LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Witzig und lehrreich: Am 26. April läuft bei RTL die Animationsserie „Nächst Statioun“ an

Bei der Vorstellung der neuen Animationsserie „Nächst Statioun“ von Zeilt Productions, die am 26. April bei RTL Télé Lëtzebuerg anläuft, war die Situation in Luxemburg noch eine andere. Die Pressekonferenz wurde im Rahmen des „Luxembourg City Film Festival“ abgehalten, und die vielen Teilnehmer fanden es noch eher belustigend als beängstigend, dass keine Küsse mehr verteilt und keine Hände mehr geschüttelt werden sollten. Viele taten es dann doch. Kulturministerin Sam Tanson dagegen hielt sich bei ihrer Ankunft strikt an die Anweisung und lehnte alle ihr gereichten Hände ab. Der Rest ist Geschichte: Einige Tage später musste das LuxFilmFest vorzeitig beendet werden, und wenig später schlossen alle Kultureinrichtungen ihre Türen. Dazu gehörten auch die Kinos. Eigentlich hätten die einzelnen Folgen der neuen Serie ab dem 26. April auch im Kinepolis (dort in französischer Sprache) im Vorprogramm der Kinderfilme laufen sollen. Daraus wird wohl nichts. Dem Start im luxemburgischen TV steht derweil nichts im Weg.

Aus einer fernen Galaxie

Worauf dürfen sich die kleinen (und selbstverständlich auch großen) Zuschauer vor der Glotze also freuen? Nun, auf zwei Außerirdische aus einer fernen Galaxie, die Luxemburg erobern wollen und sich deshalb quer durchs Land auf die Suche nach einem geeigneten Ort für ihr Hauptquartier machen. Natürlich ist ihre Mission nicht gerade von Erfolg gekrönt, im Gegenteil, jede einzelne Expedition endet in einem totalen Fiasko und so reisen die beiden Aliens Klaus und Mish weiter von Ort zu Ort. Das Besondere an „Nächst Statioun“: Der Zuschauer wird mit auf eine Reise zu den wichtigsten Plätzen und Kulturstätten Luxemburgs genommen und wird dabei auch noch mit allen Informationen - kindgerecht verpackt - gefüttert. Kasematten, „Gëlle Fra“, Philharmonie, großherzoglicher Palast, Schloss Vianden, Hochöfen Belval, Schiessentümpel… alles ist dabei.

„Das Kulturerbe liegt uns im Kulturministerium natürlich sehr am Herzen. Es über solche Produktionsgenres zu fördern, die man über verschiedene Supports zeigen kann, ermöglicht, viele Menschen zu erreichen und noch mehr für das Thema ,Patrimoine‘ zu sensibilisieren. Vor allem beim jungen Publikum gilt es dafür zu werben, damit es eine anhaltende Sensibilität entwickeln kann“, hatte Kulturministerium Sam Tanson bei der Pressevorstellung erklärt, weshalb man selbstverständlich eng mit Zeilt Productions zusammengearbeitet und alle nötigen Informationen geliefert habe. Guy Daleiden, Direktor des Luxemburger Film Fund, hob unterdessen den Willen hervor, Projekte für Kinder zu unterstützen, insbesondere wenn diese auch noch eine pädagogische Komponente hätten. Die Macher konnten somit auf eine Beihilfe in Höhe von 2,3 Millionen Euro zählen.

Ideengeber ist Oscarpreisträger Laurent Witz

Die Idee für diese Serie stammt derweil von Produzent Laurent Witz, dem Gründer von Zeilt Productions. 2014 konnte er bekanntlich mit Co-Regisseur Alexandre Espigares den Oscar in der Kategorie Bester animierter Kurzfilm für „Mr Hublot“ entgegennehmen. Was war ausschlaggebend für die Produktion dieser neuen Animationsserie? „Ich bin damals mit meinen vier und sechs Jahre alten Kindern durch den ‚Jardin du Luxembourg‘ in Paris geschlendert. Neugierig wie die beiden sind, haben sie mir pausenlos Fragen zu den verschiedenen Monumenten und Gebäuden gestellt. Es fiel mir allerdings schwer, die nötigen Informationen zu finden und sie dann auch noch kindgerecht wiederzugeben. Das hat mir zu denken gegeben, sodass ich recherchiert habe, was es denn so gibt, um Kinder für das zu interessieren, was uns umgibt, für all diese Denkmäler und Geschichten, die unsere Vergangenheit und auch Zukunft nähren. Mir wurde jedoch schnell klar, dass es kaum Annäherungsansätze in diesem Kontext gibt. Das war der Ursprung: etwas schaffen, um die Neugierde der Kinder zu wecken und somit Geschichten rund um das Kulturerbe auf Augenhöhe der Kleinen zu erzählen“, berichtete Witz.

