LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Bildungsminister Meisch: Viele Projekte werden „greifbar und sichtbar“

Das heute in den Grundschulen des Landes beginnende Schuljahr ist für Bildungsminister Claude Meisch (DP) ein besonderes. Viele Projekte würden in diesem Herbst „greifbar und sichtbar“ , sagte der liberale Minister gestern auf der traditionellen Schulanfangspressekonferenz und zog einen Vergleich zum „Karschnatz“. Zu den Projekten, die in diesem Herbst in Kraft treten, zählen die Einführung des Werteunterrichts in der Grundschule, die frühe Sprachenförderung in Kombination mit einer teilweise kostenlosen Kinderbetreuung, die 15 regionalen Direktionen oder auch die Sekundarschulreform. Damit sieht Meisch den Rahmen für die weitere Entwicklung des Bildungssystems gesetzt. Die neuen Gesetze bieten „enorme Chancen für Schulen, um sich von unten herauf weiter zu entwickeln“. Jetzt liege es „an allen Akteuren, diese Chancen zu nutzen.“ In manchen Bereichen übernehme Luxemburg gar eine Vorreiterrolle und ziehe Aufmerksamkeit im Ausland auf sich. Das Motto der gestrigen Pressekonferenz lautete „Mat Vertrauen an Innovation an d‘Zukunft“.

Positionen zwischen SEW und Minister unvereinbar

Dabei zeigte sich erneut, dass die Standpunkte von Minister Meisch und dem OGBL-Syndikat SEW, die am Vortag zu einer Pressekonferenz eingeladen hatten, mit Blick auf die allgemeine Ausrichtung des Bildungssystems unvereinbar sind. Der SEW warnte am Mittwoch vor einer schleichenden Privatisierung und einer Konkurrenzsituation, die zwischen Schulen entstehen werde. Meisch sagte in diesem Kontext: „Ich rede gerne mit jedem, der die Realität anerkennt und konstruktive Vorschläge macht.“ Er bekräftigte seine frühere Aussage: „Wir brauchen unterschiedliche Schulen für unterschiedliche Schüler.“ Das Einheitsmodell habe in der Vergangenheit dazu geführt, dass viele Schüler ins Ausland beziehungsweise in Privatschulen gegangen seien, lautete Meischs Replik auf den Vorwurf des „Outsourcing“. „Wir stellen die öffentliche Schule so auf, dass sie wieder für alle Schüler offen ist“, fügte er hinzu. Darüber hinaus sei es am Ministerium, eine „falsch verstandene Konkurrenz“ zwischen Schulen, sollte es dazu kommen, zu verhindern.

Berichte über einen Mangel an Grundschullehrern im Norden des Landes entkräftete Meisch. Es handele sich um ein „lokales Phänomen“. Vor einigen Wochen seien zwar noch 28 Lehrerposten unbesetzt gewesen. Es sei aber „intensiv“ an einer Lösung gearbeitet worden, sodass derzeit noch vier beziehungsweise ein Posten offen seien.

„Informationsoffensive“

In den kommenden Monaten will Meisch indes eine öffentliche „Informationsoffensive“ über die vielen Entwicklungen und Projekte in der Bildungslandschaft starten. Ein erstes Element davon stellt „EDI“ dar. Das Informationsmagazin für Eltern in einer Auflage von 160.000 Exemplaren fasst die jüngsten Änderungen vom Kleinkindbereich bis zur Jugendarbeit und Berufsausbildung zusammen. Abgesehen von Projekten, die sich derzeit noch auf dem Instanzenweg befinden - die Mediatoren für den Schulbereich, die nationale Elternvertretung oder das „Observatoire national de la qualité scolaire“-, weiteren Anpassungen in der Berufsausbildung oder der Reform der Sonderpädagogik, die „endlich eine inklusive Schulpolitik“ ermöglichen werde, nannte der Minister gestern auf Nachfrage keine spezifischen Projekte für das kommende Jahr. Allerdings will das Ministerium die Umsetzung von auf politischem Plan abgeschlossenen Reformen weiterhin verfolgen - etwas, das in der Vergangenheit gelegentlich vernachlässigt worden sei.

Die drei neuen von insgesamt acht Kompetenzzentren - für Dys-Problematik, Verhaltensauffälligkeiten und hochbegabte Kinder - könnten indes möglicherweise schon im nächsten Jahr „auf Orbit geschickt werden.“