Diskriminierung bleibt ein Problem in Luxemburg: Dieser Ansicht ist zumindest ein großer Teil der 1.020 Teilnehmer der im Auftrag des „Centre pour l’Egalité de Traitement“ (CET) zum dritten Mal durchgeführten TNS Ilres-Umfrage. 31 Prozent sind der Ansicht, dass Diskriminierungen in der Gesellschaft in den vergangenen fünf bis zehn Jahren auf dem gleichen Niveau geblieben sind. 39 Prozent denken sogar, dass das Problem zugenommen hat, während nur 17 Prozent von einem Rückgang ausgehen.
„Keine nennenswerten Veränderungen, weder zum Positiven noch zum Negativen“, lautete zwar das Fazit von TNS Ilres-Direktor Charles Margue, dennoch hätten sich auch Fortschritte bemerkbar gemacht. Immerhin sei die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts von 28 Prozent (2009) auf 15 Prozent (2014) zurückgegangen. „Über Diskriminierung am Arbeitsplatz wurde in den vergangenen Jahren deutlich mehr gesprochen. Entsprechend ist der Prozentsatz in diesem Bereich von acht auf 15 gestiegen“, führte Margue weiter aus. Was früher eher als Fatalität empfunden wurde, habe eine Stimme bekommen.
Ein Viertel selbst betroffen - Fast die Hälfte unternimmt nichts
Relativ unverändert blieb die Zahl der Opfer. Ein Viertel der Befragten (263 Personen) gab an, selbst schon einmal diskriminiert worden zu sein, 23 Prozent davon am Arbeitsplatz. „In den letzten Jahren waren es hauptsächlich Nicht-Luxemburger, die sich tendenziell diskriminierter fühlten“, bemerkte Margue, „oft wegen der Sprache“. Besonders auffallend: Fast die Hälfte aller Betroffenen hat nichts unternommen. Auch die Zeugen einer Diskriminierung halten sich zurück: 40 Prozent haben nicht gehandelt. Im Jahr 2011 hatten 81 Prozent die Frage, ob sie mit einer Organisation (Polizei, Anwalt, Vereinigung...) über das Erlebte geredet hätten, mit Ja beantwortet. 2014 waren es nur noch 15 Prozent. Knapp die Hälfte hat die Diskriminierung dann auch als „nicht so schlimm“ empfunden.
CET fehlt es an Bekanntheitsgrad
Das CET bleibt indes eine relativ wenig bekannte Anlaufstelle. Kennt nur ein knappes Viertel das Zentrum für Gleichbehandlung, so ist der Ombudsman beispielsweise dem Großteil (70 Prozent) bekannt, - ein Umstand, der von Nathalie Morgenthaler, Direktionsbeauftragte des CET, bedauert wird. Der Bekanntheitsgrad soll erhöht und außerdem noch stärker auf Sensibilisierung gesetzt werden. „Es ist traurig festzustellen, dass allgemein ein sehr hoher Prozentsatz der Opfer nichts unternimmt, sondern resigniert. Dass daneben Zeugen zu selten handeln, gibt uns ebenfalls zu denken. Daran müssen wir arbeiten“, sagte Morgenthaler. „Oft ist es außerdem so, dass sich Betroffene auf halber Strecke zurückziehen, bevor das Dossier also zu einem Abschluss gebracht wurde“, fügt sie hinzu. Seit dem Bestehen des CET konnte erst ein Fall vor Gericht gebracht werden, was, laut der Direktionsbeauftragten, symptomatisch dafür sei, „dass die Leute das nicht bis zum Schluss durchziehen“. Davor sollte man jedoch nicht zurückscheuen, wenn sich im Guten keine Lösung finden würde, so Morgenthaler.


