BURBACH/LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Total eröffnet Projekt – Pläne für Luxemburg nicht konkret

Total hat am Dienstag in Burbach an der A620 den Baustart für die erste Wasserstofftankstelle des Saarlands eingeläutet. Zu diesem besonderen Anlass war auch die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger gekommen. Das Saarland gehört zu jenen Regionen in Deutschland, in denen Wasserstoff besonders gefördert wird. Im kommenden Frühjahr soll die Tankstelle offiziell eröffnen.
Das französische Erdölunternehmen betreibt zwar Tankstellen für Benzin und Diesel, beschäftigt sich aber auch sehr stark mit alternativen Energien, zu denen es einen Mix anbieten will.

Schnellladestationen für E-Autos gehören ebenso dazu wie Erdgas in flüssiger und/oder komprimierter Form, also CNG und LNG. Total ist an Wasserstofftankstellen interessiert. Zum 80. Firmenjubiläum vergangenes Jahr hatte das Unternehmen sogar drei Experten zum Thema nach Luxemburg eingeladen. Pläne für eine erste Wasserstofftankstelle sind im Gespräch, realisierten sich aber bislang nicht. So gibt es das „H2Benelux“-Projekt, das insgesamt acht Wasserstofftankstellen in Belgien (3), den Niederlanden (4) und Luxemburg (1) vorsieht.

Wir haben bei Jan Petersen, Direktor Mobilität & Neue Energien bei Total Deutschland und seinem luxemburgischen Kollegen Eric Bleyer nachgehört, warum die Tankstelle gerade jetzt gebaut wird.
Warum wurde Saarbrücken als Standort ausgewählt?

Jan Petersen Saarbrücken bietet die Möglichkeit der Entwicklung Richtung Westeuropa; also Richtung Paris. Es gibt auch einen politischen Willen im Saarland, der sich beispielsweise darin zeigt, dass die saarländische Wirtschaftsministerin vor Ort war. Das Saarland gehört zu den besonders geförderten Regionen. Gebaut wird die Anlage von H2 Mobility, die Technik kommt von Air Liquide. In Deutschland gibt es insgesamt 86 Wasserstofftankstellen.

Was tut sich noch beim Wasserstoff in Deutschland?

Petersen Wir sind in ganz Deutschland seit 2002 aktiv und haben aktuell 26 Wasserstofftankstellen im Netz; aktuell sind Projekte in Erfurt, Neuruppin und Hamburg im Bau. Weitere Stationen in Freiburg und Mannheim befinden sich in der Genehmigungs- beziehungsweise Planungsungsphase. Weitere Wasserstoffzentren sind die Region Rhein-Ruhr, Frankfurt und Stuttgart. Bei Wasserstoff ist es ein bisschen wie bei der Henne und dem Huhn. Ohne Tankstellen keine Autos und umgekehrt. Wir gehen derzeit von rund 900 H2-Pkw in Deutschland aus.

Wie sehen Ihre Einschätzungen des Markts aus – insbesondere mit Blick auf Elektromobilität?

Petersen Wir sehen das als Ergänzung. Wir erwarten, dass es in Zukunft beides geben wird. Batterieelektrische Mobilität sehen wir beim Verkehr in den Innenstädten oder dort, wo man keine größere Energiedichte braucht. Da wo längere Strecken und größere Gewichte eine Rolle spielen, rechnen wir mit Wasserstoff; also beispielsweise bei Lkw und Bussen. Das bietet sich auch wegen der kurzen Ladezeiten an. Innerhalb von nur fünf Minuten kann bei Wasserstoffautos Energie für mehr als 500 Kilometer getankt werden. Die Station hier in Saarbrücken kann auch auf Wasserstoff für Nutzfahrzeuge umgerüstet werden. Da Wasserstoff per Elektrolyse aus Wasser mit erneuerbarem Strom erzeugt werden kann, ist er ein wesentlicher Energieträger der Zukunft auf dem Weg zur Klimaneutralität und somit Bindeglied zwischen Energie- und Verkehrswende. Die Tatsache, dass Total auf batteriebetriebene Elektromobilität setzt, zeigt sich auch darin, dass wir gerade in London ein Netz mit 1.600 E-Ladepunkten von Bolloré gekauft haben. Neben Amsterdam und Brüssel setzten wir damit einen weiteren E-Schwerpunkt in einer europäischen  Hauptstadt.

Wann wird Wasserstoff Elektrizität ablösen?

Petersen Batteriebetriebene E-Mobilität wird im Moment sehr stark gewollt; vor allem von einzelnen Interessengruppen in Deutschland. Aber wir rechnen mit unterschiedlichen Anwendungen. Wir denken, dass mehrere Formen der Energie sinnvoll sind, denn wir wissen nicht, was sich im Energiemix der Zukunft durchsetzen wird. Da wird viel nebeneinander existieren. Die Reifegrade sind aber heute noch sehr unterschiedlich.

Führen Sie Gespräche mit Luxemburg über die Einführung von Wasserstofftankstellen?

Eric Bleyer In Luxemburg reden wir mit verschiedenen potentiellen Kunden, Produzenten,  und der Politik. Einige haben großes Interesse. Wir prüfen, wo wir eine solche Tankstelle errichten könnten oder auch Haustankstellen für ein Unternehmen. Die Gespräche gehen weiter. Wir denken, dass in drei bis vier Jahren etwas Konkretes stattfinden kann.

Fördern Sie die Forschung?

Petersen Selbstverständlich betreiben wir als Total auch Forschung zur Mobilität und zur Erzeugung von grünem Wasserstoff. In Deutschland kooperieren wir mit Sunfire in Dresden.

Wie lange wollen Sie noch Treibstoff verkaufen?

Petersen So lange es einen Bedarf dafür gibt; so lange noch Verbrennungsmotoren fahren. Ob es mehr Beimischungen von Biokomponenten oder synthetischen Kraftstoffen geben wird, wissen wir momentan aber noch nicht, da dies stark von den politischen Rahmenbedingungen abhängen wird.