RÜMELINGEN
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Das Nationale Bergbaumuseum in Rümelingen: Wo Kulturerbe und Tourismus Hand in Hand gehen

Auf in den Stollen: Etwas versteckt und auch etwas unscheinbar präsentiert sich das Nationale Bergbaumuseum (MNM) in Rümelingen - doch es ist, wie so oft: Der Schein trügt - vor allem auch in diesem Fall des ehemaligen Eisenerzbergwerks aus der Zeit um 1900.

Schon bevor man das Museum betrifft, fallen die ersten Baumaschinen aus der vergangenen Zeit auf. Züge mit Kipploren, Brechwerkzeug und das Förderband, was in einiger Höhe den Zugang zum Stollen weist. Die Seilbahn nach Differdingen mit einer Länge von 14 Kilometern wurde probeweise im September 1906 in Betrieb genommen. Ende Oktober des gleichen Jahres nahmen 235 „Buggys“ den Transport des Erzes auf, was die Transportkosten enorm reduzierte.

Das Schaubergwerk erkunden

Das Museum selbst umfasst ein Schaubergwerk, das bis in eine Tiefe von 80 Metern reicht, einen stillgelegten Tagebau sowie einen Museums- und Gastronomiebetrieb in den ehemaligen Tagesanlagen der Grube. Man muss wissen, dass der nationale Bergbau im Jahr 1885 immerhin 3.945 Arbeiter bei einer Produktion von 2.648.499 Tonnen umfasste. Die höchste Belegschaftszahl wird 1900 mit 6.207 Arbeitern und einer Förderung von 6.139.434 Tonnen erreicht. Von 1868 bis 1981 sollen aus dem Luxemburger Boden über 500.000.000 Tonnen Eisenerz gewonnen worden sein. Nach Museumsangaben lag der absolute Produktionsrekord im Jahr 1957 mit 7,9 Millionen Tonnen Erz. Erlebbare Luxemburger Geschichte in Rümelingen also.

Die Sammlungen des Nationalen Bergbaumuseums umfassen Werkzeuge, Bergbaumaschinen, Fahrzeuge und Dokumente über den Eisenerzabbau in Luxemburg von den 1870er-Jahren bis in die 1990er-Jahre welche ausführlich ein Jahrhundert der technischen Evolution verdeutlichen.

Was bedeutet das Museum für die Gemeinde Rümelingen? Dazu sagt Bürgermeister Henri Haine: „Ich denke, in erster Linie erinnert es die Rümelinger mit Stolz an das, was einmal war, aber auch, wie die ‚Stadt der roten Felsen/Ville des Roches rouges‘ sich seit Stilllegung der Gruben entwickelt hat.“ Keine andere Ortschaft des Südens, des „Minett“, sei derart vom Eisenerzabbau gezeichnet, „so eng mit der Eisenerzgewinnung verbunden, wie Rümelingen“, sagt Haine. „Wir hatten ja von 1872 bis 1919 auch ein Hüttenwerk. Es waren die ‚Minettsdäpp‘, Männer und Frauen, die unsere Region geprägt haben.“

Durch ihren Einsatz und schwere Arbeit haben sie den Reichtum des Landes geschaffen, sagt Haine. „Sie hatten eine raue, aber ehrliche Sprache. Sie bewiesen Charakter, auch in Krisenzeiten. Solidarität war für sie kein leeres Wort. Ich erinnere auch daran, dass das Wappen der Stadt Rümelingen einen Bergmann darstellt.

Vergessen dürfe man auch nicht, dass die Minen- und Stahlarbeiter an der Spitze der gewerkschaftlichen Bewegung standen, und mithalfen, „den Sozialstaat zu erstellen, den wir heute kennen. Auch mein Großvater Henri Lück, LSAP-Bürgermeister von Rümelingen von 1938 bis 1969 und Abgeordneter von 1967 bis 1969, war Bergarbeiter. Wir alle sind stolz auf unsere Vergangenheit, und auch ich habe nicht vergessen, wo ich herkomme.“

„Ohne das Museum würden wohl nur wenige Leute von außerhalb unserer Ortschaft einen Besuch abstatten. Damit weiterhin tausende Besucher, auch junge Leute, dem MNM und Rümelingen einen Besuch abstatten, investiert die Gemeinde auch weiter in die Modernisierung und den Ausbau des Museums.“ Aktuell werden rund 2,3 Millionen Euro investiert, wie Haine sagt.

Den angesprochenen Punkt des Tourismus hat auch der zuständige Minister erkannt. „Der Bergbau ist ein wichtiger Teil unserer Kultur“, sagt Tourismusminister Lex Delles. „Hier in Rümelingen haben wir ein gutes Beispiel dafür, wie Kultur und das Erbe mit Tourismus Hand in Hand gehen können.“ Der Minister lobt besonders das ehrenamtliche Engagement im Museum, ohne dass der Betrieb hier nicht so laufen würde, wie er läuft.

Besonders die Region im Süden Luxemburgs sei nun einmal stark von ihrer früheren Industriekultur geprägt. Das nationale Bergbaumuseum und seine unterirdischen Galerien „sind ein perfektes Beispiel dafür, inwieweit der Tourismus ein wesentliches Instrument zum Erhalt des baugeschichtlichen und architektonischen Erbes eines Landes sein kann.“

Integriert in die Werbekampagne „Vakanz doheem“

Von der Generaldirektion für Tourismus heißt es, dass die industrielle Spurensuche allgemein zu den zahlreichen Attraktionen in der Minettregion gehört, die sich längst zu einem handfesten Touristenmagneten für ausländische Besucher entwickelt hat. Der Minett Park Fond-de-Gras sowie andere zahlreiche Zeugen der von Stahl geprägten Vergangenheit der Region „erlauben darüber hinaus auch der einheimischen Bevölkerung eine Rückbesinnung auf die eigene Identität.“ Besonders jungen Besuchern und Schulklassen werde so veranschaulicht, inwiefern das eisenhaltige Erz maßgeblich zur wirtschaftlichen Entwicklung und zum Wohlstand des Großherzogtums beigetragen hat.

So sei es längst überfällig, eine möglichst große Anzahl von Einheimischen mit einer speziell ausgerichteten Werbekampagne „Vakanz doheem“ für solche Touristenattraktionen hierzulande zu begeistern, wie es die Generaldirektion für Tourismus formuliert - und es auch Minister Delles fördert. „Es ist für das Ministerium klar, dass wir solches Engagement weiter unterstützen“, so der Minister auch im Hinblick auf die neue Kampagne, in der das Minenmuseum sicherlich ein wichtiger Pfeiler sein wird.

www.mnm.lu