Trinken und Autofahren ist für viele immer noch ein Kavaliersdelikt. Ein Glas geht noch, glauben die, denen mit vernünftigen Argumenten nicht bei zu kommen ist. Dabei sprechen die Zahlen für sich.
Allein 2014 waren 19 Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle in Luxemburg auf Fahren unter Alkoholeinfluss zurückzuführen. Der tiefe Blick ins Glas ist auch für 22 Prozent der Schwerverletzten verantwortlich. Erwischt wurden im letzten Jahr in Luxemburg ganze 1.600 Alkoholsünder mit mehr als 1,2 Promille Alkohol im Blut - die Dunkelziffer der unentdeckten Alkoholfahrten dürfte gewaltig sein.
Immerhin ist die Promillegrenze heute nicht mehr so umstritten, wie vor einigen Jahren, als man in Luxemburg angeblich um die Zukunft von Weinbau und Gastronomie bangen musste. Auch der Punkteführerschein ist mittlerweile allseitig akzeptiert.
Zahl der Unfallopfer in der EU sinkt
Die Gesamtzahlen der getöteten Verkehrsopfer in der gesamten EU zeigen einen sehr positiven Trend. Immerhin ist die Zahl der Verkehrstoten in der EU von mehr als 54.000 im Jahr 2001, auf 25.700 im Jahr 2014 zurückgegangen. Das Ziel ist aber weiterhin der „Horizont Null“. Doch was tun mit notorischen Alkoholsündern? Wie sind Alkoholiker vom Autofahren abzuhalten? Wie macht man ertappte Sünder wieder verkehrstauglich? Mittel der Wahl ist in einigen EU-Ländern das „alcolock“, das „alcohol interlock“ - zu Deutsch, das „Alkoholschloss“.
Wer mit einem Auto, das mit einem alcolock ausgestattet ist, losfahren will, muss erst einmal blasen. Nicht in das berühmte Röhrchen der Polizei, sondern in eines, das mit dem Zündsystem seines Wagen gekoppelt ist. Ist der Alkoholgehalt in der Atemluft zu hoch, heißt es „Sorry - please take the bus.“
Prävention oder Rehabilitation?
Um die Möglichkeiten der Alcolock-Technik für Luxemburg auszuloten, hatte das Nachhaltigkeits- und Infrastrukturministerium gestern zu einem ganztägigen Seminar eingeladen, bei dem entsprechend ausgerüstete Fahrzeuge und nationale Lösungen vorgestellt wurden. Von der technischen Seite her sind Alcolocks ein alter Hut. Sie wurden erstmals 1986 in Kalifornien entwickelt und gebaut. Die juristischen Fragen sind erheblich komplizierter, weil die Alcolocks auch Daten über das Fahrerverhalten sammeln - wie oft haben er oder sie versucht, mit einer Alkohol-Fahne Auto zu fahren? Wo hört der Persönlichkeitsschutz auf und fängt der Schutz der Allgemeinheit an?
Hinzu kommt die Frage, wer muss die teuren Geräte einbauen? In den Niederlanden und Österreich sollen sie dazu dienen ertappte Alkoholsünder zu rehabilitieren und zu überwachen.
Der Sünder zahlt auch. Geht es nach dem European Transport Safety Council (ETSC) sollten Alcolocks von vorneherein, also präventiv, in besonders sicherheitsrelevante Fahrzeuge eingebaut werden, dazu zählen Schulbusse oder Lkw für den Transport von Gefahrgütern.
Auf der Suche nach einem Weg für Luxemburg
In einer Podiumsdiskussion mit luxemburgischen Teilnehmern kristallisierte sich heraus, dass man hierzulande eher auf die Verordnung von Alcolocks für erwischte Alkoholfahrer setzt, als an den präventiven Einbau. Der freiwillige Einbau eines Alcolocks könnte auch Geldstrafen oder die Dauer von Fahrverboten abmildern. Die Frage blieb offen, was im Umgang mit den zahlreichen Fahrern, die nicht in Luxemburg wohnen zu tun ist, wenn sie „besoffen“ erwischt werden.



