JEAN-PAUL LICKES

Viel Sonne und wenig Regen: Was viele Menschen im Großherzogtum in den letzten Wochen freute, macht nicht nur Bauern sorgen. Auch Jean-Paul Lickes, Direktor der „Administration de la gestion de l’eau“ ist besorgt, bedeutet der wenige Regen der letzten Monate doch auch einen geringen Grundwasserstand.

„In der Periode, die wir als hydrologischen Winter bezeichnen und die von Ende Oktober bis März reicht, füllen sich die Grundwasser Reserven durch die Niederschläge natürlich auf. Während dieser Zeit gibt es auch keine Vegetation, die den Regen aufnehmen würde und so daran hindert, tief in den Boden einzusickern. Da im zurückliegenden hydrologischen Winter deutlich zu wenig Regen gefallen ist und wir auch zu wenig Schnee hatten, wurden unsere Grundwasserreserven somit nicht entsprechend aufgefüllt. 

Auch wenn es in den kommenden Wochen zu reichlich Regen kommen sollte, wird dieser nichts dazu beitragen, dass das Grundwasser steigt. Denn der Regen, der jetzt und bis Oktober fällt, wird von den Pflanzen aufgenommen und findet nicht seinen Weg ins Grundwasser. Von dem markanten Defizit im Grundwasser werden wir allerdings in den kommenden Monaten nicht direkt etwas merken, da man hier in längeren geologischen Zyklen, also Jahren, denken muss. 

Sollte es dieses Jahr aber zu einem Hitzesommer kommen, in dem es lange Zeit über 35 Grad warm ist, könnte es trotzdem anders kommen. Zwar kann niemand mit Sicherheit vorhersagen, wie der Sommer wird, allerdings haben wir gemeinsam mit den Trinkwasserversogern des Landes Arbeitsgruppen gebildet, um Pläne für verschiedene Szenarien auszuarbeiten und so auf etwaige kritische Situationen reagieren zu können. Engpässe in der Trinkwasserversorgung können wir somit besser abfedern. 

Aber auch in unseren Flüssen und Bächen ist der Pegel aktuell niedriger als sonst. Das führt zu einigen Problemen bei unserer Fauna und Flora. Die verschiedenen Ökosysteme brauchen nämlich genügend Wasser, und da dies nicht der Fall ist, sind die Auswirkungen aufgrund der doch recht hohen Bevölkerungsdichte, der Landwirtschaft und der Industrie in Luxemburg hier noch stärker zu spüren als sonst. Die Situation am Stausee ist aktuell jedoch weniger dramatisch, auch wenn hier der Wasserstand geringer ist als üblich für diese Jahreszeit.

Was mir allerdings etwas Sorgen bereitet, ist, dass sich in den letzten Jahren die Perioden, in denen es viel regnet, verschoben haben. So regnet es bei gleichbleibender Regenmenge von etwa 800 mm/m² über ein Jahr verteilt im Sommer weniger als früher. Und wenn, dann immer öfters in Form von Platzregen. Was das bedeuten kann, haben wir vergangenes Jahr in der ‚Fiels‘ gesehen. Außerdem beginnen aufgrund des Klimawandels die Vegetationsperioden früher und enden später. Das gilt für das gesamte Rheineinzugsgebiet. Dies alles sind potenzielle Gefahren für unsere Grundwasserversorgung, die nicht zu unterschätzen sind.“