LUXEMBURG
ANDY MAAR

Im letzten Jahr zelebrierte die weltweite LGBTIQ+ Community den 50. Jahrestag des legendären queeren Aufstands vom 28. Juni 1969 in der New Yorker Christopher Street. Polizeigewalt und willkürliche Durchsuchungen gegen zumeist schwule Männer standen an der Tagesordnung. Andy Maar von Rosa Lëtzebuerg erklärt, weshalb dieses Ereignis und seine Errungenschaften bis heute aktuell sind.

„Im damaligen Amerika war Homosexualität gleichbedeutend mit gesellschaftlichem Ausschluss: Ärzte und Anwälte verloren nach einem Coming Out ihre Zulassung, in verschiedenen Bundesstaaten drohte gar eine Zwangslobotomie. In diesem Umfeld stellten die Kneipen, Läden und Restaurants nicht selten die einzige Möglichkeit dar, wo man sich nicht verstellen musste.

Nach zuletzt täglichen Polizeirazzien, die zunehmend brutaler wurden, entlud sich in der Nacht zum 28. Juni 1969 die gesamte Frustration und Verzweiflung der Gäste des Stonewall Inn‘s, einer der bis heute bekanntesten Schwulenbars im Greenwich Village. Vor allem People of Color setzten sich zur Wehr, da diese umso mehr den Repressalien der Polizei ausgesetzt waren. Dieses Ereignis, heute als „Stonewall Uprising“ bekannt, gilt als Meilenstein der LGBTIQ+ Bewegung. Unvergessen ist dabei die maßgebliche Rolle der schwarzen Drag Queen und Sexarbeiterin Marsha P. Johnson.

Ein Jahr später, also vor nun genau 50 Jahren, gedachten die Überlebenden dieser Nacht sowie viele Menschenrechtler aus den gesamten Vereinigten Staaten dieses Ereignisses. Damit war die erste Pride geboren.

In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat sich vielerorts so manches getan. In vielen europäischen und manchen südamerikanischen Ländern sowie den USA gab es mittlerweile eine Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, die Rechte von Trans- und Inter-Menschen wurden vielerorts gestärkt und Antidiskriminierungsgesetze wurden verabschiedet. Doch gleichzeitig ist eine Stagnation und sogar ein Rückgang der Akzeptanz queerer Menschen zu verzeichnen: Laut dem ‚ILGA Europe Rainbow Index‘ fanden in den vergangenen zwölf Monaten in über 49 Prozent der Länder keine positiven Veränderungen statt und zum zweiten Mal in Folge verloren Länder Punkte, da queerfreundliche Gesetze rückgängig gemacht wurden.

Gerade die letzten Monate zeigen: nichts währt ewig! Hart erkämpfte Rechte können über Nacht, sogar durch das Parlament umgehend per Dekret, rückgängig gemacht werden. 51 Jahre nach dem Aufstand in der Christopher Street ist heute die Forderung nach einem Ende der Diskriminierung aktueller denn je. Es gilt heute sich der erkämpften Rechte gewahr zu werden und diese zu verteidigen.

An diesem Samstag, 27. Juni, findet daher der erste Global Pride statt, veranstaltet von einem Zusammenschluss vieler Pride-Organisatoren, als Ersatz für den Coronabedingten Ausfall so vieler Prides rund um die Welt. Auch Luxemburg ist vertreten: auf Bitten des ‚Luxembourg Prides‘ wird Xavier Bettel, neben Gästen wie Joe Biden, Helena Dalli oder Justin Trudeau eine Ansprache in diesem 24 Stunden-Livestream halten.“