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SIMONE MOLITOR

In der Rockhal wurde Bilanz gezogen - und ein neuer Barbereich vorgestellt

Die wenigsten dürften den eigentlichen Namen der Rockhal kennen: „Centre de Musiques Amplifiées“ (CMA). Dahinter wiederum stecken die beiden „brand names“ Rockhal und Rocklab. „Jeder der beiden Namen ist an eine bestimmte Aktivität gekoppelt. Die Rockhal, das ist in der Tat der Konzertsaal, in dem wir ein abwechslungsreiches kulturelles Angebot bieten, oft von uns selbst produziert, den wir aber auch für Produktionen anderer Veranstalter zur Verfügung stellen. Das Rocklab dagegen ist eher ein Inkubator und ein Beschleuniger für die lokale Musikszene. Dort werden einerseits junge luxemburgische Talente begleitet, die eine Professionalisierung anstreben, andererseits aber auch etablierte Künstler unterstützt, die ein nächstes Level erreichen und den internationalen Durchbruch schaffen wollen“, erklärte Luc Henzig, Präsident des Verwaltungsrats, bei der Bilanzpressekonferenz am Mittwochnachmittag.

Unterstützung lokaler Talente

Etwas mehr als 10 Millionen Euro Umsatz hat die Rockhal im Jahr 2018 durch Ticketverkäufe oder Saalvermietung gemacht. Mit 2,6 Millionen Euro wird das CMA vom Kulturministerium unterstützt, die größtenteils in die Aktivitäten des Rocklab fließen. „Dieses Geld wird demnach zur Verfügung gestellt, um das Aufblühen musikalischer Talente im Rock-Bereich hier in Luxemburg zu fördern“, unterstrich Henzig. Das Geld reiche lediglich, um die Gehälter der Rocklab-Mitarbeiter zu decken. „Deshalb ist es so wichtig, gewisse Umsätze mit Gewinnmarge zu machen, sonst könnten wir die Fixkosten nicht begleichen. Durch die kommerzielle Aktivität bekommen wir das nötige Budget für die Förderung der luxemburgischen Musiker“, gab er zu bedenken. Insgesamt konnten 2018 bei den diversen Veranstaltungen in der Rockhal 254.786 Besucher gezählt werden. Mit rund 2.000 mehr rechnet Direktor Olivier Toth in diesem Jahr. Fast die Hälfte des Publikums kam aus Luxemburg, gefolgt von Frankreich (19 Prozent), Deutschland (16 Prozent) und Belgien (13 Prozent). „Immerhin noch 3 Prozent stammen aus anderen Ländern. Das ist sehr interessant, immerhin ist dies eine Bestätigung unseres Programms, wenn sogar Leute zu Konzerten anreisen, die nicht aus Luxemburg oder der Großregion kommen“, meinte er.

200 Veranstaltungen pro Jahr

Im Angebot auf den verschiedenen Bühnen der Rockhal waren letztes Jahr 201 Veranstaltungen (davon 106 Konzerte) und 206 in diesem Jahr (davon 124 Konzerte). „Was uns sehr stolz macht, ist die Zahl der lokalen Künstler und Bands: 2018 waren es 70 und 2019 sogar 103, was ein neuer Rekord ist“, freute er sich. Ein Teil von ihnen spielte als Vorgruppe bei großen Stars, so etwa Porn Queen bei Slash oder auch noch Rapper Maz bei Nicki Minaj. „Auch lokalen Formationen ist es übrigens schon gelungen, im ausverkauften Rockhal-Club zu spielen“, so Toth.

Drei Bühnen stehen derweil in der Rockhal zur Verfügung. Neben der „Main Hall“ mit einer Kapazität von 6.500 Besuchern wären da noch der Club mit einem Fassungsvermögen von 1.200 Leuten und eine dritte Bühne im ersten Stockwerk für punktuelle Veranstaltung. „Diesen akustisch nicht isolierten Saal müssen wir dringend neugestalten“, meinte Henzig, „wir müssen demnach weiter in das Haus investieren, um die Infrastrukturen zu verbessern und ein noch bedeutenderes Kulturangebot bieten zu können“, so der Präsident.

Reaktion auf Kritik an manchen Shows

In der Presse sei man wegen mancher Shows kritisiert worden, die in der „Main Hall“ über die Bühne gingen, von „Tutu-Sall“ sei die Rede gegangen. „Es gibt Gründe, warum wir eine gewisse Anzahl solcher Produktionen in unserem Programm haben. Es sind Projekte von anderen Veranstaltern, die unseren Konzertsaal mieten. Es gibt ja auch Perioden, in denen Flaute herrscht, in denen die Musiker nicht unterwegs sind und in denen der große Saal ansonsten leer stehen würde. Immerhin ist es aber eine der wichtigsten Veranstaltungshallen Luxemburgs. Abgesehen von der Coque könnte niemand über 6.000 Leute empfangen“, bemerkte Henzig.

Schnelleres Bierzapfen

Gestern wurde indes auch der neue, innovative Barbereich in der Eingangshalle vorgestellt. Im Keller der Rockhal befinden sich zwölf Tanks mit einem Fassungsvermögen von jeweils 1.000 Litern Bier oder Soft. Diese werden über Leitungen direkt in die verschiedenen Bereiche geleitet, in denen Getränke verkauft werden, sodass das umständliche Anschließen von Bierfässern etwa überflüssig wird. Im Barbereich wiederum befinden sich drei Getränkeinseln mit Zapfhähnen, die per Knopfdruck gleichzeitig vier Becher mit Bier oder Softdrinks befüllen können. Damit soll der Arbeitsfluss erleichtert und schneller werden. „Den Stresstest hat die neue Bar bereits bestanden. Beim Konzert von Volbeat waren 6.500 Leute hier, die alle großen Durst hatten. Maximal mussten sie drei Minuten anstehen“, berichtete Toth zufrieden.

In einem kommenden Artikel werden wir detaillierter auf die Bilanz des Rocklab eingehen.