LUXEMBURG
INGO ZWANK

Zum royalen Toast auf das Patenschaftsprojekt „Palast-Gläser“: Großherzog Henri besucht mit Initiatoren Form-Produktionsstätte in Sandweiler

International verdankt Luxemburg viel dem Ansehen und dem Ruf des Großherzogs, der Großherzogin und der Mitglieder der Großherzoglichen Familie. Ihr Einfluss ist besonders bei Staatsbesuchen oder auch Wirtschaftsmissionen nicht zu unterschätzen.

Bereits vor einigen Jahren reifte bei Raymond Bernard, Berater am großherzoglichen Hof, der Entschluss, dass er der großherzoglichen Familie und damit der Monarchie „etwas zurückgeben wollte.“ Aber nicht ein herkömmliches Geschenk, eine Art Wertschätzung für das Adelshaus. Dem Großherzog als Repräsentant des Landes, der auch für eine gewisse Beständigkeit steht, sollte eine Anerkennung zu teil werden…

Gläser bei Hof sind nationales Kulturerbe

Es fiel Bernard auf, dass es im Bestand des Palastes teils an Trinkgläsern mangelte, was große Bankette und Staatsempfänge fast unmöglich machte. Die vorhandenen Gläser, die wohl rund 200 Jahre alt sind, gaben es mengentechnisch einfach nicht her. Als dann die Familie Lentz von Munhowen S.A. der großherzoglichen Familie entsprechend geeignete Biergläser für festliche Anlässe in einer nicht geringen Menge überreichte, reifte bei Bernard seine Geschenk-Idee bis ins Endstadium heran. „Weitere passende Gläser sollten es sein“, sagt Bernard. Auf das Thema bei Hofe angesprochen, stellte sich schnell heraus, dass es sich bei solchen Utensilien um „sogenanntes nationales Kulturerbe“ handelt. Die großherzogliche Familie, die sich des Umstandes bewusst war, konnte daher nicht auf Eigeninitiative vorgehen und sich einfach eigene Gläser anschaffen.

Kreatives Unterfangen

Doch Gläser mit dem hoheitlichen Wappen (graviert auf mehreren Ebenen) samt entsprechendem Goldrand - das muss man erst einmal umgesetzt bekommen. Wer ist aber in der Lage, diese Gläser zu gestalten - und vor allem herzustellen? Wer kann sie gravieren? Mit Hilfe von Tom Wirion, dem Direktor der Handwerkskammer, wurden die Initiatoren auf die Luxemburger Firma Saturne Technology in Sandweiler aufmerksam - sieht Wirion das Gläser-Projekt doch auch als Präsentationsplattform für das Luxemburger Handwerk an sich, „Stichwort ‚De Mains de Maîtres‘“, sagt der „Chambre des Métiers“-Direktor gegenüber unserer Zeitung.

Im Rahmen des Vorhabens von Bernard und Wirion müssen aber auch die finanziellen Mittel für das Projekt „Großherzogliche Gläser“ sichergestellt werden. „Ohne die Monarchie wären sicherlich viele Türen für unsere Betriebe und damit die Wirtschaft verschlossen geblieben“, resümieren die Initiatoren. Wirion und Bernard wagten den Weg eines Patenschaftsmodells: Wenn man an die nationale Wirtschaft herantritt, die ohne Zweifel diesen Stellenwert der Monarchie erkannt hat, und die Unternehmen dazu bringt, mit einem Betrag in das Projekt einzusteigen, so könnten sie über diesen Weg der Monarchie einen gewissen Dank zukommen lassen und gleichzeitig auch noch einen Beitrag zum nationalen Kulturerbe leisten. Dieser Ansatz wird es also ermöglichen, eine Glaskollektion zu produzieren, auf der Grundlage entsprechender Qualitäts- und Ästhetikkriterien, die in erster Linie dazu bestimmt ist, repräsentativen Zwecken zu dienen - und besagten Beitrag für das nationale Kulturerbe darzustellen.

Unternehmen und Betriebe, so ist auch dem bereits aufgelegten Flyer der „Initiative qui fait briller le patrimoine national“ zu entnehmen, können mit Beiträgen von 2.500, 5.000 oder auch 10.000 Euro ihren Gläser-Patenschaftsbeitrag leisten. Unternehmen, die sich an dem Projekt beteiligt haben, erhalten dann einen persönlichen Dank des Großherzogs sowie - je nach Formel der gewählten Glas-Patenschaft - Erinnerungsgläser der Kollektion. Die Handwerkskammer fungiere so als Brücke zu dem Unternehmen, das sich an dem Projekt der außergewöhnlichen Gläser beteiligen möchte und so den Stellenwert der Monarchie und eine entsprechende Verbundenheit symbolisch anerkennen will.

