SCHENGEN
PATRICK WELTER

Regierung und Horesca denken über ein Ausbildungshotel im Schengener Schloss nach

Da steht ein Schloss vor sich hin und steht und steht... Der Eigentümer hat offensichtlich keine Idee, was er mit dem historischen Gemäuer anfangen soll und hadert mit den Bauvorschriften. Die Gemeinde, in der das Schloss steht, sorgt sich, dass sie früher oder später eine unschöne Ruine in ihrer weltberühmten Ortschaft hat. Gleichzeitig haben Arbeitsminister, die Tourismusabteilung des Wirtschaftsministeriums und der Hotel- und Gaststättenverband HORESCA eine Idee, um auf neuen Wegen an dringend benötigte Arbeitskräfte für die Gastronomie zu kommen.

Das Schloss steht in Schengen, war früher im Besitz einer kirchlichen Kongregation und als Seminarzentrum benutzt, dann kurzfristig zum Hotel geworden und steht seit etwa vier Jahren leer. Dabei gab es hochfliegende Pläne des gegenwärtigen Eigentümers, der das Anwesen dem Vernehmen nach für elf Millionen Euro gekauft hatte. Das Unternehmen, ein weltweiter Anbieter von Büro- und Business-Centerlösungen wollte ein Schulungszentrum im Schengener Schloss einrichten. Laut Gemeinde wurde dabei aber etwas zu groß gedacht…. Womit das Schloss aus Mangel an weiterem Interesse in einen Dornröschenschlaf fiel.

Auf der anderen Seite gibt es Francine Closener, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, deren Credo lautet: Zuerst die Idee ausarbeiten, dann die Infrastruktur dafür schaffen. Zu lange sei in Luxemburg das Gegenteil üblich gewesen: Erst baute oder kaufte die Öffentliche Hand ein Gebäude und machte sich erst danach Gedanken um dessen Nutzung. Für Closener der falsche Weg.

Eine Idee zur Nutzung des Schlosses

Entsprechend der neuen Vorgehensweise stellten Francine Closener und Arbeitsminister Nicolas Schmit, unterstützt vom Schengener Bürgermeister Michel Gloden und HORESCA-Generalsekretär François Koepp, eine gemeinsame Idee für eine zukünftige Nutzung des Schengener Schlosses vor.

Die Grundidee ist ein Qualitätshotel, das gleichzeitig als Ausbildungsplatz für gastronomische Berufe dient. Damit soll keine Konkurrenz für die Hotelfachschule in Diekirch oder die Ausbildung im LTB entstehen, sondern eine Ergänzung geboten werden. Während die Hotelfachschule für höchstes Niveau steht, sollen in Schengen Mitarbeiter für alle Bereiche der Gastronomie ausgebildet werden, wie Koepp erläuterte. Das Angebot soll sich an Jugendliche mit einer schwierigen Biographie, etwa aus prekären Verhältnissen oder mit einer abgebrochenen Schulkarriere, richten und ihnen eine neue Perspektive eröffnen.

Arbeitsminister Nicolas Schmit bezieht sich mit dieser Idee auf ein Sozialprojekt des französischen Spitzenkochs Thierry Marx, der neben seinem Zwei-Sterne-Restaurant sieben Kochschulen für benachteiligte Jugendliche in Frankreich betreibt. Marx setzt einerseits darauf in seinen viermonatigen Kursen das Interesses an der Gastronomie zu wecken, andererseits verlangt und vermittelt er Grundwerte wie Pünktlichkeit und Arbeitsdisziplin. Für Marx gilt der Grundsatz: „Die Vergangenheit ist egal, Interesse und Motivation sind der Schlüssel zum Erfolg“. Laut Minister Schmit finden mehr als 90 Prozent derjenigen, die diese Kurse mit einem Zertifikat abschließen, eine reguläre Beschäftigung in Gastronomie und Hotellerie. Schmit verwies auf aktuell 1.000 freie Stellen in der luxemburgischen Gastronomie die zu besetzen sind. François Koepp setzte die Zahl der offenen Stellen sogar doppelt so hoch an - also 2.000 unbesetzte Arbeitsplätze in Hotels, Restaurants und Cafés. Bei einem Gesamtaufkommen von 20.000 Arbeitsplätzen stellte der Bereich HORESCA acht Prozent aller Arbeitsplätze, konstatierte Francine Closener.

Bereit das Schloss zu kaufen

Um das Projekt eines Ausbildungshotels umzusetzen sei der Staat bereit, das Schengener Schloss anzukaufen, meinten die Minister und Staatsekretärin. Außerdem habe Thierry Marx in Aussicht gestellt, dieses Projekt zu begleiten.

Pläne für ein Hotel im Haff Remich

Mit einem Hotel im Schengener Schloss würde auch der eklatante Mangel an Hotelbetten an der luxemburgischen Mosel bekämpft. Auf Nachfrage erklärte Michel Gloden, dass die Idee eines Touristenhotels im Haff Remich nicht vom Tisch sei. Ein entsprechend großes Grundstück befindet sich im Besitz der Gemeinde, wie der frühere Bürgermeister Roger Weber gegenüber dem „Journal“ bestätigte.