacht ist, und manchmal bleiben sie nicht auf den vorgesehenen Plätzen sitzen. Es hängt auch davon ab, wie alt sie sind. Ein Jahr mehr oder weniger macht da schon einen riesigen Unterschied“, erzählt sie lachend.

Für die Regisseurin macht es eigenen Aussagen nach keinen großen Unterschied, ob man nun ein Stück für kleinere Kinder oder Erwachsene inszeniert. „Die Arbeit ist gar nicht so anders“, sagt Ania Michaelis. Immer gehe es darum, etwas zu finden, was sowohl die Spieler als auch die Zuschauer zutiefst interessiere. „In diesem Stück geht es etwa um eine Situation, die sowohl Kinder als auch Erwachsene kennen: dieses Gefühl, ausgeschlossen zu werden, nicht dazuzugehören, auf dem Spielplatz, im Kindergarten, auf dem Arbeitsplatz, in der Beziehung… Die Herausforderung liegt darin, Bilder zu finden, die so einfach sind oder so generell gültig, dass jeder sie auf seine Weise versteht“, erklärt sie uns und fügt hinzu, dass Theater für Kinder keineswegs nur „Tri-Tra-Trulala“ sei. Vielmehr soll Raum für Fantasie, aber ebenso für eine ganz grundsätzliche Beschäftigung mit der Welt geschaffen werden.

Kleines Expertenpublikum

Die Herausforderung für die Schauspieler darf man derweil nicht unterschätzen. „Kinder sind das genaueste Publikum überhaupt. 24 Stunden am Tag sind sie mit der Welterfassung beschäftigt. Manchmal sitzen sie da wie ein kleines Expertenpublikum, ganz ernst, und mit ihrem ganzen Körper damit beschäftigt, das zu verstehen, was sie vor sich sehen. Sie interpretieren nicht wie die Erwachsenen, sondern schauen einfach ganz genau hin, was passiert“, meint Michaelis. Dass gleich mehrere Sprachen in „Willkommen, Bienvenue, Wëllkomm!“ gesprochen werden, ist natürlich kein Zufall, wie die Berliner Regisseurin erklärt: „Zum ersten Mal habe ich längere Zeit in Luxemburg verbracht, und jedes Mal, wenn ich durch die Straßen in die Rotondes komme, höre ich unterwegs unzählige verschiedene Sprachen. Das finde ich toll. Das ist wirklich ganz speziell, anders noch als in anderen großen Städten wie Brüssel, Amsterdam oder auch Berlin. Das Sprachgemisch ist viel größer, sogar im Gespräch wechseln die Menschen die Sprache. Das hat mich total fasziniert“.

Warum ausgerechnet Zitronen zum Einsatz kommen, wollten wir im Gespräch mit der Regisseurin natürlich auch noch wissen. Lachend gibt sie zu, dass es eine Weile für diese Entscheidung gebraucht habe, bei der schließlich Audrey Dero, die sich im Objekttheater bestens auskennt, behilflich war. „Tatsächlich hatten wir auf einem riesigen Tisch alle möglichen Objekte vor uns ausgebreitet, zum Schluss sind dann drei Zitronen übrig geblieben“, schmunzelt sie.

Die Vorstellungen in den Rotondes und im CAPE sind bereits restlos ausverkauft. Weitere Termine sollen aber folgen.