Doch nicht nur die luxemburgischen Unternehmen, auch alle im Großherzogtum ansässigen und aktiven internationalen Unternehmen und Gemeinschaften, die eine entsprechende Verbundenheit zur Monarchie bekunden möchten, können sich an dem Projekt der „Glas-Patenschaft“ beteiligen, wie Wirion und Bernard präzisieren. Entsprechende Gespräche laufen bereits auf Hochtouren.

Besuch vor Ort

Am gestrigen Donnerstag besuchte Großherzog Henri das Unternehmen in Sandweiler. An diesem Besuch nahmen auch einige bereits bekennende „Gläser-Paten“ teil. Sehr interessiert zeigte sich das Staatsoberhaupt, das von Firmengründer Walter Grzymlas die Techniken und Abläufe erklärt bekam. Auch wurden dem Großherzog bereits gefertigte Formen für die Gläser vorgelegt. Aber auch anwesende Paten wie Renée Clasen-Schneider (Caves Bernard-Massard) zeigten sich sehr beeindruckt. „Unsere Familie ist dem Hof schon immer sehr zugetan. Es ist sehr schön, dass ein solches Projekt ins Leben gerufen wurde. Die großherzogliche Familie hat bereits so viel für das Land gemacht, warum soll dann nicht auch einmal das Volk sagen: ‚Warum nicht…‘“. François Dostert (Ateliers Dostert) unterstrich den Umstand, dass „das Projekt maßgeblich hier im Land für die großherzogliche Familie realisiert wird.“ Genau so etwas sei es, was man brauche, „um gute Werbung für das Luxemburger Handwerk zu machen“, das habe aktuell einen nicht ganz leichten Stand hat. „Und wenn man das dann noch mit der großherzoglichen Familie verbinden kann, dann ist das eine wirklich tolle Sache.“ Luc Meyer (Boucherie-Salaisons Meyer) sprach von einem einzigartigen Projekt, das hier in die Tat umgesetzt werden würde. „Eine einzigartige Sache für unser Handwerk und für unser Land“, sagte Meyer. Denn hier würde man bekennend zusammenarbeiten, gemeinsam eine Sache umsetzen. „Erfahrung und Fachwissen aus unterschiedlichen Bereichen werden zusammengebracht. Es ist ein Projekt, das sehr kreativ, aber nicht leicht zu realisieren ist. Und vor dem Hintergrund, dass es im Zusammenhang mit der großherzoglichen Familie steht, eine absolut tolle Sache. Die Initiatoren verdienen ein großes Lob.“

Saturne Technology und Glasbläserin Pascale Seil

In Sandweiler bei Saturne Technology werden unter anderem mit 3D-Lasern Implantate für Flugzeuge hergestellt. Das Unternehmen ist sicher nur Leuten vom Fach ein Begriff - aber es ist äußerst gefragt. Anfang 2017 hat der Spezialist für additive Fertigung die ersten beiden

Aktionäre bekommen: Die französische Beteiligungsgesellschaft Emertec mit ihrem „Fonds Européen des Matériaux“ sowie AD Industrie, ein französischer Industriekonzern, stiegen bei Saturne Technology mit insgesamt zwei Millionen Euro ein (das „Journal“ berichtete). Zu den Kunden zählen Boeing, Airbus, Delphi oder auch Goodyear. In Sandweiler wurde das Angebot unterbreitet, die Form für die Gläser herzustellen, „damit man auch noch in 200 Jahren eine Vorlage wie heute hat.“ Als Gestalterin der Gläser konnte die Luxemburger Glasbläserin Pascale Seil aus Berdorf gewonnen werden, die dann über die in Sandweiler produzierten Formen die Gläser für den Hof herstellen soll. Die Gravur soll, wie es sich aktuell darstellt, aufgrund der komplexen Art und Weise von einer speziellen Firma in Deutschland durchgeführt werden.

Wer sich mehr über das Projekt informieren möchte, der kann gerne mit Raymond Bernard, Email: rbernard@pt.lu, oder auch Tom Wirion, Email: direction@cdm.lu, in Kontakt treten