Mit der Realisierung der einzelnen Episoden wurden Sarah Sutter (Regisseurin) und Frédéric Wedeux (Co-Regisseur) betraut, die sich bestens in Luxemburg auskennen. Das Ergebnis ist eine ebenso humorvolle wie informative Serie auf Luxemburgisch, bestehend aus 26 Episoden von jeweils fünf Minuten, die sich an Familien mit Kindern zwischen acht und zwölf richtet. Auch die Technik, mit der gearbeitet wurde, ist interessant: „Animation 3D intégrée dans des décors en prise de vue réelle“, das bedeutet, dass sämtliche Orte vom Zeilt-Team aus allen Winkeln - sogar durch den Einsatz von Drohnen - fotografiert und die Figuren später am Computer in 3D in die reellen Kulissen eingefügt wurden.

Authentizität und Diversität

„Mir war es sehr wichtig, die Authentizität der Orte zu wahren“, bemerkte Sarah Sutter. „Viele sehr unterschiedliche Figuren wirken in der Serie mit. Die Hauptprotagonisten sind Klaus und Mish. Klaus ist der Leader des Duos. Sobald er einen Ort sieht, nimmt er ihn unter die Lupe und überlegt, wie er ihn nutzen kann, um die Welt zu erobern. Er schmiedet Pläne, die aber immer im Chaos enden. Mish ist das komplette Gegenteil. Er ist wie ein kleines Kind, jedes Mal, wenn er einen neuen Ort sieht, ist er total aus dem Häuschen und sehr neugierig. Er interessiert sich für alle Informationen und Anekdoten. Über ihn werden die historischen und kulturellen Infos also vermittelt. Es gibt auf der anderen Seite auch ein Girlpower-Duo, Erza und Suzie. Hinzukommen weitere Aliens jeden Alters und Aussehens. Es war uns wichtig, eine große Vielfalt zu bieten“, führte die Regisseurin genauer aus.

Die wichtigsten Orte Luxemburgs

Und wie wurde die Auswahl der Orte getroffen, die in den jeweiligen Folgen im Vordergrund stehen? „Das hat mit einer Liste meiner persönlichen Favoriten angefangen, Orte also, die ich unbedingt in der Serie sehen wollte, meine Lieblingsplätze, die ich als Kind entdeckt habe, beispielsweise das ,Musée des Mines‘ in Rümelingen oder die Robbesscheier in Munshausen. Die Liste wurde dann nach und nach ausgebaut, dies letztlich auch in Zusammenarbeit mit dem Kulturministerium“, so Sarah Sutter. Das Universum der Animationsserie wird derweil durch eine interaktive App für IOS und Android noch weiter ausgedehnt. Sie hält spielerisch-pädagogische Aktivitäten und Quizze bereit und ermöglicht noch dazu, bei einem reellen Besuch der Orte aus der Serie mithilfe virtueller Realität auf eine etwas andere Entdeckungsreise zu gehen.

„Lernen ist genial, alle diese Orte zu entdecken und zu erforschen ist ein wirklich faszinierendes Abenteuer, Neugierde ist wichtig: Genau das ist die Botschaft, die wir mit diesem Programm vermitteln wollen. Ein schöner Nebeneffekt wird noch dazu sein, dass die Kinder ihre Eltern mit Sicherheit darum bitten werden, diese Orte dann auch tatsächlich zu besuchen“, zeigte sich Laurent Witz überzeugt.

Startschuss von „Nächst Station“ ist also am 26. April bei RTL Télé Lëtzebuerg, wo dann jede Woche eine neue Folge gezeigt wird. Die erste Episode spielt übrigens in den Kasematten.