Til Schweiger verarbeitete als Regisseur verschiedene Genres von unterschiedlichen Qualitäten. „Der Eisbär“ (1998) war ein Actionfilm, „Barfuß“ (2005) ein Melodrama, „Keinohrhasen“ (2007) wie auch „1 1/2 Ritter“ (2008) waren Komödien. „Kokowääh“ (2011) war ein bisschen Komödie, ein bisschen Melodrama. In seinem neuesten Film „Honig im Kopf“ erzählt er die zart-bittere Geschichte eines Mannes, der an Alzheimer erkrankt ist.
Ein letztes Ziel
Die elfjährige Tilda (Emma Schweiger) liebt ihren Opa Amandus (Dieter Hallervorden) über alles. Nur merkt sie, dass seit dem Tod der Oma mit ihrem Opa nicht mehr alles stimmt. Er vergisst und verwechselt vieles.
Von ihren Eltern Sarah (Jeanette Hain) und Niko (Til Schweiger) hat sie das Wort Alzheimer aufgeschnappt. Sie weiß aber nichts damit anzufangen, bis ihr Kinderarzt sie darüber aufklärt. Mit all ihren zur Verfügung stehenden kindlichen Mitteln versucht sie ihrem Opa zu helfen und ihm ein vielleicht letztes Ziel im Leben zu geben. Mit seiner Frau hat er schöne Tage in Venedig verbracht. Und so macht sich Tilda mit Opa auf in die Lagunenstadt.
Sarah und Niko ihrerseits haben alle Hände voll damit zu tun, die Schäden, welche durch Amandus’ Krankheit entstehen, zu beheben. Um ihn vor Schlimmerem zu bewahren, soll er in ein Pflegeheim, zu Gleichgesinnten und in ein Umfeld, in dem sich fachmännisch um ihn gekümmert werden kann.
„Didi“ und Emma
Dieter „Didi“ Hallervorden ist einfach grandios in der Rolle dieses Mannes, dessen Erinnerungen sich wie Honig anfühlen, verklebt im Gehirn. In seinen Augen erkennt man zuerst Ratlosigkeit gegenüber der schlimmen Krankheit. Dann irgendwann kehrt Leere in seine Augen - die Krankheit neigt sich ihrer Apotheose zu, dem Tod.
Emma Schweiger, Til jüngste Tochter, hat unter den Fittichen ihres Vaters bereits fünf Filme gedreht. Sie hat ein enormes Talent und kann erneut als Tilda die Herzen der Zuschauer erobern. Sie scheint die einzige zu sein, die ihren Opa versteht, er, der wie sie wieder zu einer Art Kind wird Sie lacht über die Missgeschicke ihres Opas, aber jedes Mal mischt sich Mitgefühl in ihr Lachen. Alle Aktionen von Amandus beleben eh die Lachmuskeln der Zuschauer, aber immer wieder wird man durch „Didis“ Blicke daran erinnert, dass nichts wirklich zum Lachen ist.
Überflüssiger Klamauk
Leider konnte es Schweiger nicht lassen, dieses Melodrama einfach nur konsequent zu erzählen. So kann man Sarahs Gartenparty, die wegen Amandus im Chaos endet, als überflüssigen Klamauk bezeichnen.
Auch die Szene im Zug, in der Tilda ihrem Opa aus der voll gepinkelten Hose hilft, hätte man nur anzudeuten brauchen , anstatt „Didis“ nackten Allerwertesten zu zeigen.
Trotz dieser zwei Fehltritte ist „Honig im Kopf“ ein extrem bewegender Film, dessen zwei Stunden und 19 Minuten Laufzeit gut verträglich sind.
Herzerweichend sind besonders die Momente der Flucht nach Venedig, wie auch die Liebeserklärung des Opas an seine „Prinzessin“. Also darf man auf keinen Fall Taschentücher vergessen!


