ESCH-ALZETTE
CLAUDE KARGER

Internationale Fachtagung zur Zukunft der Gedenk- und Erinnerungsarbeit

Zwei Tage lang befassten sich in der Kulturfabrik in Esch-Alzette Spezialisten aus Luxemburg, Belgien, Deutschland, Österreich, Ungarn und Israel mit Fragen zur Zukunft der Gedenk- und Erinnerungsarbeit. Am Freitagmorgen wurde die internationale Fachtagung von Premier- und Kulturminister Xavier Bettel, der Escher Bürgermeisterin Vera Spautz, Frank Schroeder, dem Leiter des Nationalen Resistenzmuseums, und Gerd Klestadt, Überlebender der Shoah, eröffnet.

Mit Jugendlichen arbeiten

Klestadt, der seit 1972 in Luxemburg lebt, aber erst seit dem Jahr 2000 über seine Erlebnisse in Konzentrationslagern erzählt, unterstrich bei der Gelegenheit, dass die Überlebenden die Pflicht hätten, zu berichten, aber auch das Recht, dass ihnen zugehört wird. Ihm ist besonders daran gelegen, mit Jugendlichen über seine Erfahrungen und die Gründe für die Naziherrschaft zu diskutieren. Auch der Premier wies auf die kapitale Rolle der Erinnerungskultur hin, die mehr sei als eine Erinnerung an Vergangenes, sondern eine Pflicht, die zur Bildung gehöre, damit sich die Gräuel von Krieg und Massenvernichtung niemals wiederholen.

Die Rolle von politischer Bildung undKultur

Die Erinnerungskultur gehe also weit über die Zelebrierung von Siegen hinaus. Über Jugend und Erinnerungsarbeit diskutierte am Freitagnachmittag unter anderem Bildungs- und Jugendminister Claude Meisch. Aufgeworfen wurde dabei etwa die Frage wie die Erinnerungskultur in den Schulen richtig gepflegt werden kann bei proppenvollen Lehrprogrammen - die Diskussion darüber wird natürlich noch weiter gehen müssen.

Der Samstag war dann der Erinnerungskultur und der politischen Bildung sowie dem Thema „Kultur und Gedenken“ gewidmet.

Einleitend zum zweiten Tag des Kolloquiums stellten die Historikerin Sonja Kmec (Uni Luxemburg) und die Romanistin Mechthild Gilzmer (Uni Saarbrücken) ihr Buch „Histoire partagée - mémoire divisée? Erinnerungskultur in grenzüberschreitender Perspektive“ vor, das kritische Analysen der Darstellung und Deutung der Vergangenheit bietet und sehr interessante Beiträge über Widerstandskämpferinnen. In den Grenzregionen zeige sich besonders deutlich, dass die Komplexität der Geschichte nur schwer aus nationalen Perspektiven zu erfassen sei.

Als Buch dürften auch in einigen Monaten die Beiträge und Debatten der internationalen Fachtagung erscheinen, die vom Journalisten und Autoren Laurent Moyse aufgezeichnet wurden und verarbeitet werden.

Der Link zum oben erwähnten Buch.