LUXEMBURG
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Patrick Sanavia vom „Service des sites et monuments“ zum Umgang mit dem kulturellen Erbe

Auf Initiative der Denkmalschutzbehörde fand am Mittwoch eine Konferenz zum Thema „Reconstruction et mise en valeur du patrimoine féodal et fortifié“ im Museum „Dräi Eechelen“ auf Kirchberg statt. Rund 150 Experten aus dem Bereich der Denkmalpflege und des -schutzes fanden sich hier ein, um Vorgehensweisen zu diskutieren und die Lage zu sondieren.
Basis für das Handeln der Denkmalschützer ist die Charta von Venedig, wie auch Patrick Sanavia, Direktor des „Service des sites et monuments“, ausführt.
In Artikel 1 heißt es dazu: „Der Denkmalbegriff umfasst sowohl das einzelne Denkmal als auch das städtische oder ländliche Ensemble (Denkmalbereich), das von einer ihm eigentümlichen Kultur, einer bezeichnenden Entwicklung oder einem historischen Ereignis Zeugnis ablegt. Er bezieht sich nicht nur auf große künstlerische Schöpfungen, sondern auch auf bescheidene Werke, die im Lauf der Zeit eine kulturelle Bedeutung bekommen haben.“

Oft unterschiedliche Auslegungen

Entsprechend stolz ist Sanavia, dass man eine solche Konferenz mit renommierten Referenten nach Luxemburg holen konnte. „Und wir sind froh, dass wir auch einiges präsentieren können“, sagt der Direktor. So seien in den Jahren 2008 bis heute eine Reihe von Projekten bezüglich der Luxemburger Burgen und Schlösser angelaufen. „Unsere Generation kann zeigen, wie wir mit unserem kulturellen Erbe umgehen“, sagt Sanavia. Natürlich sei hier Schloss Vianden als quasi das Vorzeigeobjekt im Großherzogtum zu nennen, „es ist ja ein absoluter Touristenanziehungspunkt mit rund 200.000 Besuchern im Jahr“, sagt Sanavia.
Wenn man sich die Charta von Venedig anschaut, so vermitteln die Denkmäler der Gegenwart eine geistige Botschaft der Vergangenheit, es „sind lebendige Zeugnisse jahrhundertelanger Traditionen der Völker“, wie auch Sanavia unterstreicht. Inhaltlich geht es so in der Charta von Venedig um „grundlegende Werte sowie Vorgehensweisen mit Blick auf die Konservierung und die Restaurierung von Denkmälern“, sagt Sanavia.
Doch viele Denkmäler, wie sie sich heute teilweise präsentieren, sind eben nur ein Trugbild der Vergangenheit. „Früher - und auch teilweise noch heute - hat man unterschiedliche Ansichten gehabt, was man wie erhalten sollte“, erklärt Sanavia. Und gibt das Beispiel Carcassone. „Die Cité von Carcassonne ist eine mittelalterliche, auf einem Hügel der Altstadt von Carcassonne,  im Süden Frankreichs gelegene Festungsstadt. Um ihren Wiederaufbau hat sich Eugène Viollet-le-Duc sicherlich sehr viele Verdienste gemacht. Nur er sagte sich: ‚Ich baue besser als die damals‘.“ Ob das dann das richtige Verständnis sei, sei die Frage. Denn für den Luxemburger Denkmalschützer gilt: „Erhalten, nicht simulieren. Wenn wir nicht wissen, wie es früher aussah, dann soll man die Finger davon lassen.“
Als weiteres Beispiel führte der Denkmalsschützer das Heidelberger Schloss an, das wohl zu den berühmtesten Ruinen der Welt zählt. Um 1900 entbrannte der sogenannte „Schlossstreit“. Fachleute diskutierten heftig einen möglichen Wiederaufbau von Schloss Heidelberg zu einem Traumschloss, wie auch Sanavia beschreibt. „Ein mächtiges Schloss, zerstört und aus dem Dornröschenschlaf zu alter Pracht wiedererweckt“, wie auf der Schloss-Seite geschrieben steht, traf zwar den Geschmack vieler Zeitgenossen, „aber muss das denn wirklich sein?“, fragt Sanavia. Die Vertreter der Denkmalpflege setzten sich letztendlich durch. Man entschied sich für das „Bewahren“ des Schlosses als Ruine. Nur der Friedrichsbau wurde im Stile des Historismus ergänzt und wieder eingerichtet.
Natürlich ist dem Denkmalschutzamtsdirektor klar, dass man heute entsprechende moderne Infrastrukturen an historischer Stätte vorhalten muss. „Die Leute wollen etwas essen, man braucht einen Kassenbereich, auch die Mitarbeiter müssen entsprechend untergebracht werden, sanitäre Anlagen sind vonnöten.“ Doch diese Bauten müssten sich dann eben dem Vorhandenen „unterwerfen, nicht dominieren“, das sei die Kunst. Auch der barrierefreie Zugang ist hier ein wichtiges Thema, was entsprechend ausgearbeitet werden muss und was „man mit entsprechenden Ideen auch absolut gut umsetzen kann“, sagt Sanavia. So müsste die Revitalisierung der historischen Stätten im Vordergrund stehen.