LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Wollefszant“: Alexandre Espigares erster abendfüllender Animationsfilm

In einer Scheune, gefüllt mit düsteren und blutrünstigen Gestalten, muss sich der Hund Wollefszant (im Original „White Fang“; in der französischen Fassung „Croc-Blanc“) gegen zwei Kampfhunde zur Wehr setzten. Sein fieser Meister Beauty-Smith will unbedingt viel Geld mit ihm verdienen. Doch Wollefszant verteidigt sich nicht und wird schwer verletzt. Er verliert das Bewusstsein und erinnert sich an seine Kindheit, wo er mit seiner Mutter Kische während eines eiskalten Winters ums Überleben kämpfte.

Der Zuschauer taucht in die Abenteuerwelt von Jack London ein, der den Roman „White Fang“ 1906 schrieb. Die Geschichte vom halb Wolf, halb Hund „White Fang“ - der Name wurde ihm wegen der eindringlichen Farbe seiner Reißzähne gegeben - wurde vom luxemburgischen Oscargewinner Alexandre Espigares („Mr Hublot“) als Animationsfilm adaptiert - sein erster abendfüllender Film, eine amerikanisch-französisch-luxemburgische Koproduktion.

Ein Wollknäuel wird bissig

Der kleine Wollefszant ist ein verspieltes süßes Wollknäuel, das schnell merkt, dass die Realität im Leben anders verläuft als das Raufen mit der Mutter. Beide werden vom Indianer Groë Biber aufgenommen. Kische war einst sein Schlittenhund, und Wollefszant durchläuft ebenfalls die Ausbildung zu einem solchen. Weil der amerikanische Staat das Indianerland verkaufen will, entscheidet sich Groë Biber, das Land selbst für 500 Dollar zu kaufen. Dazu rudert er in die nächste Stadt, wo er Handschuhe aus Biberpelz verkauft. Wollefszant begleitet ihn. Die Idee von Groë Biber geht auch auf. Er wird aber von einem Handlanger von Beauty-Smith ausgeraubt. Letzterer verdient Geld mit Hundekämpfen und will deshalb unbedingt Wollefszant kaufen. Da Groë Biber das Geld dringend braucht, verkauft er den Hund schweren Herzens. Nachdem Wollefszant beim Kampf verletzt wurde, nimmt ihn der Marshall Weedon bei sich und seiner Frau Maggie auf.

Realitätsnah

Bereits vor sechs Jahren begann Regisseur Espigares mit den Vorbereitungen zum Film, der von der luxemburgischen Produktionsfirma Bidibul mitfinanziert und zum Teil in den Studios von „Onyx Luxembourg“ animiert wurde. Das Drehbuch zu „Wollefszant“ wurde im Vergleich zum Roman verändert. Die Originalfassung wurde in englischer Sprache realisiert. In unseren Kinos laufen allerdings nur die französische und luxemburgische Version. In der luxemburgischen Fassung leihen Luc Schiltz (Weedon), Désirée Nosbusch (Maggie), Romain Pierrot (Beauty-Smith) und André Jung (Groë Biber) den Figuren ihre Stimme.

In den Studios vom Filmland Kehlen wurden die einzelnen Szenen mit Schauspielern und Schauspielerinnen sowie Hunden im Motion-Capture-Verfahren gefilmt. Die mit Computerprogrammen zu animierten Szenen weiterverarbeiteten Aufnahmen behalten somit ihr Realitätsnähe. Die einzelnen Figuren bewegen sich wie Menschen. Einzig die Haare sehen hier aus wie aufgesetzte Toupets, und Beauty-Smith ähnelt Gollum aus „The Lord of the Rings“. Die Musik komponierten Bruno Coulais („Les Choristes“) und Gast Waltzing. Im Abspann ist das Lied „You Have Come Home“ zu hören, das von Gabriella Laberge gesungen wird.

Speziell der Teil von Wollefszants Kindheit besticht durch die Beschreibung vom Überleben von Kische und ihrem Sohn. Spannend bleiben die Kämpfe, bei denen das Schlimme immer nur zu ahnen ist, wie der emotionale Schluss. Aus der animierten Fassung von Jack Londons Roman-Klassiker „Wollefszant“ wurde somit ein überaus sehenswerter Film, der auch Erwachsene packen dürfte.